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Mit gemischten Gefühlen sitzt man als "hartgesottener" Hetero in einer Stadt wie Köln in einer Aufführung der Kinoadaption des ABBA-Musicals Mamma Mia!. Selbst wenn zu Hause eher AC/DC und Metallica vom Plattenteller dröhnen, tief im Inneren hat jeder Kerl einen weichen Kern und auch ohne ausgesprochener ABBA- und Musical-Fan zu sein: Das war der beste Schwedenexport aller Zeiten. Die Combo konnte wirklich Musik machen, dass es einem ein Grinsen aufs Gesicht zaubert und das Herz anrührt. Trotz ein paar Unvollkommenheiten - Daumen hoch!
Verschwörerisch grinsen sich alle an, und eine seltsam verzückte Stimmung erfasst einen sobald man das Foyer des Filmpalastes, eines der größten und ältesten Kinos im Herzen Kölns, betritt. Sonst sind alle eher nörgelig-muffelig auf solchen morgendlichen Pressevorführungen. An diesem Tag ist alles anders. Alle lächeln, als hätten sie gemeinsam heimlich am Süßigkeitenteller genascht und hier und da trällert es halblaut aus der einen oder anderen Ecke: Mamma Mia, here I go again. My, my, how can I resist you?.
Die gute Stimmung pflanzt sich fort. Im Kinosaal wackelt einer der Filmzensoren nach vorn, macht ein paar Tanzschritte im 70er-Style und singt eine paar Zeilen eines anderen ABBA-Klassikers an. Der Vorhang öffnet sich: Sonnenschein, tiefblaues Wasser und azurner Himmel entführen uns. Es ist der Sommer der Jahres 1999 auf der griechischen Mittelmeerinsel Kalokairi (Kalokäri ausgesprochen), was übrigens übersetzt auch Sommer heißt. Die junge und zuckersüße Sophie (Amanda Seyfried), die gemeinsam mit ihrer Mutter Donna (Meryl Streep) auf der Insel lebt, hat vor zu heiraten. Schön wärs nur, wenn außer der Mutter, die nach ihrer umtriebigen Zeit sich hier ihren Herzenswunsch erfüllt hat und eine Pension auf Kalokairi führt, auch der Vater an diesem besonderen Tag zu gegen sein könnte. Wen man nur wüsste wer es ist.
Vor 20 Jahren hat es Donna ganz schön wild getrieben und mehrere Lover parallel gehabt. Nun kommen gleich drei Herren in Frage: Der erfolgreiche Geschäftmann Sam (Pierce Brosnan), Seebär Bill (Stellan Skarsgard) und der spröde Bankbedienstete Harry (Colin Firth). Sophie lädt sicherheitshalber gleich alle drei ein. Und damit ihre Mutter nicht aus allen Wolken fällt, verrät sie ihr nichts. Als die drei auf Kalokairi eintreffen, versteckt sie Sophie zunächst, lange geht das aber nicht gut. Das unerwartete Wiedersehen verläuft nicht ganz "krisenfrei", und alsbald halten sich alle drei für Sophies Vater. Und da sind da noch Donnas Busenfreundinnen Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski), die mit ihr zusammen früher als Disco-Girlie-Combo das Parkett gerockt haben. Immer noch oder inzwischen wieder (mal) Single und dem einem oder anderen Stelldichein nicht abgeneigt. Viel Stoff für melancholische Wiedersehen, Liebesverwirrspiele und heiße Flirts.
Über 30 Millionen Menschen weltweit haben Mamma Mia! auf der Bühne gesehen. Nun debütiert das Musical mit den größten ABBA-Klassikern cineastisch, und obschon die Bombastmusik der schwedischen Poptitanen allgegenwärtig ist, hat man besonderen Wert darauf gelegt, bei den tragenden Rollen den Fokus nicht auf die Gesangsbrillanz zu legen, sondern sie überwiegend mit bekannten Schauspielveteranen zu besetzen. Das kommt dem rein komödiantisch-dramaturgischen Elementen zugute. Dafür muss bei der Klasse der Gesangsperformance ein wenig zurückgesteckt werden. Meryl Streep löst ihre Aufgabe dabei durchaus souverän und gekonnt, die drei Gentlemen im Bunde schneiden aber deutlich schwächer ab. Vor allem Ex-Bond-Mime Pierce Brosnan wirkt bei seinen Gesangseinlagen recht unbeholfen.
Die schwächeren Gesangsparts stören aber nicht wirklich. Vor allem deswegen nicht, da die drei Herren mit viel selbstparodistischem Elan in den einzelnen Akten auf- und abtreten und es sich gefallen lassen auf diesem Frauen dominierten Parkett den Drohnenpart zu übernehmen: nett anzusehen, aber zu nicht viel mehr zu gebrauchen, als eben zum Zeugungsakt. Die junge Hauptdarstellerin Amanda Seyfried hingegen liefert gesangstechnisch eine professionelle popsternchenhafte Leistung ab und erinnert stimmlich sehr an die Originale. Das verstärkt den Retroflair deutlich.
Mamma Mia! ist charmant, witzig, romantisch und mit viel Ironie inszeniert, was alles noch mal deutlich auflockert. Die malerische Mittelmeerkulisse verführt zum träumen und am Ende klingen einem noch lange die besten Popsongs aller Zeiten im Gehörgang nach. Das Finale ist furios und obwohl man zwischendurch (leicht boshaft) das ganze mit dem Titel Spice Girls meets Hellaswood versehen könnte, möchte man noch lange sitzen bleiben. Apropos, es lohnt sich. Da kommt noch was! |