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The Blues Brothers

(The Blues Brothers, 1980)

Dt.Start: 16. Oktober 1980 Premiere: 16. Juni 1980 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Musical
Länge: 133 min Land: USA
Darsteller: John Belushi ('Joliet' Jake Blues), Dan Aykroyd (Elwood Blues), James Brown (Reverend Cleophus James), Cab Calloway (Curtis), Ray Charles (Ray), Aretha Franklin (Mrs. Murphy), Steve Cropper (Steve 'The Colonel' Cropper), Donald Dunn (Donald 'Duck' Dunn), Murphy Dunne (Murphy 'Murph' Dunne), Willie Hall (Willie 'Too Big' Hall), Tom Malone (Tom 'Bones' Malone), Lou Marini ('Blue Lou' Marini), Matt Murphy (Matt 'Guitar' Murph), Alan Rubin (Alan 'Mr. Fabulous' Rubin), Carrie Fisher
Regie: John Landis
Drehbuch: Dan Aykroyd, John Landis


Inhalt

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis sucht Jake Blues zusammen mit seinem Bruder Elwood das Waisenhaus auf, in dem sie aufgewachsen sind. Dort erfahren sie von der Oberin und von ihrem Ziehvater Curtis, dass beide Steuerschulden abzuleisten haben, um nicht ihr Waisenhaus bzw. ihre Zuhause zu verlieren. Kurzerhand beschließen die Brüder die Band wieder zusammenzuführen, um durch einen Gig das benötigte Geld herbeizuschaffen. Doch dies ist leichter gesagt, als getan.
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Kritik

The Blues Brothers hat eine Wertung von 95%
Zwei Musiker eilen ihrem vom Finanzamt bedrängten Waisenhaus zu Hilfe, suchen ihre Band zusammen und geben ein Konzert, um $5000 einzuspielen. Dafür legen sie einen ganzen Bundesstaat der USA in Schutt und Asche. Die Kultkomödie Blues Brothers stürmt wieder auf die Leinwand und beschämt die inhaltsleere, moderne Komödie. Für Musikliebhaber, Fans von Anarchohumor, Destruktionen, Satiren, Klamauk und solchen, die gerne echtes Kino sehen wollen.

Bild aus The Blues Brothers Das selbsternannte Land der Freiheit duldet keine Anarchie, weshalb anarchischer Humor, obwohl hochverehrt, Seltenheitswert besitzt! Neben den Marx-Brothers, einigen Stummfilmveteranen und dem legendären Duo Abbott und Costello gab nur eine kurze Phase subversiver Anarchie im Amerikanischen Kino. In der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre, während der Konsolidierungsphase des New Hollywood, durften Kris Kristoffersen in Convoy und Burt Reynold in den Schlitzohr-Filmen die Highways unsicher machen und der Polizei eine Nase drehen. Die Joint-Poeten Cheech und Chong machten in dieser kurzen Zeit Viel Rauch um Nichts und auch in der College-Komödie (Animal House) wurde jeglicher Obrigkeit der Kampf angesagt.

Selbst der konservative Steven Spielberg hoffte, mit 1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood ein Stück vom Anarchokuchen abzukriegen. Doch der Start des Militärklamauks wurde von weltpolitischen Ereignissen gestört, die statt zum erhofften Megaerfolg zu Spielbergs einzigem Boxofffice-Flop führten. Mit der Invasion der Russen in Afghanistan und dem Geiseldrama in der Botschaft von Teheran wurde jener Patriotismus wieder angestachelt, der zuvor durch Rezession, Vietnam-Trauma und der Zerstörung der Bürgerrechtsbewegung buchstäblich zertrampelt worden war.

So fiel der Höhepunkt des Anarchischen Humors eigentlich in die Zeit nach dem erzwungenen Zusammenbruch der Welle im ommer 1980. John Belushi, Star des "Saturday Night Live"-Ensembles und seit dem Erfolg des Comedy Spin-Offs Ich glaub', mich tritt ein Pferd (1975) einer der bekanntesten Komiker des Landes, hatte als Schreckenspilot Wild Bill bereits in 1941 allen die Show gestohlen und holte nun zum großen Rundumschlag seiner Karriere aus. Für Lorne Michaels "SNL"-Erfolgsformat hatten er und sein kanadischer Kumpel Dan Aykroyd eine auflockernde Musiknummer ersonnen, deren Subversivität ganz dem perversen Humor des Kollegen Andy Kaufman entsprach: In dunklen, konservativen Anzügen, die wahlweise Assoziationen an FBI, Finanzbeamte oder rassistische Geschäftsleute hervorriefen, spielten sie mit Hilfe prominenter Musik rockigen Blues, die Musik der ignorierten "schwarzen Minderheit". Die paradoxe Nummer, dank ihrer Professionalität bald regelmäßiger Bestandteil der Show, entwickelte durch Aykroyds Kreativität und Belushis vulkanischer Energie und Sangeskraft ein heftiges Eigenleben. Die Blues Brothers gingen auf Tournee und brachten zwei Platten mit Coverversionen bekannter Blues und Soulnummern auf den Markt.

