|
USA, 1949: Ein alternder Mann verliebt sich in eine junge Frau und beschließt, seine Gattin zu ermorden, um ihr den Schmerz der Trennung zu ersparen. Ein absurder Gedanke, mag man meinen. Der New Yorker Independent-Regisseur Ira Sachs hat daraus einen Film gemacht: Married Life ist ein mit reichlich schwarzem Humor gespicktes Werk über die Liebe und die Kunst des Eheglücks, der zu amüsieren weiß - und dennoch oder gerade deswegen viel Wahres besitzt.
In der Liebe und im Krieg, heißt es, ist alles erlaubt. Da zählen Freundschaften plötzlich weniger, Versprechen dürfen gebrochen werden und wenn es hart auf hart kommt, muss man auch mal über Leichen gehen dürfen. Married Life treibt das Sprichwort auf die Spitze - und präsentiert ein charmantes Darstellerquartett, deren Rollenfiguren sich mit ihren kleinen Lügen und Moralverstößen gegenseitig überbieten.
"The greatest thing you'll ever learn, is to love and be loved in return", hieß es einst in Moulin Rouge. Harry Allen (Chris Cooper) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, aber dieses unbeschreibliche Gefühl zu lieben und geliebt zu werden, das wurde ihm bislang nicht zuteil. Seine Ehefrau Pat (Patricia Clarkson) erklärt ihm offen und ehrlich, dass für sie Liebe schlussendlich nicht auf Gefühle, sondern auf Sex hinauslaufe. Als Harry jedoch die Kriegswitwe Kay (Rachel McAdams) kennen lernt, scheint seine Chance auf Glück gekommen zu sein. Die Affäre entwickelt sich zur Liebesgeschichte, in die Harry nur seinen besten Freund einweiht, den notorischen Einzelgänger und Teilzeit-Casanova Richard (Pierce Brosnan). Harry plant den Partnertausch, will mit Kay ein neues Leben beginnen. Er zögert aber mit dem Schritt, weil er glaubt, dass es Pat unwahrscheinlich verletzen würde, wenn er sie verließe. Die Begegnung mit einem Anhalter bringt ihn schließlich auf eine teuflische Idee: um Pat jeden Schmerz zu ersparen, bleibt ihm nur die Alternative, sie umzubringen.
Zu Beginn wirkt dieser Harry Allen wie ein zutiefst bemitleidenswerter Mensch. Ein bisschen zerstreut vielleicht, aber im Prinzip herzensgut, will er doch nur geliebt werden und dieses Gefühl zurückgeben. Sein Verhältnis zu Gattin Pat scheint von einem Rollentausch geprägt zu sein. Pat übernimmt eher den nüchternen-männlichen Part, Harry den emotional-weiblichen. Spätestens nach seiner Entscheidung, mit dem Mord an der Frau seine eigenen Gewissensbisse zu vertreiben, ist es mit dem Mitleid freilich vorbei. Harry disqualifiziert sich als Narzist, der nicht glauben kann, dass seine Frau ohne ihn überleben würde. Dabei spielt auch diese bereits seit einiger Zeit ein falsches Spiel, das nur noch nicht an die Öffentlichkeit gerät, weil sie íhrerseits an der psychischen Standfestigkeit des Ehemannes zweifelt. Harrys bester Freund Richard gelangt durch einen Zufall in die komfortable Lage, die Gesamtsituation überblicken zu können. Und da er sich bei seiner ersten Begegnung mit Kay ebenfalls Hals über Kopf in die liebenswürdige junge Frau verliebt hat, weiß er, dies für seine Zwecke zu nutzen. Mit geschickten Appellen an die Moral und kleinen Nadelstichen versucht der durchtriebene Richard, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden.
In diesem Wirrwarr der Intrigen vermischen sich für den Zuschauer Gefühle der Fassungslosigkeit und des Amüsements. Harry, Pat und Richard sind Egozentriker und Egoisten, die von Chris Cooper (Operation: Kingdom), Patricia Clarkson (Good Night, and Good Luck.) und Pierce Brosnan (Mord und Margaritas) vorzüglich verkörpert werden. Noch am Unschuldigsten wirkt Kay, von der blondierten Rachel McAdams (Red Eye) als ein zartes Persönchen dargestellt, das man(n) einfach nur in den Arm nehmen möchte. Dass sie, die in ihrem Leben bereits viel Leid ertragen musste, als Geliebte eines verheirateten Mannes auch Schuld auf sich lädt, spielt in dem Film eine Schlüsselrolle.
"Jeder von uns hat schon mal ganz eigennützig gehandelt und sich dabei nicht um die Gefühle der Liebsten geschert", hat der bislang nur selten in Erscheinung getretene Regisseur Ira Sachs (Forty Shades of Blue) über seinen neuesten Film gesagt, der auf dem Roman "Fünf Kurven in den Himmel" von John Bingham basiert. Und gerade weil diese Aussage so schmerzhaft zutreffend ist, wird man sich über Married Life blendend amüsieren können. |