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Mit dem Film I'm Not There begibt sich Todd Haynes auf das eh schon dünne Eis des Biopics. Da er aber anscheinend etwas Ungewöhnliches machen wollte, geht er hier weder stringent chronologisch vor, noch erzählt er emotional geradlinig. Deshalb kann man ihn des Experimentes wegen loben, muss dieses jedoch als relativ gescheitert ansehen.
Johnny Cash, Ray Charles und Edith Piaf wurde schon neulich ein filmisches Denkmal gesetzt, nun ist also Bob Dylan an der Reihe. Der Titel "I'm not there" entstammt einerseits einer Textzeile aus einem Dylan-Song, ist aber auch Programm: Bob Dylan kommt persönlich im Film gar nicht vor. "Inspired by the many lives and the time of Bob Dylan" kann man im Vorspann lesen. Und was dann kommt, ist ein für mich kaum nachvollziehbarer Rausch aus Drogen, Bildern und Musik, in welchem versetzt sechs Geschichten erzählt werden, die wohl alle auf verschiedene Weise von Bob Dylan inspiriert zu sein scheinen. Lediglich das Schauspielerensemble leistet so tolle Arbeit, dass ich mich gewundert habe, denn ohne erkennbaren emotionalen Background, kann eigentlich kein substanzielles Spiel entstehen. Von den sechs allesamt exzellenten "Dylan-Darstellern" ragt für mich Cate Blanchett über allen hinaus. Sie beweist nun auch in einer Männerrolle, dass sie zu Hollywoods besten Schauspielerinnen gehört. Rauschzustände sind das Schwierigste, was ein Schauspieler darstellen muss, da die Kontrolle über die Mimik und Gestik verloren geht. Doch den Rausch, in dem Cate Blanchett sich befinden soll, nehme ich ihr tatsächlich ab. Hut ab.
Allein eine Geschichte ersetzt das nicht. Die vielen Schattierungen können Wirklichkeit spiegeln, aber auch frei erfunden sein, das muss der Zuschauer leider selbst entscheiden. Dafür wäre aber eine ungefähre Kenntnis der Biographie des Musikers von Nöten. Nur so kann das Geflecht von Anspielungen und Brüchen vom Zuschauer entschlüsselt und verarbeitet werden. Nun steht aber ein neues Medium ja immer auch einem neuen Publikum zur Verfügung (so sollte es zumindest sein) und dieses neue Publikum bleibt, glaube ich, ratlos zurück.
Dass der Film, obwohl er es einem durch die verschiedenen Erzählebenen sowieso schon schwer macht, sich auch noch 135 (!) Minuten lang hinzieht, kommt erschwerend hinzu. Freilich ist es erlaubt, eine ambivalente, von Rauschzuständen immer wieder gezeichnete, Künstlerfigur, bei welcher Genie und Wahnsinn eng aneinander lagen, auch andersartig zu porträtieren. Das "Anders sein" darf dann aber nicht zur Attitüde werden, denn dann läuft man Gefahr, der substanziellen Ambivalenz des Originals nicht gerecht zu werden! Deshalb war der Film für mich eher unbefriedigend, und ich kann ihn, wenn überhaupt, lediglich Bob Dylan Fans ans Herz legen, die jede Art von Hommage gut finden. |