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Speed Racer

(Speed Racer, 2008)

Dt.Start: 08. Mai 2008 Premiere: Mai 2008 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Action
Länge: 135 min Land: USA
Darsteller: Emile Hirsch (Speed), John Goodman (Pops Racer), Susan Sarandon (Mom Racer), Christina Ricci (Trixie), Matthew Fox (Racer X), Kick Gurry (Sparky), Christian Oliver (Snake Oiler), Benno Fürmann (Inspector Detector)
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Drehbuch: Larry Wachowski, Andy Wachowski


Inhalt

Der junge Speed Racer ist ein furchtloser Rennfahrer, der mit seiner Aggressivität und seinem Talent das große Rennen namens "The Crucible" gewinnen will. Nachdem sein Bruder Rex bei besagtem Rennen ums Leben kam, ist Speed der Star im Familienunternehmen und darf den unglaublichen Rennwagens namens Mach 5 steuern. Als Speed ein lukratives Angebot des Konkurrenz-Teams Royalton ablehnt, droht ihm dessen Besitzer, dass er die Zielflagge niemals sehen wird, sofern er nicht für Royalton an den Start geht. Dies und die Erkenntnis, dass das Rennen von rücksichtslosen Firmen manipuliert wird, wecken erst recht seinen Ehrgeiz und so tritt er an um es allen zu beweisen.
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Kritik

Speed Racer hat eine Wertung von 83%
Ein wildes Computerspiel, in welchem sich echte Darsteller in einer kunterbunten Fantasiewelt tummeln und in ihren futuristischen Rennautos immerzu Vollgas geben: Das ist Speed Racer! Die Wachowski-Brüder setzen wieder einmal neue Maßstäbe in Sachen Effekte und auch sonst ist die Handschrift der Matrix-Macher jederzeit mehr als deutlich erkennbar. Die Handlung ist zwar eher auf Jugendliche ausgerichtet, doch die Vielzahl an atemberaubenden Rennszenen, das vorhandene Staraufgebot und die - wenn auch oberflächlich - angesprochene Kritik an großen Wirtschafts-Konzernen und Sponsoringmanipulationen machen diesen abgefahrenen Streifen auch für das ältere Publikum interessant.

Bild aus Speed Racer In den letzten Jahren war es sehr ruhig um das Brüderpaar Andy und Larry Wachowski. Nachdem sie uns mit der Matrix begeistert und mit den Fortsetzungen in zwei Lager gespaltet hatten, hörte man lediglich im Zusammenhang mit dem äußerst gelungenen V wie Vendetta von ihnen, und dann war Funkstille. Jetzt melden sich die beiden wieder und bescheren uns mit Speed Racer ein, im wahrsten Sinne des Wortes, sehr buntes Treiben auf Rennstrecken, welches sehr stark an diverse Videospiele erinnert. Basierend auf der asiatischen Anime-Serie "Mach Go Go Go" aus den späten 60er Jahren, versprachen schon die Trailer Pastellfarben en masse, sowie schnell geschnittene Action am Laufmeter. Da die Serie in den 70er Jahren in Deutschland auf harsche Kritik stieß und deswegen abgesetzt wurde, ist vor allem das Amerikanische Fernseh-Publikum mit dem Stoff vertraut, weswegen ein kommerzieller Großerfolg hierzulande wohl nur schwer zu erreichen sein dürfte. Schade, denn das Wachowski-Duett zieht, wie schon anno 1999, mal wieder alle Register in Sachen Optik und Schnitt, und wie im Film selbst konstant erkennbar, kann ihr Motto dabei nur einen Namen getragen haben: VOLLGAS!

