Entzückend und zuckersüß, das ist die Tochter Nim des Meeresbiologen Jack. Sie lebt allein mit ihrem Vater auf einer kleinen Südseeinsel, abseits aller Schifffahrtsruten. Dieser entschloss sich, nachdem seine Frau auf hoher See verschollen blieb, gemeinsam mit seiner Tochter die Weltmeere zu erforschen, in der Hoffnung das Meer würde ihm eines Tages seine Frau wiedergeben. Auf ihren Reisen entdeckten sie eines Tages eine wunderschöne Insel und diese wurde fortan ihre neue Heimat. Doch selbst im Paradies ist das Glück manchmal ein flüchtiger Begleiter. Plötzlich ist Nim auf sich allein gestellt und muss ihre Insel verteidigen. Nett und kindgerecht inszenierte Geschichte, die sich hemmungslos an bekannten Motiven bedient.
Ein Südseeparadies als idyllische Heimat. Eine Story wie aus einem wunderschönen Kindertraum. Tatsächlich handelt es sich um die Verfilmung des 2002 erschienenen Kinderbuches der amerikanischen Autorin Wendy Orr Nim's Island, mit dem höchst kreativen deutschen Titel Wie versteckt man eine Insel?. Natürlich ist das Ganze auch eine wunderbare Softmetapher die Natur zu schützen, zu erhalten und zu achten, damit zukünftige Generationen was davon haben. So ist Jack (Gerard Butler) ganz der prototypische Wissenschaftler, idealistisch und beseelt von seinem Forscherdrang und ein wenig dem Alltag entrückt. Diese Entrückung scheint generell in der Familie zu liegen: Nim (Abigail Breslin) mahlt sich in ihrer Fantasie auch allerhand Geschichten aus und driftet mit Vorliebe in die literarischen Welten des Abenteuer-Romanhelden Alex Rover ab.
Autor und Held dieser Trivialliteratur sind gleichnamig und in Wirklichkeit eine Frau, Alexandra Rover (Jodie Foster). Diese reist lediglich in ihrer Vorstellung in ferne Länder, um dort große Abenteuer zu erleben und Schutzlosen beizustehen. Tatsächlich wird sie von multiplen Ängsten geplagt und traut sich nicht einmal vor ihre Haustür. Der Einzige mit dem sie regelmäßig Umgang hat, ist ihr eigener Romanheld, der sich als eingebildeter Teil ihrer Persönlichkeit manifestiert (und ebenfalls von Gerard Butler gegeben wird). Eines Tages gerät Nim in Schwierigkeiten. Jack ist von einem Forschungsausflug aufs Meer nicht zurückgekehrt und "Piraten" drohen die Insel zu erobern. In ihrer Verzweiflung ersucht sie per Mail ihren Helden Alex Rover um Hilfe.
Nett und kindgerecht ist diese, teilweise mit altmodischem Charme ausgestattete, Erzählung schon, bei der weniger die Effekte im Vordergrund standen, als ein liebenswerter kindlicher Erzählstil. Die Schurken sind nicht wirklich so schurkisch, außer vielleicht eben in der Fantasie eines Kindes, und hinter den Reisen in den Köpfen aller Akteure stehen ganz sentimentale Wünsche und Bedürfnisse. Auch als Erwachsener wird man mitunter das eine oder andere Motiv entdecken, das einen wehmütig an die Zeiten erinnert, als man noch frei und ungehemmt träumen und sich bunte Abenteuer ausdenken und im Geiste erleben dürfte. Wenn man sich auf diese farbenfrohen Gedankenwelten allerdings nicht einlassen kann, wird man dieses Kaleidoskop der kindlichen Fantasie gelegentlich ein wenig grotesk bis unfreiwillig komisch finden. Logik im Erwachsenensinn ist nicht unbedingt eine der Stärken dieses Streifens. Was sich abspielt, kann so wirklich nur in den Augen eines Kindes passieren. Kritisch ist aber der Umgang mit lebenden Tieren (auch wenn sie im Film computeranimiert sind), während einer Szene die sehr an Kevin allein zu Haus erinnert. Seltene Reptilien, die als Katapultmunition missbraucht werden, findet, nachdem sich die lieben Kleinen den Film angesehen haben, hoffentlich keine Nachahmer. Man ist doch sehr über solch gedankenlose Darstellung überrascht und fragt sich, was sich die Regisseure Mark Levin und Jennifer Flackbett dabei dachten.
Damit diejenigen, die nur ihrer Kinder willen ins Kino gegangen sind, nicht völlig verzweifeln, liefert die mentale Interaktion der leicht persönlichkeitsgespaltenen Schriftstellerin mit ihrem heldenhaften literarischen Ego etwas "Anspruch". Die Oscarpreisträgerin Jodie Foster hatte hier mal so richtig die Gelegenheit den Clown zu geben. Und auch Gerard Butler wollte wohl vermeiden, dass er, nachdem er so prachtvoll den Leonidas in den 300 verkörpert hat, zukünftig auf solche Rollen festgelegt wird. Die liebenswerte und für Little Miss Sunshine bereits Oscarnominierte Abigail Breslin gibt überzeugend die frech-verträumte Göre. Stark genug, um in diesem wilden Ambiente glaubwürdig agieren zu können und zerbrechlich genug, damit man ihr im Geiste zu Hilfe eilen möchte. Wenn Plausibilität nicht unbedingt im Vordergrund steht, ist Die Insel der Abenteuer ein Spaß für die ganze Familie. Idealerweise, wenn die lieben Kleinen nicht älter als 12 sind.