Trainspotting - Neue Helden wirft den Zuschauer ohne Vorwarnung in das groteske Junkyleben des jungen schottischen Fixers Mark Renton und seiner nicht weniger kaputten Freunde. Schonungslos inszenierte Danny Boyle den auf dem gleichnamigen Roman von Irvine Welsh basierenden Kultfilm und schreckt dabei ebenso ab, wie er unterhält und zum Lachen auffordert. Ein Meilenstein des Genres.
Als 1993 Irvine Welsh seinen Roman Trainspotting - Neue Helden veröffentlichte, ahnte er wahrscheinlich noch nicht, dass sein Werk einen beeindruckenden Rekord aufstellen würde: Es wurde das meist geklaute Buch Englands. Ein solcher Erfolg hat natürlich auch eine Verfilmung verdient und so nahm sich Danny Boyle (Kleine Morde unter Freunden) der Geschichte über eine schottische Drogenclique an und brachte 1996 Trainspotting - Neue Helden in die Kinos. Seinen Erfolg verdankt der Film nicht nur der Tatsache, dass Kinokarten weitaus schwerer zu klauen sind als Bücher, sondern vielmehr der durchweg überzeugenden Inszenierung und den hervorragenden Leistungen seiner Hauptdarsteller.
Trainspotting - Neue Helden ist ein Meilenstein des Drogenfilms. Er lässt sich weder darauf ein, eine reine Komödie, wie der hektisch verspulte, aberwitzige Spun zu sein, nimmt sich aber auch im Gegensatz zu filmischen Schocktherapien wie Jim Carroll - In den Straßen von New York oder dem genialen Requiem for a Dream nicht zu ernst. Heroin wird als der Teufel dargestellt, der es ist, dennoch gibt es keinen erhobenen Zeigefinger. Stattdessen ist der ganze Film durchzogen von einen grotesken Humor und Szenen, die ebenso witzig wie widerwärtig sind. Der Zuschauer erhält einen relativ wertungsfreien Einblick in das schottische Junkyleben und kann sich letztlich sein eigenes Bild machen. Wird im Prolog schon die Richtung des Films eingeschlagen, schließt sich mit dem eingängigen Epilog der Kreis und dem Zuschauer wird klar, dass aus der jeweiligen, außenstehenden Sicht, ein "normales, cleanes" Leben nicht zwangsläufig weniger skurril sein muss.
Ewan McGregor (Stay) überzeugt als Mark Renton mit einer der besten Leistungen seiner Karriere und auch die restliche Clique, allen voran Robert Carlyle (28 Weeks Later) als cholerischer Begbie, können begeistern. Paradoxerweise musste McGregor, um den dürren Mark Renton spielen zu können, eine strenge Diät halten und durfte, um auszusehen wie der schlanke Junky Mark, weder Süßigkeiten essen, noch Alkohol trinken. Bemerkenswert ist natürlich, dass der Verzicht auf Alkohol dabei hilft, auszusehen wie ein Junky.
Iggy Popps erstmals 1977 erschienenes "Lust for Life" ist das Titellied, man möchte schon beinahe Sagen, die Hymne von Trainspotting - Neue Helden. Er, ohnehin die Personifikation des Drogenkonsums und selbst über Jahre hinweg Fan von Kanülen und braunem Pulver, verleiht dem Film mit seinen Songs ein ganzes Stück Charisma und Energie. Nicht zuletzt der musikalischen Untermahlung verdankt Trainspotting - Neue Helden seinen Kultstatus. So bleibt besonders eine Szene in Erinnerung, in der Mark Renton nach einer Überdosis zu Lou Reads "Perfect Day" zum Krankenhaus geschliffen wird. Derartig ironische, bizarre Szenen sind sinnbildlich für den außergewöhnlichen Humor des Films.
Trainspotting - Neue Helden ist nicht nur einer der besten britischen Filme überhaupt, sondern auch einer der Filme, die man einfach gesehen haben muss, daran führt kein Weg vorbei. Er ist durchzogen von unzähligen Hommagen und Dialogen über Filme und Musik und weiß auch bei mehrmaligem Sehen noch zu unterhalten und zu schockieren. Dieser Film darf in keiner Filmsammlung fehlen.