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Der gammastrahlenverseuchte Wissenschaftler Bruce Banner ist in Brasilien untergetaucht, verdingt sich als Arbeiter in einer Limonadenfabrik, die grüne Brause produziert und forscht nebenher an dem Heilmittel für sein "Gebrechen". Dieser Frieden ist nicht mehr als Illusion. Eine Spezialeinheit im Auftrag der Regierung ist ihm bereits auf den Fersen. Der mutierte Saft, der durch seine Adern fließt, ist dem Militär einiges wert. Banner weiß sehr wohl, welche Gefahr in ihm schlummert und noch mehr von seiner Sorte, soll es auf keinen Fall geben. Die Hatz beginnt, und es kommt, wie es kommen muss. Wenn der Puls über 200 schießt, wird's grün, laut und tonnenschwere Fahrzeuge fliegen wie Popcorn durch die Luft. Der grimmige grüne Goliath ist zurück und diesmal stehen die Vorzeichen auf pure Action, inklusive imposantem Supergegner. Da kommt keine Langeweile auf.
"Mach mich nicht wütend. Es ist gar nicht gut, wenn ich wütend werde!" Ein Rat, den man sich zu Herzen nehmen sollte. Der unglaubliche Hulk ist zurück. Nach Iron Man ist dies die zweite Marvel Comic Adaption, bei der die neu gegründete hauseigene Filmproduktionsgesellschaft Marvel Studios federführend mit an Bord ist.
Bereits in den 70ern versuchte man den Stoff real umzusetzen. Damals reichte es gerade für eine mittelprächtige Fernsehserienfassung mit Lou Ferrigno in der Rolle des Hulk, der trotz seines unglaublich muskulösen Körpers, nicht sonderlich glaubhaft den grünen Giganten verkörpern konnte. Dieser Marvel Held ist eine wahre Naturgewalt und als solche erst visuell realisierbar, als die digitale Tricktechnik ein hohes Niveau erreichte. 2003 war es soweit und der Hulk schaffte es auf die große Leinwand. Storytechnisch war diese Verfilmung des Stoffes nicht schlecht gelöst, vor allem die Figur des Hulk war sehr nah an der Comicvorlage. Leider fehlte dem ganzen ein wenig Pep. Ein Superheld braucht immer einen mindest ebenbürtigen Supergegner, der fehlte. Und auch Eric Bana als Bruce Banner schien nicht die Idealbesetzung.
Diesmal wollte man diesbezüglich ganz auf Nummer sicher gehen. Den Bruce Banner gibt der höchst wandelbare Edward Norton, bekannt aus Kultfilmen wie American History X und Fight Club. Direkter Gegenspieler ist General Thunderbolt Ross, diesmal verkörpert vom oscarprämierten William Hurt und als Ross' Tochter und Banners Geliebte Betty ist nun die dunkelhaarige Ex-Elbin Liv Tyler am Start. Mit diesem Stab kann eigentlich nichts schief gehen.
Die Story lässt sich schnell auf wenige Handlungsmotive zusammenfassen. Hier stört kein komplizierter Plot. Strickt linear nimmt das Geschehen rasant Fahrt auf. Banner auf der Flucht, General Ross ihm stets auf den Fersen. Und natürlich stöbert er ihn auf und versucht ihn gefangen zu nehmen. Schließlich will das Militär das haben, was sich in seine Gene eingebrannt hat. Diese unbändige Kraft und Energie bietet unvergleichliches Potenzial, um eine ganze Schar Supersoldaten zu erschaffen.
Die Militärmaschinerie schließt die Schlinge um Banner, ein ums andere Mal, vergebens. Banners andere Seite erwacht und die Soldaten sehen sich einem Gegner gegenüber, der fürchterlicher nicht sein könnte. Einen stacheln diese Niederlagen aber immer weiter an. Hulkjäger Blonsky (Tim Roth) hätte gerne ein wenig dieser monströsen Kraft "in sich". Ross kann helfen. In den Schubladen militärischer Geheimlabore schlummern die Supersoldatenprogramme. Blonsky lässt sich stufenweise verbessern, bis es aus ihm herausbricht. Plötzlich gibt es etwas, was schlimmer als der Hulk ist. Sogar General Ross muss sich seinen Fehler eingestehen.
Der Hulk ist natürlich meilenweit entfernt von jeglicher Plausibilität. Die Frage, ob dieses pseudowissenschaftliche, gammagenetische, Gegurke Sinn macht, erübrigt sich, wie bei allen anderen Superheldenstorys ebenfalls. Auch die Charaktermythologie ist nicht mehr als ein gut durchdachter Mix. Man nehme aus den literarischen Vorlagen ein Bisschen Dr. Jeckyl und Mr. Hyde, etwas Frankenstein und eine Spur Die Schöne und das Biest, rühre alles richtig gut durch, füge viel gute Action hinzu, ein wenig Romantik, verpasse dem Helden einen übermächtigen Gegner und ab geht die Post.
Es wurden wirklich ein paar Schippen draufgepackt, tricktechnisch ist man ebenfalls auf Höhe der Zeit und lästige Längen gibt es kaum. Allerdings hat man die Kräfte des Hulk etwas gestutzt. Er ist "verletzlicher" als früher, das macht ihn sympathischer, kann man nun besser mit ihm leiden. Und des Hulks menschliches Ego Norton überzeugt durchaus in seinem Part, ist vermutlich nicht mal sonderlich ausgelastet. Vor allem kristallisiert sich der Kontrast zwischen ihm und seinem grünen Ich durch Nortons "Zerbrechlichkeit" wesentlich besser als in der ersten Verfilmung heraus. Nur die neue Betty Ross ist keine sonderliche Verbesserung. Da gefiel Jennifer Connely mehr. Schlussendlich, solides und unterhaltsames Männerkino, das insbesondere Marvelianer wegen gewisser Anspielungen und dem Versprechen auf mögliche Crossovers begeistern dürfte. |