Der Junge Speed Racer (Emile Hirsch) lebt nur für seine Leidenschaft: Autorennen. Dabei eifert er seinem Bruder Rex Racer nach, welcher zuerst dem familiären Rennstall "Racer Motors" den Rücken kehrte und kurz darauf bei einem Rennunfall verstarb. Jahre später scheint Speed dennoch den Sprung in die oberste Rennfahrer-Liga zu schaffen und zieht dabei die Aufmerksamkeit der Sponsoren und internationalen Großunternehmen auf sich. Als er jedoch ein Angebot des dubiosen Royalton (Roger Allam) - Leiter und Inhaber von Royalton Industries - ablehnt, macht er sich einen sehr mächtigen Feind, welcher fortan alles daran setzt, den jungen Speed ins offene Messer laufen zu lassen. Als durch diese Auseinandersetzung auch noch die ganze Familie Racer in Mitleidenschaft gezogen wird, bleibt Speed nur noch eine einzige Chance auf Gerechtigkeit: Er muss das Gefährlichste aller Rennen - "The Crucible" - gewinnen. Dieses Rennen ist so gefährlich, weil es als Einziges nicht in einer Arena, sondern auf offener Strasse durchgeführt wird, und außerdem handelt es sich dabei auch noch um genau die Strecke, auf welcher Rex Racer sein Leben verlor. Grund genug für Mom (Susan Sarandon) und Pops Racer (John Goodman), sich gegen eine Teilnahme ihres Sohnes zu sträuben. Doch mit der Unterstützung von seinem bisherigen Erzrivalen Racer X (Matthew Fox), seiner Freundin Trixie (Christina Ricci) und seinem kleinen Bruder Spritle (Paulie Litt) geht Speed trotz allem an den Start.

Speed Racer lebt vor allem von seiner Optik und den Rennszenen. Die Rennen an sich sind dabei alles andere als realistisch: In halsbrecherischem Tempo drehen die Fahrer mit Ihren Autos zahllose Pirouetten, rasen durch enge Kurven, Loopings und Schrauben (wodurch die Strecken eher spektakulären Achterbahnen ähneln) und können mittels eingebauten Sprungfedern sogar jederzeit über ihre Gegner hüpfen! Schwerkraft und Physik interessieren hier niemanden, denn solche Dinge sind in dieser Welt offenbar nicht existent. Die hier dargebotene Action lässt sich somit am besten folgendermaßen am Beispiel von zwei Videospielen beschreiben: Es ist eine Kombination aus der Geschwindigkeit von "Wipeout" (oder wahlweise auch "Quantum Redshift") und dem Fahrverhalten von "Burnout", denn auch hier werden die Gegner bei Gelegenheit einfach schnell aus der Bahn gerammt. Den Look des Ganzen kann man nur als "Real-Action-Comic" bezeichnen, und gemäß ihren eigenen Aussagen ist dies auch genau das, was Larry und Andy Wachowski - auch, wenn sie es "Realfilm Anime" nennen - erreichen wollten. Ab und zu erinnert das Flair des Filmes an Mortal Combat (mit Autorennen anstelle von Martial-Arts-Kämpfen), und in anderen Momenten wiederum an das Kinderprogramm von Nickelodeon (vor allem, wenn Spritle im Zentrum des Geschehens steht, da er immer wieder zu offensichtlich für übermäßig kindischen Humor sorgen soll)... nur mit dem Unterschied, dass Speed Racer nicht ausschließlich Kinder und Jugendliche ansprechen soll und stellenweise regelrecht atemberaubend inszeniert ist. So spielen die Wachowskis nahezu pausenlos mit interessanten und rasanten Schnitten, Szenenwechseln und Hintergründen, und lassen es sich dabei auch nicht nehmen, zumindest stilistisch der asiatischen Vorlage Tribut zu zollen.

