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Black Jack, 17 und 4 oder ganz simpel 21! Wie der Titel so der Film. Alles dreht sich scheinbar um eines der einfachsten Kartenspiele der Welt. Die Grundregeln des Spiels kann sogar ein Kind erfassen, die Konsequenzen eines Zocker-Lebens reichen indes weiter. Das Spiel kann zum Spiegelbild des Lebens werden und wenn man sich zu sehr mit seinem Spiegelbild beschäftigt, wird man schnell zu diesem. Interessant gemachte Geschichte um Verführung, Gier und die Auflösung der eigenen Identität.
"Wie gefestigt ist mein Leben und wie viel bedarf es, alles auf den Kopf zu stellen?" Diese Frage stellt sich Ben Campbell (Jim Sturgess) eines Tages. Eigentlich läuft alles ganz gut. Ben ist ein Mathegenie und studiert am renommierten Maschaschuttes Institut of Technologie (MIT) in Boston. Nach seinem Einser-Abschluss, den er schon so gut wie in der Tasche hat, möchte er nach Harvard und Medizin studieren. Von "Geiz ist Geil" haben die aber noch nie was gehört. Die Ausbildung kostet 300.000 Dollar, die Ben nicht hat. Er bewirbt sich um ein Vollstipendium, dass es ihm erlauben würde sich ohne Nebenjob einzig und allein auf das Studium zu konzentrieren. Dumm nur, dass sich außer ihm noch weitere 75 Kandidaten um diese begehrte Eintrittskarte beworben haben. Da kommt das Angebot seines Professors Mickey Rosa (Kevin Spacey) eigentlich gerade richtig. Rosa, ehemaliger Superzocker, hat ein Black Jack System entwickelt mit dem man "todsicher" die Casinos austricksen und um einige Millionen erleichtern kann. Ein Team zur Durchführung dieses Plans steht auch schon bereit. Ben muss nur noch einsteigen. Dem ist das aber zu suspekt. Trotz des "verführerischen" Einsatzes gelingt es Mickey zunächst nicht Ben ins Team zu bekommen. Verführung hat aber viele Gesichter. Teil des Teams ist auch die attraktive Jill Taylor (Kate Bosworth), auf die Ben schon lange ein Auge geworfen hat. Nach einigem Zögern entschließt er sich doch mitzumachen. Anfangs läuft alles gut, das System funktioniert und das Team räumt in Vegas mächtig ab. Mit dem vielen Geld verfallen alle schnell dem Schein und dem Glamour und werden zusehends unvorsichtiger. Es ist nur eine Frage der Zeit bis ihr System auffliegt und Cole Williams (Laurence Fishburne), der Sicherheitschef eines renommierten Casinos, wartet nur darauf.
Durch visuell harte Brüche gelingt es Regisseur Robert Luketic zu zeigen, wie das reale Leben der Teammitglieder immer mehr in den Hintergrund gerät und sich aufzulösen droht. Verführung ist dabei das zentrale Motiv. Wie viel bedarf es dafür? Reicht die Aussicht schnell viel Geld zu verdienen, fühlt man sich als junger Mensch aufgewertet wenn der Mentor einen als Gleichwertigen behandelt und verfällt dadurch seinem Einfluss? Woran Verführung immer scheitern kann ist Persönlichkeit. Diese ist an Identität gebunden. Wenn sich das eigene Ich auflöst, verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht. Oscar-Preisträger Kevin Spacey gibt überzeugend den Verführer, doch die Figur des Mickey hätte noch deutlich mehr Potenzial gehabt, ebenso wie Spacey, der seine Jungkollegen offensichtlich nicht an die Wand spielen wollte.
Der Mentor wird alsbald als großer Verführer von der Las Vegas Scheinwelt abgelöst. Hier wechselt die Verführung auf die nächst höhere Ebene und der Identitätsverlust setzt ein. Diese Glitzerwelt ist wie ein Schlaraffenland, das alles verspricht, wenn man nur Geld genug hat. Irgendwann dreht sich wirklich alles nur noch um Black Jack und die ersehnte Geldernte. Die ehemaligen Elite-Studenten sind zu Zerrbildern ihrer selbst geworden. Symbolisch wird der Identitätsverlust durch die wechselnden Maskeraden vorweggenommen, derer sich die Spieler bedienen, um nicht erkannt zu werden und der Kontrollverlust zeigt sich in zügellosen Ausschweifungen im Nachtleben von Vegas, leider zu dezent. Trotz aller Mühe, die sich die jungen Darsteller geben, erreicht das Ganze nicht die erhoffte psychologische Härte und Schärfe. Die Zügellosigkeit ist nicht zügellos genug, der Kontrollverlust zu kontrolliert inszeniert und die Brutalität hinter der Glitzerfassade erreicht nicht die beklemmende Intensität, die nötig wäre, um dem Ganzen vollends den Touch Glorifizierung zu nehmen. Zwar fallen sie aus diesem virtuellen Paradies, bekommen dennoch eine zweite Chance. Die Realität in Las Vegas sieht vermutlich anders aus. |