Was tut man, wenn man mit einem Gesicht gestraft ist, das von Natur aus witzig aussieht? Man geht entweder zum Schönheitschirurgen, verkriecht sich oder man macht etwas daraus und wird Komiker. Wenn man sich dann auch nicht zu schade ist, seine ekligste Seite herauszukehren und auf Film bannen zu lassen, kann daraus sogar etwas werden. So, oder so ähnlich, muss es auch bei Rainn Wilson gelaufen sein. Zumindest hat er mit seinem Auftritt als alternder, durchgeknallter Rocker voll ins Schwarze getroffen und beschert den Zuschauern einen äußerst amüsanten und erheiternden Kinobesuch mit guter Musik und einem richtigen "Hollywood Happy End".
"Lachnummern" gibt es im Kino genügend. Sei es aufgrund der Begabung die besten Grimassen schneiden zu können, wie beispielsweise Jim Carrey (Ich, Beide & Sie), oder dem Umstand folgend, dass man bereits rein äußerlich zum Grinsen anregt und dies in vollem Maße ausnützt, wie es bei Jack Black (Abgedreht) meist der Fall ist. Egal aus welchem Grund diese Menschen Komiker geworden sind, sie bringen die Zuschauer seit ewigen Zeiten zum Lachen. Ein neuer Stern an diesem Komiker-Himmel könnte Rainn Wilson sein. Denn er bringt gleich mehrere Qualitäten mit: zum Einen hat er ein Gesicht, das besonders hervorsticht und zum Anderen kann er eben dieses so verziehen, dass selbst ein leidenschaftliches Schlagzeugsolo urkomisch wirkt. Dieses Talent hat der seltsame Kautz aus der Serie Six Feet Under in Rocker unter Beweis gestellt.
Das Leben ist einfach nicht fair. Und vermeintlich gute Freunde erst recht nicht. Nach einem unglaublichen Auftritt mit seiner Rock-Band "Vesuvius" wird Robert "Fish" Fishman, der Drummer, Mitbegründer und Namenserfinder der Gruppe, aus dieser entfernt, um Platz für den Plattenvertrag und einen neuen Schlagzeuger zu machen, der zufällig der Neffe des Plattenlabelchefs ist. Tief verletzt von der Untreue seiner Kameraden, muss sich Fish nun doch in die "Erwachsenenwelt" zurückziehen, in die er so gar nicht passen will. 20 Jahre später feiert "Vesuvius" immer noch einen Erfolg nach dem anderen, während Fish in einem Callcenter sein Geld verdient. Als er auch noch dort von Kollegen mit dem neuen Album der Band konfrontiert wird, rastet er aus und wird gefeuert. Also sucht er erst einmal Unterschlupf bei seiner Schwester. Wie es der Zufall so will, spielt sein Neffe Matt in einer Schulband, die am Abschlussball spielen soll und verzweifelt einen neuen Drummer sucht. Nach ein wenig Überredungskunst schwingt sich Fish zurück in den Sattel und erlebt auf dem Ball sein persönliches Comeback. Obwohl alle anderen nicht der Meinung sind, dass er in die Gruppe passt, ist er begeistert und wird neues Mitglied von A.D.D. Um seine Entgleisung vom Abschlussball wieder gut zu machen, organisiert er einen Gig für die Gruppe. Der richtige Durchbruch gelingt ihnen aber erst, wie sollte es anders sein, mit Hilfe von YouTube und einem Video des "Nackten Drummer" Fish. Daraufhin begeben sich die vier Rocker auf eine Tour, wie Robert sie sich schon immer gewünscht hat und das lebt er auch aus. Doch irgendwann kommt erneut der Punkt, an dem es um einen Plattenvertrag und den Zusammenhalt der Gruppe geht.
Die Grundpfeiler der Geschichte sind wahrlich nichts Neues. Alternde Rockstars oder Stars im Allgemeinen, die ihrer Karriere hinterher trauern und es schließlich doch noch mal versuchen, gab es bereits in Filmen wie School of Rock oder Mitten ins Herz - Ein Song für Dich. Doch die Story um Fish ist irgendwie anders. Er hatte bisher noch keine Chance das Leben, das er sich erträumt, auszuleben und so ergreift er die Gelegenheit beim Schopfe und lässt nichts aus, was ein Rockstar auf Tour tun muss. Er verwüstet Hotelzimmer, ist schon morgens betrunken und lässt sich von der Polizei verhaften. Das gehört zum Leben eines echten Rockers nun mal dazu. Leider vergisst er dabei immer, dass er mit Minderjährigen unterwegs ist, die die Erlaubnis für die Tour überhaupt nur bekommen haben, weil die Eltern auf den Erwachsenen in Fish gebaut haben. Doch dieser ist schlampig, dumm und voller Leben und das spürt man in jeder Sekunde. Die Unbekümmertheit und Lebensfreude, die lediglich von den kleinen Wehwechen, die das Alter so mit sich bringt, gestoppt werden, nimmt man Rainn Wilson dabei in jeder Sekunde ab und kann sich regelrecht mitreißen lassen. Von dieser Frische und dem ganz besonderen Charme, die dieser eklige Typ ausstrahlt, dem nichts peinlich zu sein scheint, wird der Film über die volle Länge getragen und niemals langweilig.
Doch es sind nicht nur witzige Einlagen, wie das Video auf YouTube oder sonstige Peinlichkeiten und Missgeschicke, die Fish auf seiner Reise so passieren, sondern auch eine Menge an Wortwitz und Situationskomik, die den Spaß ausmachen und dem Film eine gewisse Abgrenzung zu reinen "Tolpatsch-Freak-Filmen" ermöglichen. Auch können die drei weiteren Mitglieder der Band, Curtis, der melancholische Sänger und Mädchenschwarm, Amelia, das Mädchen, das niemals lacht und Matt, der schüchterne, pummelige Junge, der hofft mit der Musik Mädchen kennen zu lernen, ihre Rollen gut ausfüllen und glaubhaft rüberbringen, so dass man mit jedem von ihnen mitfühlen kann. Nicht zu vergessen ist Christina Applegate, die früher als Kelly Bundy ihr Unwesen trieb und nun als Mutter von Curtis mit auf die Tour geht, um den vernünftigen Gegenpart zu Fish darzustellen.
Dass in einem Film wie diesem mit Klischees nur so um sich geworfen wird, ist eigentlich zu erwarten. So überrascht es auch nicht sonderlich, dass das Ende nicht hollywoodmäßiger sein könnte. Potentiell ist dies ein Grund für so manch einen, den Kinosaal enttäuscht zu verlassen. Doch so ein bisschen "Heile Welt" im Film kann eigentlich nicht schaden, wenn die Wirklichkeit schon immer so hart und gemein sein muss. Einen weiteren Pluspunkt des Films stellt die Musik dar. Mit dem jungen Musikertalent Teddy Geiger in der Rolle des Curtis, kann die Performance voll und ganz überzeugen. Der junge Mädchenschwarm rockt im Stile von "Three Doors Down" und anderen Rockgruppen. Wem also solch eine Musik gefällt, vermischt mit Witz und Gutelaune, der ist hier gut versorgt. Zwar haben wir als Zuschauer nicht den besten Platz im ganzen Raum, zwischen Bassist und Gitarrist, aber dank der witzigen Perfomance der ganzen Truppe kann man dennoch mit einem Grinsen im Gesicht und einem rockigen Lied in den Ohren nach Hause gehen und von seiner eigenen Karriere als Rockstar träumen.