Regisseur Özgür Yildirim erzählt in seinem Sozialdrama die Geschichte eines jungen Türken, der von Ansehen und Ruhm träumt. Der Weg zum Ziel ist steinig und erfordert einige Opfer. Moritz Bleibtreu und Denis Moschitto spielen in dieser realitätsnahen Geschichte, die durch ihre Direktheit schockiert. Untermalt wird die Handlung durch genretypische Hip Hop Musik.
Chiko lebt in Hamburg. In seinem Viertel ist er mit Kumpel Tibet unterwegs. Beide träumen davon, einmal groß rauszukommen, am besten im Drogenmilieu, weil man dort schnell Geld machen kann. Um an ihr Ziel zu gelangen, müssen sich die beiden mit dem Drogenhändler Brownie gut stellen, denn dieser ist der König des Reviers. Chiko gelingt es schnell sich mit viel Schlagfertigkeit und scheinbarer Skrupellosigkeit bei Brownie einen Namen zu machen. Der gibt ihm eine Chance und schon nach kurzer Zeit steigt Chiko zum Mann an Brownies Seite auf. Tibet dagegen bleibt erfolglos. Als ihm ein schwerer Fehler unterläuft, wird auch Chiko zur Rechenschaft gezogen. Nun steht nicht nur die Freundschaft zu Tibet, sondern auch Chikos Ansehen bei Brownie auf dem Spiel.
Der Film von Regisseur Özgür Yildirim wurde u.a. von Fatih Akins Produktionsfirma "Corazon International" mitproduziert. In der Geschichte geht es nicht allein darum aufzuzeigen, wie das Drogengeschäft funktioniert, sondern vor allem auch um die Werte von Freundschaft und Glaubwürdigkeit. Chiko ist von dem Wunsch besessen, sich einen Namen zu verschaffen und an Brownies Seite zu stehen. Als er sein Ziel erreicht, vergisst er seine Freundschaft zu Tibet und ist nur darum bemüht, sein Ansehen bei Brownie zu steigern. Zwar ist er von der Brutalität, die der Drogenboss bei Verhandlungen an den Tag legt, schockiert, lässt sich das aber nie anmerken. Erst als Tibet einen schweren Fehler begeht und dadurch auch ihn selbst in Gefahr bringt, wird ihm bewusst, welche Macht Brownie hat. Erst zu diesem Zeitpunkt beginnt er zu zweifeln und lässt sich letztlich auf den schweren Weg ein, gegen Brownie zu handeln.
Die Brutalität, die in Chiko gezeigt wird, ist zum Teil nur schwer zu verdauen. Sie wirkt äußerst realistisch und ist dadurch umso brutaler in ihrer Wirkung auf den Zuschauer. Die Darsteller spielen ihre Figuren zudem ebenfalls sehr realitätsnah. Moritz Bleibtreu übernimmt den Part des Drogenkönigs, der nach außen stets eine freundliche und charmante Fassade präsentiert, unter der aber ein knallharter Typ lauert, der sich sofort ins Gegenteil wenden kann. Dem gegenüber steht Denis Moschitto als Chiko. Man sieht ihm an, dass ihm Gewalt und Härte, die er präsentieren muss, schwer fallen und dass er stets darum bemüht ist, den Schein des coolen Typen nach außen hin zu wahren. Sein Wunsch nach Ansehen ist so groß, dass er zunächst nur das gute an Brownie sieht. Darüber vergisst er völlig seinen Freund Tibet und dessen Probleme.
Yildirims erstes Langfilmdebüt wird durch einen Soundtrack genretypischer deutscher Hip Hop Musik untermalt, wodurch manche Szenen durch die Songtexte in ihrer Wirkung noch mehr herausgehoben werden. Mit Chiko ist ihm eine Mischung aus Drama und Genrefilm gelungen, sehr direkt und äußerst realistisch. Die guten Darsteller und der Einblick in ein fremdes Milieu lassen den Film zu einem Erlebnis werden, das man nicht so schnell vergessen wird.