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The Eye

(The Eye, 2008)

Dt.Start: 29. Mai 2008
DVD: 15. Oktober 2008
Premiere: 01. Februar 2008 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Horror
Länge: 98 min Land: USA
Darsteller: Jessica Alba (Sydney Wells), Parker Posey (Helen Wells), Alessandro Nivola (Dr. Paul Faulkner), Rade Serbedzija (Simon McCullough), Rachel Ticotin (Rosa Martinez), Chloe Moretz (Alicia Millstone), Tamlyn Tomita (Mrs. Cheung), Zak Santiago (Emilio)
Regie: David Moreau, Xavier Palud
Drehbuch: Sebastian Gutierrez, Jo Jo Yuet-chun Hui


Inhalt

Die Konzert-Violinistin Sydney Wells hat als Kind bei einem Unfall das Augenlicht verloren und lässt sich nun mittels einer Hornhauttransplantation die Sehfähigkeit wiederherstellen. Kurz nach der Operation beginnt sie plötzlich Geister und übernatürliche Dinge zu sehen, was sie zunächst als postoperatives Phänomen abtut. Doch als die schrecklichen Bilder kein Ende nehmen, beginnt sie Nachforschungen anzustellen und versucht die Identität ihres bisher unbekannten Spenders herauszufinden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Eye hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Harald Witz
The Eye hat eine Wertung von 70%
Nach so vielen anderen asiatischen Horrorfilmen darf es dem visuell exzellenten Geistergrauen der Brüder Pang nicht anders ergehen: Hollywood erzählt The Eye fürs heimische und internationale Publikum neu und setzt dabei ganz auf die Zugkraft von Jessica Alba. Die erblickt nach einer Netzhauttransplantation endlich wieder das Licht der Welt, aber auch Geister und Visionen der Vorbesitzerin der Spenderorgane. Zwischen Nervenzusammenbrüchen und endlosem Geisterterror versucht sie gemeinsam mit dem Psychiater Faulkner (Alessandro Nivola) den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Bild aus The Eye Es wird wohl noch eine Weile so weitergehen: Die Asiaten brillieren mit einem Film an den pazifischen Kinokassen und bald darauf stürmt ein Remake "made in Hollywood" in die Kinos, während dem Original hierzulande allenfalls eine DVD-Premiere zuteil wird. Bemerkenswert ist dabei die Unverfrorenheit, mit der Hollywood die Kreativität und Innovation für sich reklamiert und ganz nebenbei den Markt für das Original blockt. Dabei liegen die Gründe für Remakes auf der Hand. Betriebswirtschaftlich kann man es den Amerikanern gar nicht verübeln, dass sie ihr Geschäftsrisiko bestmöglich mindern. Schließlich kann ein Remake auf ein bereits existierendes Erfolgskonzept aufbauen, während eine Eigenentwicklung angesichts hoher Produktionskosten in den USA schon mal vom Markt abgelehnt werden kann und so Verluste bringt. Letztlich ist es nur noch eine Frage des Marketings, den amerikanischen und europäischen Kinogängern zu suggerieren, dass das beste und innovativste Kino noch immer aus der amerikanischen Traumfabrik kommt (wie zuletzt beim unsäglichen Speed Racer).