Doch auch neben den Rennstrecken und abseits der Rennfahrermoral hat dieses Computeranimierte Spektakel einige interessante Themen zu bieten. So werden Sponsoringmanipulationen, organisiertes Verbrechen und die geldgierigen Machenschaften von wirtschaftlichen Großkonzernen - Dinge, welche unweigerlich die Formel 1, oder auch die momentane, weltweite Bankenkrise, ins Gedächtnis rufen - bald zu den zentralen Themen, welche die naiven Traumvorstellungen von Speed im Eiltempo zu zerschlagen drohen. Wie zu erwarten entscheidet dieser sich natürlich schlussendlich dazu, seiner Überzeugung und seiner Familie treu zu bleiben. Doch auch wenn diese Entwicklungen ebenfalls im Eiltempo vollzogen werden, so kann man nicht sagen, dass es sich um ein plumpes Durchlaufen (bzw. Durchrasen) einer 08/15-Story handelt, denn die Dialoge enthalten dafür zu oft genügend Biss oder Herz und schaffen es somit, die Botschaft trotz allem Kitsch noch glaubhaft zu vermitteln. Gerade solche Szenen - zum Beispiel, wenn Speed das äußerst lukrative Angebot von Royalton ablehnt und dieser ihm daraufhin Prophezeit, dass er kein einziges Rennen mehr beenden können wird - retten den Film davor, in der Belanglosigkeit zu versinken und als reine Effekte-Schlacht oder Kinderfilm abgestempelt zu werden. Das Tüpfelchen auf dem "i" ist dann schlussendlich noch ein Twist, welcher zwar jeder mitdenkende Zuschauer meilenweit im Voraus erkennt, aber dennoch überraschend verarbeitet wird. Somit kann man inhaltlich ebenfalls von einer gelungenen Adaptation der Vorlage sprechen, und gespannt auf die weiteren Kunstwerke aus dem Hause Wachowski warten.

Auch, wenn bei einem solchen Film die Grenzen für die Akteure sehr eng gesteckt sind (schließlich wurde fast alles vor einem Greenscreen gedreht), so muss man allen Hauptdarstellern ein dickes Lob aussprechen: Durch Ihre Mimik und Intonation schaffen sie es - allen voran Emile Hirsch (The Girl Next Door, Into the Wild), Susan Sarandon (Mr. Woodcock, Verwünscht), Matthew Fox (Smokin' Aces, 8 Blickwinkel) und der plötzlich wieder allgegenwärtige John Goodman (Death Sentence - Todesurteil, Evan Allmächtig) - den ansonsten, durch die extrem schnelle Inszenierung an mangelnder Tiefe leidenden Szenen die nötige Ernsthaftigkeit zu verpassen. So macht es Spaß dem Zusammenspiel zwischen Technik und schauspielerischem Können zuzuschauen, und Langeweile kann bei der Erstsichtung eigentlich kaum aufkommen. Zwar sind diverse Deutsche Schauspieler ebenfalls mit von der Partie, doch der einzige welcher auch wirklich auffällt, ist Benno Führmann (Pornorama, Sin Eater - Die Seele des Bösen) als Inspector Detector. Dieser macht seine Sache ebenfalls sehr gut, und schon alleine am Namen seiner Figur erkennt man, dass bei diesem Film ein gewisses Augenzwinkern immer mit dabei ist und er von niemandem allzu ernst genommen werden sollte.

Wenn die ersten Bilder von Speed Racer über die Leinwand flimmern, befürchtet man schon einen baldigen Anfall von starken Kopfschmerzen oder Epilepsie. Doch nach nur wenigen Minuten hat man sich überraschenderweise an die massive Farbvielfalt und Schnittgeschwindigkeit gewöhnt, und die zwei Stunden vergehen wie im Fluge. Dies setzt allerdings voraus, dass man offen für solche speziellen Projekte und eher einfach gehaltene Handlungen ist, denn ansonsten sollte man lieber einen großen Bogen um den Film machen! Hier soll hauptsächlich das Kind im Erwachsenen geweckt werden, welches während des Films unentwegt fröhlich vor sich hin quietscht und ein scheinbar festgefrorenes Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Die stellenweise vorhandene Vorhersehbarkeit und ein paar zu kindisch geratene Gags schmälern den Gesamteindruck zwar etwas, aber dank des visionären Könnens der beiden Regie-Brüder kann dies dem Film in keiner Sekunde das Genick brechen. Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen: Auf ins Kino - Go - Go - Go!!!

von Kurt Meinicke


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