Das vorletzte Kapitel der bereits abgeschlossenen Harry Potter-Reihe ist nun endlich bereit sich dem Kinozuschauer zu stellen und da es jetzt auf das große Ende zu geht, müssen sich die Macher ran halten und den Fans etwas bieten! Scheinbar ist das aber bei Regisseur David Yates nicht angekommen und so ist Harry Potter und der Halbblutprinz zwar ein sehr langer, aber auch sehr dünner Film, der kaum begeistern kann.
Als 2001 der erste Film in den Kinos anlief war der Erfolg quasi schon vorprogrammiert, denn die Fans der Bücher wollten die fantastische Geschichte um den jungen Zauberer Potter natürlich auch auf der Leinwand sehen. Jetzt sind seitdem acht Jahre vergangen und die Bücher sind endlich angekommen: Das große Ende ist veröffentlicht! Die Kinofilme hinken hier naturgemäß etwas hinterher, und dass die eingefleischten Fans schon jetzt wissen wie alles enden wird, sorgt nicht gerade für beste Spannungsvoraussetzungen im sechsten Teil. Hinzu kommt dann noch die für Fans wenig begeisternde Teilung des letzten Teils Harry Potter und die Heiligtümer des Todes in der Filmfassung und schon müssen sich die Macher ordentlich ins Zeug legen!
Voldemort ist zurück und jetzt ist es unbestreitbar! Dumbledore und Potter werden rehabilitiert und in Hogwarts wird die Uhr der Arbeitsplätze und Regeln wieder zurück gedreht. Doch schon während der Ferien geschehen komische Dinge, die die drei Freunde Hermine, Ron und Harry zufällig beobachten: Draco Malfoy scheint etwas im Schilde zu führen - Harry vermutet sogar, dass er im Kreis der Totesser aufgenommen wurde. Als dann das Schuljahr wieder beginnt, überschlagen sich die Ereignisse und einige große Gefahren warten auf die jungen Zauberer.
Gerade in Harry Potter und der Orden des Phönix war die zunehmende Dunkelheit deutlich erkennbar - die Entwicklung vom Kinder- zum echten Fantasyfilm mit Mysteryeinflüssen schien abgeschlossen. Der Halbblutprinz hingegen rudert in diesem Aspekt jetzt (leider) wieder deutlich zurück und verpasst damit die Chance an die Bücher Anschluss zu halten und der älter werdenden Fangemeinde gerecht zu werden. Dafür hat man bei der Laufzeit nochmal ordentlich eins drauf gepackt: Schlappe 153 Minuten lang ist das Ungetüm, welches damit sicher nicht mehr als kindgerecht bezeichnet werden kann. Doch trotz dieser Überlänge verspürt man während des Filmes keine echten Längen.
Dies ist aber nicht etwa der relevanten - und zentralen - Storyline zu verdanken, die bei näherer Betrachtung durch die Kürzungen im Drehbuch einige heftige Logiklücken aufbringt, sondern vielmehr der gesamten Aufmachung des Streifens und der vielen Nebengeschichten. Hier hätte also am Schnitttisch deutlich mehr Zelluloid fallen müssen, denn eine überlange Weichspülvariante des Buches braucht nun wirklich keiner.
Ein weiteres großes Manko sind vor allem die immer emotionaler werdenden Abschnitte der Geschichte. Leute sterben, und spätestens seit dem Tod von Sirius Black in Harry Potter und der Orden des Phönix ist klar, dass Daniel Radcliffe in genau diesen Szenen gnadenlos versagt. Dieser Umstand stört im aktuellen Streifen noch viel mehr, denn während der Zuschauer am liebsten laut schluchzend im Kinosessel kauern würde, schaffen es die Macher die Emotionen komplett aus den Szenen zu entfernen und damit jegliche Tragik gleich mit. Dadurch kommen diese so essentiellen und für den Fortgang der Geschichte unabdingbaren Mitgefühle, aber auch Zweifel überhaupt nicht auf. Man könnte den Machern fast nachsagen, dass sie die Bücher nicht verfilmen, sondern vielmehr dafür sorgen wollen, dass man lieber die Bücher liest als ihre Filme schaut!
Es wird schwieriger die Leute bei der Stange zu halten, denn mittlerweile weiß wohl jeder - auch diejenigen, die die Bücher nicht gelesen haben - wie es mit Harry Potter endet. Gerade deswegen war in den letzten Filmen der Gang weg vom Kinderfilm hin zum düsteren Mysterystreifen mit solider Grundlage absolut richtig. Dass man jetzt auf einmal den Außenborder anwirft und wieder gegen diesen Strom arbeitet ist unverständlich und vor allem schädlich für die Qualität. Hinzu kommen jetzt noch schwierige und komplexe Zusammenhänge in der Geschichte, die teils umständlich verfilmt sind, gepaart mit einem immer noch schlechten Daniel Radcliffe, der scheinbar auch am britischen Theater nichts dazu lernt. Insgesamt werden die 150 Minuten zwar nicht langweilig, aber sparen kann man sie sich trotzdem!