Nun hat es den thailändischen Gruselschocker The Eye der Pang-Brüder erwischt, die spätestens seit Bangkok Dangerous im Visier der internationalen Produzenten stehen. Ihre chinesische Geistergeschichte aus dem Jahre 2002 besticht durch eine kühne Erzählweise, grandiose visuelle Effekte und eine erfrischende Bildsprache. Knapp 6 Jahre später legen die beiden Franzosen David Moreau und Xavier Paldau eine amerikanische Hochglanz-Neufassung vor, die neben den gehobenen Produktions- und Schauwerten vor allem mit ihrem Topstar Jessica Alba kokettiert, deren zart-kühle Attraktivität noch jeden jugendlichen Kinogänger jedweden Geschlechts zum Träumen gebracht hat. Einer gehobenen Produktionsästhetik folgend, spielt Alba die erfolgreiche Violinsolistin namens Sidney Wells, die als Kind bei einem Unfall ihr Augenlicht verlor. Nun erhält sie dank einer Spendernetzhaut ihre Sehkraft zurück. Das erfreut auch ihre Schwester Helen (Parker Possey), da sie damals den Unfall verschuldete und seit dem von Gewissenbissen geplagt wird. Doch statt all der Wunder der sichtbaren Welt, erlebt Sidney nach der erfolgreichen Operation einen Horrortrip. Zwar hatte sie der Psychiater Dr. Faulkner (Alessandro Nivola) auf eventuelle Depressionen vorbereitet, da die Eindrücke einer neuen Wahrnehmungsmöglichkeit die anderen Sinne überwältigen könnten. Nur hat niemand gesagt, dass die neue Erlebniswelt, in die sie sich durch die langsam entwickelnde Sehkraft erst hineintasten muss, auch voll ist mit Visionen von seltsamen Schemen, Toten und Bildern von anderen düsteren Orten. Von Albträumen und Visionen geplagt, zieht sich Sidney wieder in die Welt ohne Licht zurück, doch die Spukgestalten und Visionen lassen nicht von ihr ab.

Weder Medikamente noch der Rat von Dr. Faulkner helfen, bis Sidney zumindest hinter den visionären Attacken ein System erkennt. Sie stammen von der toten Vorbesitzerin der Netzhaut und beziehen sich auf zwei Ereignisse: die Flammenhölle einer Unfallkatastrophe und ihr Freitod in einem schäbigen Kellerraum, der sich immer wieder in ihrem Luxusapartment manifestiert (ein Schelm, wer hier den größten Horror vermutet). Also beschließt Sidney nach Mexiko zu reisen, um die Angehörigen der Spenderin ausfindig zu machen, um zumindest dieses Rätsel zu lösen.

Schon der Prolog beginnt, streng genommen, mit Erklärungen, auch wenn er zuvorderst dazu dient, eine albtraumhafte Stimmung zu erzeugen. Aber die ganze US-Version von The Eye ist von Erklärungen durchzogen, weil das Team um Moraud und Palut der Aufmerksamkeitsfähigkeit seiner Zuschauer nicht traut. Sie verzichten auf die genreübliche Blut-Inflation, weil sie Mystery und Gruselspannung bevorzugen. Mit gezielten visuellen und soundtechnischen Schockmomenten widmen sie sich in der ersten Hälfte einer Geistervorführung, die immer mehr zum Thriller abflacht. Erst zum explosiven Finale hin zieht es sie wieder in übernatürliche Bereiche. Die Themen von der Kontaktaufnahme aus dem Jenseits und der Vorbestimmung des Schicksals wurden hier ebenso schwach und harmlos gelöst wie bei Die Mothman Prophezeihungen - Tödliche Visionen oder der lauen Final Destination-Trilogie.

Für fortgeschrittene Freunde abstehender Nackenhaare bietet die US-Version trotz einer effektreichen Inszenierung nichts Neues. Die drögen Dialoge stolpern vornehmlich über die eigenen Erklärungen und tragen so zur Betonung von Genre-Stereotypen bei. Zu gute halten möchte man Moreau und Paldau, dass ihre Transformation des Originals auf amerikanische Verhältnisse recht gelungen ist und dem Werk eine eigene Note gibt. Außerdem wendet sich ihre Version von The Eye eher an ein jüngeres und unerfahrenes Publikum, denen diese Fassung als gelungener und erfrischender Zeitvertreib in Erinnerung bleiben könnte. Gerade für Einsteiger ins Horrorfach könnte die US-Version von The Eye eine ordentliche Unterhaltung sein, weil die beiden Franzosen, anders als im Original, garantiert keine Innovationen wagen.



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