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Superhelden haben Konjunktur. Charakteristikum dieser Helden war bisher, dass unter Maske und Kluft eine sehr menschliche, mit Schattenseiten ausgestattete, Figur steckte. Jumper präsentiert eine Gattung von Superhelden ohne Camouflage, die als erstes an sich denkt. Das klingt erfrischend ehrlich, bleibt aber in diesem Ansatz stecken. Ohne den Aspekt der Dualität des Helden und seinem Streben nach mehr als dem Alltäglichen, verkommt das Geschehen zu einer handlungsschwachen Effektinszenierung.
Es gibt sie schon seit jeher. Menschen mit der außergewöhnlichen Gabe, sich Kraft ihres Geistes, ohne Zeitverlust von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Diese so genannten Jumper brauchen nur Ägypten zu denken und schon stehen sie auf dem Kopf der Sphinx. David Rice (Hayden Christensen) ist einer von ihnen. Als 15-jähriger entdeckt er, in Lebensgefahr schwebend, diese besondere Gabe, die ihn von den Normalsterblichen unterscheidet. David stammt aus einer zerrütteten Familie. Sein Verhältnis zu seinem Vater ist mehr als schwierig, und die Mutter (Diane Lane) hat die beiden unter mysteriösen Umständen verlassen als David gerade fünf war, was den Jungen sehr mitgenommen hat. Er beschließt mit seiner neu entdeckten Fähigkeit ein aufregenderes Leben zu beginnen. Dieses neue Leben zu finanzieren ist jetzt kein Problem. Banktresore sind für David Selbstbedienungsläden. Er teleportiert sich mit leeren Taschen hinein und mit gefüllten wieder heraus.
Einige Jahre sind vergangen. Das Leben könnte so schön sein. Geld, stressfreies Reisen, kein Einchecken am Flughafen, keine Kontrollen und pünktlich für die favorisierte TV-Serie zurück auf dem heimischen Sofa. Ganz so problemlos läuft das Leben als egoistischer Superheld nicht immer ab. Jumper haben gefährliche Feinde. Eine Geheimorganisation aus Elitekriegern, Paladine genannt, ist ihnen seit Jahrhunderten auf den Fersen. Boss der Truppe ist der fiese Roland (Samuel L. Jackson), dem David nur knapp entkommen kann. Aller Probleme nicht genug, spukt David noch seine Jugendliebe Millie Harris (Rachel Bilson) im Kopf herum. Während einer gemeinsamen Reise nach Rom, gerät er erneut ins Fadenkreuz der Paladine und diesmal rettet ihn ein anderer Jumper. Der schräge Griffin (Jamie Bell) hat schon lange eine Vendetta mit den gemeinsamen Feinden laufen und dessen Hilfe wird David noch bitter nötig haben. Es geht um sein und das Leben seiner Freundin.
Alles erinnert ein wenig an X-Men und die TV-Serie Heroes, ist von deren Komplexität und der Vielschichtigkeit dieser Charaktere allerdings weit entfernt. Vielleicht lag es in der Absicht der Macher, Figuren zu zeichnen, die mangels charakterlichen Tiefgangs ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten einfach nur zu ihrer Bedürfnisbefriedigung einsetzen. Eine Spur von Zeitgeist- und Gesellschaftskritik? Wahrscheinlich ist das bereits zuviel der Ehre für die Intention des Films. Auf elementare Aussagen wie "Mit großer Macht kommt große Verantwortung", wird man vergeblich warten. Die Charaktere sind glatt, schnörkellos und lieblos gezeichnet, allen voran die Figur des David. Hayden Christensen (Darth Vader in Spee) hat seit Star Wars schauspielerisch keine großen Sprünge gemacht. Ein wenig Substanz verleiht die manisch bis paranoid angelegte Rolle des Griffin der Geschichte. Und auch Samuel L. Jackson als unsympathischer Beschützer der Menschheit und Anführer der Paladine müht sich diesem Gehopse einige tiefere Facetten zu verleihen. Dieser pseudo-mythologische Unterbau entpuppt sich leider als der verzweifelte Versuch die Storyline vor der Inhaltslosigkeit zu retten.
Davids schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und sein seelisches Trauma durch das frühe Verlassenwerden sind zusätzlich Versuche dem Ganzen ein paar Drama-Qualitäten zu verleihen und dem Plot einen roten Faden zu geben, wirken aber extrem deplaziert und nehmen immer wieder Fahrt raus. Tempo ist eigentlich alles wovon der Film lebt. Perfekte Tricktechnik, rasante Schnitte nach jeder Teleportation, ständig wechselnde Schauplätze und Perspektiven, sowie Kampfszenen mit Kamerafahrten bei denen die Jumper sich blitzschnell durch den Raum bewegen und damit den Eindruck erwecken, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, sorgen für interessante visuelle Eindrücke. Dass Regisseur Doug Liman diese Stilmittel gekonnt einzusetzen versteht, hat er schon mit Mr. & Mrs. Smith, sowie Die Bourne Identität bewiesen. Für mehr hat es diesmal nicht gereicht. Ein Jump weg von der Kinokasse ist tendenziell anzuraten. |