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Die Welle

(Die Welle, 2008)

Dt.Start: 13. März 2008
DVD: 06. Oktober 2008
Premiere: 18. Januar 2008 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 107 min Land: Deutschland
Darsteller: Jürgen Vogel (Rainer Wenger), Frederick Lau (Tim), Max Riemelt (Marco), Jennifer Ulrich (Karo), Christiane Paul (Anke Wenger), Elyas M'Barek (Sinan), Cristina do Rego (Lisa), Jacob Matschenz (Dennis), Maximilian Vollmar (Bomber), Max Mauff (Kevin), Ferdinand Schmidt-Modrow (Ferdi), Tim Oliver Schultz (Jens), Amelie Kiefer (Mona), Odine Johne (Maja), Johanna Gastdorf (Tims Mutter), Teresa Harder (Mutter), Gerald Alexander Held (Tims Vater), Maren Kroymann (Schuldirektorin)
Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Dennis Gansel, Todd Strasser


Inhalt

Rainer Wenger ist von Beruf Gymnasiallehrer und möchte mit seinen Schülern im Rahmen einer Projektwoche zum Thema "Staatsformen" ein Experiment durchführen, das versucht die Frage nach der Entstehung einer Diktatur zu beantworten. Zunächst verläuft das Experiment harmlos: Die Schüler lernen, was das Wort "Gemeinschaft" bedeutet und schließen sich zu einer Gruppe zusammen. Innerhalb weniger Tage nimmt dieses Gruppendenken jedoch radikale Züge an: Schüler, die nicht dem Ideal der Gruppenmitglieder entsprechen, werden ausgeschlossen oder sogar körperlich angegriffen. Eine Welle setzt sich in Bewegung und als Wenger versucht, das eskalierende Experiment abzubrechen, ist es bereits zu spät.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Die Welle hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 56%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Ostertag
Die Welle hat eine Wertung von 56%
Das Buch ist seit langem für viele Schüler eine Pflichtlektüre. Jetzt haben sich Produzent Christian Becker (Neues vom Wixxer) und Regisseur Dennis Gansel (Napola - Elite für den Führer) zusammen getan und die wahre Geschichte verfilmt. Die Änderungen, die sie allerdings am Buch vorgenommen haben, schmälern die sonst mögliche Qualität so stark, dass man zwar eine sicherlich gewünschte Diskussion auslöst, aber den Zuschauer letztlich nicht zufriedenstellt.

Bild aus Die Welle Das Experiment, welches im Jahr 1967 an einer kalifornischen High School von Ron Jones durchgeführt wurde, beschäftigt noch Jahre danach viele Klassen im Unterricht. Sein Buch The Wave berichtet über das Experiment, welches er nach einigen Diskussionen mit seinen Schülern initiierte. Nachdem er Fragen wie "Wie konnten die Deutschen behaupten, nichts von der Judenvernichtung gewusst zu haben?" oder "Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass sich so viele Menschen den Nazis anschlossen?" nicht beantworten konnte, veränderte er seinen Unterricht Stück für Stück und gründete die Bewegung der Welle. Das Experiment griff so schnell um sich, dass es bald die gesamte Schule vereinnahmte und außer Kontrolle geriet, woraufhin Ron Jones das Experiment am fünften Tag abbrach.

Im aktuellen Kinofilm spielt der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) die zentrale Rolle. Er ist es, der seinen Schülern im Rahmen einer Aktionswoche das Thema Autokratie näher bringen soll und bald auf die Fragen stößt, die ihn zu dem Experiment verleiten. Nach einer kurzen Pause diszipliniert er die Schüler zum Aufstehen bei Antworten und auch sonst wird der Ton härter. "Macht durch Disziplin" ist nun das Motto, das die Schüler begeistert aufnehmen und so beschließen sie von Tag zu Tag neue Maßnahme, wie Uniformen, einen Gruppennamen und andere Aktionen. Die Welle schwappt auch auf andere Schüler der Schule über und bald ist sogar die Stadt selbst von den Auswirkungen des Experiments betroffen.

Eine der wichtigsten Veränderungen an der Buchvorlage ist sicherlich den Ort des Geschehens nach Deutschland zu verlegen. Denn auch wenn der Film an diesem Punkt eigentlich nicht angreifbar ist, so stellt sich der Zuschauer durchaus die Frage "Ist eine solche Aktion in Deutschland umsetzbar, ohne dass jemand die Notbremse zieht". Die Welle greift zu hemmungslos um sich, als dass es wahre Realität sein könnte, denn in Deutschland ist die Aufmerksamkeit bei solch politisch hoch brisanten Themen sehr groß und das Kontrollnetzwerk engmaschig. Ein Lehrer könnte in unserem Schulsystem keine derartigen Entscheidungen und Projekte auf eigene Faust durchziehen, sondern müsste sich vorab oder spätestens beim geringsten Zweifel an der pädagogischen Umsetzung rechtfertigen.

Ein weiteres Manko des Drehbuches und der darauf beruhenden Inszenierung ist die starke "Schwarz/Weiß-Sicht" der Charaktere. Während einige Personen vorab eingeführt werden, um ihre spätere Wandlung und die Vor- sowie Nachteile aus der Welle für sie zu veranschaulichen, gibt es praktisch keinen Mitläufer oder politisch Interessierten, der dem Thema gegenüber "grau" eingestellt ist. Es gibt nur Befürworter oder Gegner. Von einem sozialen Querschnitt einer elften Jahrgangsstufe ist insgesamt also recht wenig zu sehen.

Es darf viel diskutiert werden, was sicherlich wünschenswert und auch Ziel des Films ist. Keine Diskussion wird es aber über die schauspielerischen Leistungen geben, denn Jürgen Vogel als Anführer der Welle zeigt vor allem am Anfang großes Schauspiel und wird dann durch das dümmliche Drehbuch und seine Rede am Ende schier ausgebremst. Diese Rede zeigt nochmals deutlich den Hang zur Übertreibung der Verantwortlichen, denn obwohl man hier Jürgen Vogel eine sehr realistische und kämpferisch passende Rede in den Mund hätte legen können, so spricht man auf einmal echte politische Probleme Deutschlands an, die an dieser Stelle nichts zu suchen haben und auch kein Welle-Mitglied zu diesen Jubelarien bewegen könnte.

Die Welle ist ein Film, der spalten wird. Viele werden sich hingerissen fühlen den Film auf Grund seiner politischen Brisanz positiv zu beurteilen. Andere werden die Schwächen sehen und etwas kritischer herangehen. Letztlich ist der Streifen sicherlich ein Ticket wert, denn er bietet neben dem fantastischen Soundtrack auch Diskussionsstoff. Und was gibt es Schöneres als über einen gerade gesehenen Film zu diskutieren?



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