Zeitlose Filme sind selten. Meist werden Filme produziert, die, wenn historisch, klar zuzuordnen sind oder sich dem vollen Repertoire an Gadgets des Hier und Jetzt bedienen. The Brothers Bloom ist eine merkwürdige Mischung aus Ganoven- und Abenteuerfilm, gepaart mit einer Romanze und einem etwas schwermütigen Brüderdrama. Manchmal scheint sich der Film zu verheddern und der verworrene Plot unterstützt dies noch, aber stets bleibt er unterhaltsam und vermag zu bezaubern. Gewissermaßen mit zeitlosem Charme, sowie reizvoll altbacken wirkend, würde er auch in einigen Jahrzehnten noch gut funktionieren.
Den Brüdern Bloom ward alles andere als eine ruhige und bodenständige Kindheit beschert: Sie wechselten durch Dutzende von Pflegefamilien, in denen sie nur kurz verweilten und schlugen sich stets trickreich durchs Leben - immer wieder in andere Rollen schlüpfend. Am Ende war aus den beiden ein perfekt eingespieltes Betrügerduo geworden. Stephen (Mark Ruffalo), der ältere, ist so was wie das kriminelle Hirn der Bande, die inzwischen aus dreien besteht, seit die durchgeknallte Nitroglyzerin-Expertin "Bang Bang" (Rinko Kikuchi) hinzugestoßen ist; Bloom (Adrian Brody), der jüngere, ist der emotionale Teil, der stets etwas zwischen moralischen Anflügen und melancholischer Grundhaltung pendelt. Eigentlich möchte er mit den Betrügereien ganz aufhören und dieses Outlaw-Nomadentum und die ewige Charade aufgeben. Ein letztes Ding wollen die Brüder aber noch gemeinsam durchziehen. Eine Nummer, die ihnen genug Geld bescheren soll, dass sie aufhören können.
Ziel der Operation, die eremitisch Lebende und etwas absonderliche Millionärin Penelope (Rachel Weisz), die um ein paar ihrer Milliönchen erleichtert werden soll. Zunächst gilt es, das Vertrauen der attraktiven Frau zu erobern. Das Stichwort für Bloom, den jüngeren, der auf einem alten Fahrrad einen Zusammenstoß mit Penelopes gelben Lamborghini provoziert. Die gute Penelope hat den Boliden ohnehin nicht besonders gut im Griff und fährt ihn regelmäßig zu Schrott, da erscheint es leicht, einen Unfall wie ihre Schuld aussehen zu lassen. Das Ganze läuft zwar irgendwie anders als geplant, aber Bloom gelingt es Penelope näher zu kommen. Er erfährt, dass sie dermaßen von ihrem Leben gelangweilt ist, dass ihre einzige Beschäftigung das Sammeln von Hobbys ist. Sie scheint auch prompt begeistert, von dem Vorschlag, den ihr Bloom unterbreitet: Als Teil des Teams soll sie an einem großen Coup teilnehmen und helfen, ein wertvolles altes Buch in St. Petersburg zu entwenden. Für die Vorbereitung und Durchführung werden aber erstmal ein paar Millionen benötigt; wie gut, dass sie über ein gut gefülltes Geldsäckelchen verfügt.
Ein paar Irritationen erzeugt The Brothers Bloom schon zu Beginn: Er gehört zweifellos zu der Gattung von Filmen, bei denen man sofort spürt, dass es hier sehr gewitzt zugehen wird, und so wird man gleich vom Charme des Films eingefangen. Regisseur Rian Johnson versteht seinen Film zwar eher als eine Art Hommage an den Klassiker Der Clou aus dem Jahre 1973, mit Paul Newman und Robert Redford in den Hauptrollen, doch als Zuschauer entsteht eher das Gefühl in einer seltsame Kreuzung aus einem Guy Ritchie-Film (auch wenn nicht soviel geballert und gemordet wird) und einer schrägen Meisterdieb-Persiflage im Stile von Hudson Hawk gelandet zu sein; vielleicht gewürzt mit einer Prise The Game. Ganz schön verwirrend, zugegeben.
Tatsächlich finden sich bei The Brothers Bloom nicht nur eine Reihe liebevoller Anleihen aus vielen Jahrzehnten der Filmgeschichte, auch in Punkto Genre will sich der Film gar nirgends einreihen: einerseits romantische Komödie, Brüderdrama, Krimi, Abenteuerfilm. Eine Klassifizierung fällt nicht leicht und erscheint wenig sinnvoll. Markant aber, und für die beschworene Hommage an Der Clou spricht, die Zeitlosigkeit der Umsetzung: Drumherum sieht alles sehr modern aus. Es ist zweifellos die Jetztzeit. Die Kleidung der Protagonisten könnte aber aus einem beliebigen anderen Jahrzehnt stammen. Und das Gefühl einer gewissen zeitlichen Losgelöstheit unterstreicht, dass nirgends ein Handy oder ein Computer zu sehen ist und benutzt wird.
Der recht verworrenen und verstrickten Storyline zu folgen, stellt sich aber als recht verzwickt dar: Es wird sich gegenseitig betrogen und gelinkt, immer wenn man denkt, verstanden zu haben, in welche Richtung sich das Ganze fortentwickelt, wird abermals ein Haken geschlagen oder eine Plotpirouette vollführt. Mitunter wird auch eine Figur nicht wirklich logisch eingeführt; es ist zwar immer wieder eine Freude einen Altstar wie Maximilian Schell noch einmal auf der großen Leinwand zu erleben, aber die Funktion der Figur wird anfänglich nicht wirklich klar. Zu viele Wendungen und Kapriolen werden einfach vollführt. Wobei am Ende sich sehr um eine plausible Auflösung bemüht wird.
Nebst reichlich Witz, durchdachten Dialogen und unterschwelliger Komik, wird der Film auch von einer satten Portion Melancholie und Herzschmerz getragen. Wer eignet sich besser als der ewig schwermütig dreinblickende Adrien Brody für solch einen Part? Rachel Weisz, die ihren internationalen Durchbruch mit Die Mumie hatte und für Der Ewige Gärtner mit dem Oscar belohnt wurde, gibt als dysfunktionale, romantische Exzentrikerin dann dazu auch den perfekten Gegenpart.
The Brothers Bloom ist ein schön gelungener Mix aus vielen cineastischen Motiven und Elementen und zeichnet sich durch seine feinsinnige Umsetzung aus, die aber in ihrer Komplexität durchaus verwirren kann. Es kann passieren, dass man zwischendurch ein wenig aus der Handlung aussteigt. Die guten Darsteller sorgen aber dafür, dass schlussendlich alles stimmig wird - wenn auch bis zum Ende der melancholische Brüderdrama-Charakter beibehalten und in einem Finish kumuliert wird. Eine gewisse allgegenwärtig-bittersüße Note haftet dem Film somit trotz komödienhafter Überzeichnung an. Intelligentes Kino zum genießen, aber durchaus mit einigen Ecken und Kanten versehen.