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Manche Seelenklempner haben sich der Verschlimmbesserung von Situationen verschrieben. Insbesondere populäre Rundfunktherapeuten geben schnell Ratschläge mit weiter reichenden Konsequenzen als sie ahnen. Dr. Emma Lloyd gehört zu dieser Gattung Psychotalker: allzu schnell mit dem Ratschlag zur Hand, zu verlassen, sich neu zu orientieren, und zu neuen Ufern aufzubrechen. Das hinter den Anrufern Menschen stecken, denen sie mit diesen Tipps oft irrationale Anstöße zu übermotivierten Handlungen gibt, scheint sie nicht zu kümmern. Leider ist diese Story nicht wirklich witzig, geschweige denn neu. Wenn man aber mit dem Abend so gar nichts anzufangen weiß, könnte es im Kino dennoch ganz nett werden.
Nach den eher martialischen Rollen als killende Ex-Braut (Kill Bill - Volume 1) oder Superstalkerin (Die Super Ex) kommt Uma Thurman nun mit einer romantischen Komödie in die Kinos. Als Radio-Psychotante gibt sie Anrufern Ratschläge in Punkto Beziehungen, allerdings ohne an mögliche Konsequenzen zu denken. Aktuelles "Opfer" dieser wohlgemeinten Worte ist Sofia (Justina Machado), die Freundin des Feuerwehrmanns Patrick (Jeffrey Dean Morgan). Unmittelbar vor der Hochzeit stehend, hat sie ein ungutes Gefühl. Prompt der Rat: sich lieber auf nichts einlassen, bei dem sie sich nicht ganz sicher ist. Und schon zieht die gute Sofia los und trennt sich von Patrick.
Der ist, gelinde gesagt, alles andere als erbaut. Als ihm klar wird, wer eigentlich dafür verantwortlich ist, schmiedet er einen kleinen Racheplan: Der Sohn der indischen Familie, in deren Haus er ein Apartment bewohnt, ist ein überaus talentierter Computerhacker. Kurzerhand verändert er Dr. Lloyds Familienstand: diese ist nun verheiratet - mit Patrick dem Feuerwehrmann. Wahrscheinlich wäre der kleine Ulk lange niemandem aufgefallen, wenn Dr. Lloyd nicht selber kurz vor der Eheschließung stünde. Als sie gemeinsam mit ihrem Zukünftigen, dem Radiosenderboss Richard Bratton (Colin Firth), beim Amt die Papiere für die Eheschließung abholen will, erfährt sie vom zuständigen Beamten, dass sie gar nicht heiraten kann, da sie schon verheiratet ist.
Ein Irrtum - was sonst. Sie zieht los, ihren Angetrauten ausfindig zu machen und zur Annullierung der "Ehe" zu bewegen. In einer kleinen Spelunke wird sie fündig. Allerdings ist der Gatte erst bereit über die Annullierung zu reden, nachdem sie gemeinsam angestoßen haben - auf die Braut. Kurz gesagt: voll wie eine Haubitze trägt Patrick Emma zu sich nach Hause damit sie ihren Rausch ausschlafen kann. Am nächsten Morgen, Filmriss inklusive, deutet Emma ihr Erwachen im Bett ihres "irregulären" Gatten anders. Und die nächsten Tage zwingen sie sogar Patrick als regulären Ehemann vorzustellen, schließlich stehen wichtige Treffen mit den Verlegern ihres Buches an. Obendrein scheint Patrick viel interessanter als sie gedacht hätte, und der echte Zukünftige findet das alles mehr als irritierend.
Es ist nicht wirklich kreativ, nicht wirklich neu und auch nur gelegentlich witzig. Nett gemeint, scheint es am ehesten zu charakterisieren. Einiges erinnert an Notting Hill, manches an Overboard. Und wie nicht anders zu erwarten, ist die Story nicht wirklich glaubwürdig: Die Highsociety -Zicke trifft, zunächst unfreiwillig, auf den einfachen, aber romantischen und grundanständigen Kerl und stellt alsbald ihr "perfektes" Leben in Frage. Eigentlich hat sie alles, steht sogar kurz davor ihren Boss zu ehelichen. Nur die wirkliche romantische Liebe scheint irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein. Im Prinzip kein Problem: Wenn sie den Ratschlägen folgen würde, die sie oft ihren Anrufern gibt, würde sie sich ohne größeres Nachdenken dem Leben zuwenden, für das sie sozial prädestiniert scheint. Romantik ist doch nur was für Träumer.
Natürlich dealt der Film mit der Illusion, dass wahre Liebe keine (sozialen) Schranken kennt, dass selbst der kleine Mann das Herz einer berühmten Frau erobern kann. Und selbstverständlich kommt das ja auch ständig vor. Aber um Realismus ging es bei den Hollywood-Schmonzeten noch nie. Schade eigentlich nur, dass der Plot komödiantisch nicht etwas ausgefeilter ist. Gute Schauspieler standen schließlich reichlich zu Verfügung. Eine Reihe Nebenrollen ist durchweg hochkarätig besetzt: Sam Shepard gibt den Vater der Braut und auch Isabella Rossellini, eine der renommiertesten europäischen Schauspielerinnen, ist mit von der Partie. Und besonders erfreulich war es Keir Dullea, der einst 2001 - Odyssee im Weltraum und 2010 auf Reisen im Weltraum ging, mal wieder im Kino zu sehen.
Die beiden männlichen Hauptparts belegen der aus Emergency Room bekannte und demnächst in Zack Snyders Watchmen - Die Wächter zu sehende Jeffrey Dean Morgan, der grundsympathisch rüberkommt und ein wenig wie eine Mischung aus George Clooney und Russel Crowe im Proletarierlook wirkt, sowie Colin Firth, der sein Talent für absurd-skurrile Komödien kürzlich in Die Girls von St. Trinian unter Beweiß stellte, hier allerdings eine eher lückenfüllend-akzentlose Funktion übernimmt, dessen Komik sich auf Fressattacken unter Stress beschränkt. Als spießiger reicher Schnösel und Konterpart zum lebenslustigen Feuerwehrmann überzeugt er nicht. Dazu wirkt er trotz gesteiftem Frack zu lausbubenhaft und ist Morgan zu ähnlich. Thurman hingegen überzeugt durchaus als versnobte Zicke, schwächelt aber im ludrigen Saufgelage - zu mehr als schlappem Slapstick reicht es hierbei nicht - und auch die sanft-romantischen Untertöne scheinen nicht ihre Stärke zu sein. Beachtlich allerdings wie die Braut, die einstmals Bill das Leben schwer machte, hübscher als jemals zuvor aussieht. Das geht nur in Hollywood. Trotz aller Kritik, es ist kein übler Film und zu einem romantischen Amüsement ohne Kopfunterstützung könnte es reichen. |