Der unausweichliche Kinoauftritt der Blues Brothers wurde von Dan Aykroyd zur Apotheose der Siebziger Jahre und zur kurzen Umarmung des schwarzen mit dem weißen Amerika geschrieben. Weggefährte John Landis drehte im Herbst 1979 für damals unglaubliche $30 Mio. die verrückte Mischung aus Highway-Carambolagen, Musikfilm, Sozialsatire und energischer Hommage an die Afroamerikanische Kultur gespickt mit anarchischem Humor, Genrezitaten, zahllosen Auftritten weißer und afroamerikanischer Stars. So hatte u.a. Belushi seine Zustimmung für 1941 von Spielbergs Zusage für ein Cameo in der Musikkomödie gemacht. Die Story der Blues Brothers verwebt Märchen, Roadmovie, Klamauk und Destruktionshumor der Extraklasse: Die Brüder Jake und Elwood Blues eilen dem durch Steuerforderungen bedrängten Waisenhaus ihrer Kindheit zu Hilfe, in dem sie erst ihre alte Band zusammentrommeln und schließlich ein Konzert im Palace Hotel Ballroom geben. Um die für Hollywoodverhältnisse läppischen $5000,- Grundsteuer zusammen zu kriegen, legen sie sich nicht nur mit sämtlichen Polizeibehörden, der Nationalgarde, wilden Nazis und auch der fiesen Country-Band "The Good Old Boys" an, sie hinterlassen dabei eine Schneise der Zerstörung im Staat Illinois und vor allem ihrer Kapitale Chicago (die Verfolgungsjagd durch Chicagos Haupstraßen ist bis heute ein Genuss).

Allein schon der Gag ihrer "göttlichen Mission" sowie die Dämlichkeit der Behörden wären heute Grund genug, die Macher ans Kreuz zu nageln. Der gelungene Spass voller Running jokes, absurden Übersteigerungen, filmrhythmischer Eskapaden und in den Wahnwitz abrutschende Gags, die jegliche Realität negieren, sorgte für vier einschneidende Resultate. Zum einen teilte sich das US-Kinopublikum sofort in geschockte Konservative und hysterische Liberale, was das Werk streng genommen zu einem Kassenflop machte. Zum anderen wurde daraus ein Instant-Klassiker vor allem jenseits des Atlantiks, der in manchen Kino bis heute regelmäßiger Gast ist.

Die Karrieren der im Film aufgetretenen Rhythm'n'Blues- und Soulstars wie James Brown, Aretha Franklin oder John Lee Hooker erhielten neue, unglaubliche Impulse wie auch die ganze afroamerikanische (Musik-)Kultur wieder verstärkt in weiße Haushalte Einzug hielt. Blues wurde nach den frühen Sechziger Jahren wieder salonfähig und erlebte eine Renaissance. Blues Brothers bildet einen Kreuzungspunkt der Filmgeschichte, in dem nicht nur John Belushi und Dan Aykroyd einen ihrer Höhepunkte feiern. Wenn ausgerechnet Belushis echter Manager Bernie Brillstein als Musikagent auftritt und von den seligen Siebziger Jahren spricht, weint er nicht nur der vergangenen Dekade eine Träne nach sondern auch der jener kurzen Zeit in Hollywood, als Filmemacher ihr eigenes Konzept umsetzen konnten und selbst kritisch-subversives Gedankengut nicht von Marketingstrategen aus einer Geschichte herausgeschnitten wurden (allein der trostlose Blick in Elwoods Arbeitswelt ist das Eintrittsgeld wert). Die 80er Jahren erlebten schliesslich die Renaisance des Studiosystems. Natürlich kann man die knapp 130 Minuten der "Show that really hits the road", wie das Originalplakat anpries, auch als leichter Destruktionsklamauk genossen werden. Immerhins werden ja ganze Shopping-Malls plattgefahren, Hunderte von Polizeifahrzeugen demoliert und "meine Uhr kapputt gemacht". Dass das "wüsteste Team seit Nitro und Glyzerin" (Werbeslogan des deutschen Verleihers) mehr zu bieten hat, kann dem aufmerksamen Betrachter gar nicht entgehen. Es ist nur soviel, dass man sie alle gar nicht aufzählen kann.

von Harald Witz


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Dt. Start: 05. Feb 2004
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