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Kult entsteht durch Tragik. Und nun ist er zurück, der dunkelste aller tragischen Helden: Batman. Vor drei Jahren schrieb man den ersten Part der Neuerzählung dieser Comiclegende aus dem Hause DC. Mit Christian Bale in der Hauptrolle enthüllte sich, warum Bruce Wayne zu dem wurde, was fortan sein Leben in allen Facetten prägt und bestimmt. Als fledermausohriger, im Hitech-Kampfanzug steckender, Beschützer wacht er über die Unschuldigen in Gotham City und verfolgt mit aller Härte die Schuldigen. Der zweite Teil der Saga führt in noch tiefere psychische Abgründe und bastelt gehörig an der Endtragig des dunklen Ritters, vergisst nur leider, dass insbesondere eine Comicadaption, sogar solch eine düstere, ohne eine gehörige Portion Witz und Ironie viel an Charme einbüsst.
Wo ist er geblieben, dieser böse Humor und "tödliche" Sarkasmus mit dem Batman, nebst brachialer asiatischer Kampfkunst, seinen Widersachern die Hammelbeine lang gezogen hat? Nur gelegentlich schimmert dieser Charme noch durch und hauptsächlich verdankt man dies den überragenden Nebendarstellern. Hier wurde penibelst darauf geachtet, jede noch so kleine Rolle, mit tragender Funktion, durch charismatische Schauspieler zu besetzen: Neben den schon aus dem ersten Teil Batman Begins bekannten Hollywoodgrößen Michael Caine (Alfred), Morgan Freeman (Lucius Fox) und Gary Oldman (Lieutenant Gordon), sind diesmal Aaron Eckhart (Staatsanwalt Harvey Dent) und Eric Roberts (Mafiaboss Maroni) mit von der Partie.
Der kürzlich an einer Überdosis Beruhigungsmittel verstorbene Heath Ledger bereichert dieses Ensemble mit seiner Interpretation des Jokers - eine Art krimineller Genius und clownesker "Chaosdämon". Vor ihm hatte bereits Jack Nicholson diesen Erzrivalen der Fledermaus in der 1989er Verfilmung namens Batman verkörpert und der Figur seinen Stempel aufgedrückt. Und damals wie heute lebt die Story von eben dieser kongenialen Darstellung des psychotischen Schurken. Ledger galt als eine der großen Hoffnungen des amerikanischen Kinos. Mit Filmen wie Ritter aus Leidenschaft hatte er die Herzen eines jungen Publikums im Sturm erobert und seine Rolle in Ang Lees Brokeback Mountain brachte ihn sogar eine Oscarnominierung ein. Ob seine Version des Jokers an die von Nicholson heranreichen oder diese gar übertrumpfen kann, mag jeder für sich selbst entscheiden. Eine posthume Oscarnominierung erscheint bereits wahrscheinlich.
Eine gute Jokerperformance allein macht aber The Dark Knight weder zu einem Genremeilenstein, geschweige den zu einem abgründigen Psycho-Actionthriller. Hierzu fehlt dem etwas uninspiriert wirkenden Werk einiges. Vor allem optisch hat Gotham City stark abgebaut: Blass und langweilig wirkt Batmans Heimat. Der düstere, unheilschwangere Gothiktouch ist passe. Austauschbar und x-beliebig präsentiert sich die City, ohne prägnante Merkmale. Ganz wie Hauptdarsteller Christian Bale, der neben den großen Akteuren des Charakterfachs, kaum eine Spur nennenswerter schauspielerischer Akzente zu setzen vermag. In seiner Rolle als Bruce Wayne ist er nicht mehr als ein reicher Society-Schnösel, dessen Figur der Dramaturgie essentiell nichts hinzufügt, und in der Personifikation seines anderen Ichs wird ihm die Show stets vom Joker gestohlen.
Dieser möchte Chaos und Anarchie auf die Straßen von Gotham City bringen und sieht sich selber in seinem Wahn als "naturbedingter" Gegenpol zu Gothams dunklem Beschützer, der inzwischen tatkräftige Unterstützung von einem "weißen Ritter" in der Person des Bezirksstaatsanwalts Harvey Dent bekommen hat. Ihm ist es innerhalb kürzester Zeit gelungen, die Hälfte der Kriminellen Gothams hinter Gitter zu bringen und sich ganz nach oben auf die Abschussliste der Mafiasyndikate zu befördern. Bruce Wayne setzt seine ganze Hoffnung darauf, dass es Dent gelingen wird, den Rest der Verbrecher auch noch dingfest zu machen. Dann könnte er sich als Batman zur Ruhe setzen und wieder mit seiner großen Liebe Rachel (Maggie Gyllenhall) vereint sein.
Die Apokalypse im Schlepptau gelingt es dem Joker aber mit seiner stets süffisanten Überredungskunst die Syndikate in einen perfiden Plan zur "Neugestaltung" Gothams einzubeziehen. Und auch Batman und Konsorten verstricken sich in das Gespinst aus Wahnsinn und Gewalt, welches der Joker webt, um den dunklen Ritter zum Endkampf um "Gothams Seele" zu fordern. Keine Schlacht aber ohne Opfer und auch Menschen, die Bruce Wayne viel bedeuten, geraten in die Schusslinie. Alles läuft auf eine einsame Entscheidung hinaus, die unausweichlich Batmans zukünftige Rolle neu definieren wird und aus Freunden "Dämonen" der Zukunft machen könnte.
Als mit Batman Begins diese Geschichte ins 21. Jahrhundert geholt wurde, leistete man ordentliche Arbeit und The Dark Knight hätte diese konsequent fortführen können. Doch ein Übermaß an Melodramelementen dehnt die Story auf über zweieinhalb Stunden in denen es oft nicht zu handlungsfördernden Entwicklungen kommt. Das Tempo leidet hierbei eindeutig. Wenn es dann mal rummst, ist alles perfekt inszeniert und die Spezialeffekte erfüllen maßgeschneidert ihren Zweck. Schade nur, dass bei diesen Neuadaptionen des Stoffes wenig vom ursprünglichen Comic-Charakter übrig bleibt. Ein wenig mehr Mutterwitz und der coole Sarkasmus mit dem Batman früher die Schurken aufmischte, werden ernstlich vermisst. Im Ringen um die Seele des Streifens entscheidet eindeutig der Joker das schauspielerische Duell für sich. Ohne diesen wäre das ganze teilweise nicht mehr als langatmiges Effektkino. Thank you for giving us this show and farewell Mr. Heath Ledger! |