Solide Hollywoodkomödie über den Kinderwunsch einer unfruchtbaren Frau. Trotz der Gefahr, in eine seichte Bettgeschichte abzurutschen, umschifft Regie-Neuling Michael McCullers diese Klippen und schafft eine mainstreamtaugliche Parodie auf die heutige Wunschkind-Gesellschaft. Dies mag als Leistung oder als Verfehlung aufgefasst werden, doch Spaß macht Baby Mama allemal.
Kate liebt Ordnung und einen geregelten Tagesablauf. Ein Kind oder gar mehrere passten nie in ihre Lebensplanung, die Kleinen machen viel zu viel Umstände und sind unberechenbar. Nun ist sie 37 Jahre alt und wurde gerade zur Vizepräsidentin ihrer Firma befördert: Eine Traumkarriere in der Geschäftswelt hat sie da hingelegt. Und da es sich bei ihrem Arbeitgeber "Round Earth" um eine Bioladenkette unter der Führung eines angesehenen Öko-Gurus handelt, ist auch Kates Gewissen völlig rein. Im Grunde ist Kates Leben in Philadelphia also in Watte gebettet.
Wäre da nicht der Tag, als sich dann doch noch das Ticken der biologischen Uhr bemerkbar macht. Die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, endet für Kate in wenigen Jahren, sie wird aus heiterem Himmel von Selbstzweifeln geplagt. Zumal auch noch ihre Schwester Caroline vorlebt, dass die Mutterschaft kein Todesurteil ist. Schließlich beschließt Kate, nun doch ein Kind zu bekommen, was sich aber als gar nicht so einfach herausstellt. Der richtige Mann steht nicht zur Verfügung, also versucht die Managerin es bei der Samenbank. Als das auch nicht klappen mag, lässt Kate schließlich ihre Fruchtbarkeit überprüfen - mit einer katastrophalen Diagnose: Kate wird niemals selbst Kinder austragen können, der Wunsch einer Schwangerschaft wird ihr immer verwehrt bleiben.
Am Boden zerstört, will die sonst so unbeirrbare Managerin aufgeben. Doch eine Möglichkeit auf ein eigenes Kind eröffnet sich noch: Chaffee Bicknell. Die Agentur dieser spröden Geschäftsfrau hat sich auf das Vermitteln von Leihmüttern spezialisiert. Dabei werden einige von Kates Eizellen nach Wunschpartner befruchtet und einer anderen Frau zum Austragen eingesetzt. Das Kind wird also auch genetisch das von Kate sein, nicht das der Leihmutter. Und schon bald lernt die euphorische Kate die junge Angie kennen, die ihr Baby austragen wird. Für den Schnäppchenpreis von 100.000 Dollar soll die Schwangerschaft vonstatten gehen. Der Fruchtbarkeitsspezialist kümmert sich um die technische Seite der ansonsten so romantischen Angelegenheit, und tatsächlich meldet Angies Schwangerschaftstest kurz darauf einen Erfolg. Kate ist überglücklich, ebenso Angie und umso mehr ihr eher eigenwilliger Freund Carl, dessen allgemeiner Ideenreichtum bisher nämlich leider noch nicht den gewünschten finanziellen Erfolg abgeworfen hat.
Kate muss sich derweil im Geschäft beweisen, denn ihr Chef und Inhaber der Round Earth-Kette, der Ökoguru Barry, beauftragt sie damit, einen neuen Standpunkt in der Gegend für die bisher größte Filiale zu finden und alles, vom Bau bis zur Eröffnung, zu organisieren. Dabei lernt sie Rob kennen, einen ehemaligen Anwalt, der jetzt ein kleines Restaurant für Biosaftgetränke und ähnliches betreibt. So sympathisch Rob zu sein scheint, wahrscheinlich wird der neue Round Earth-Laden, den Kate ausgerechnet bei ihm um die Ecke bauen wird, seine Existenz vernichten.
Kurz nach dem Einsetzen der Schwangerschaft trennt ein plötzlicher Streit Angie und Carl, weswegen die werdende Leihmutter kurzerhand bei Kate einzieht. Der ist das natürlich nur recht, denn immerhin geht es hier um den gewünschten Nachwuchs. Während die lebenslustige Angie sich mit ihrem eigenwilligen Lebensstil in Kates Wohnung ausbreitet, muss diese allerdings mit ansehen, dass nicht jeder an biologisch-dynamische Ernährung und andere ökologische Verhaltensweisen glaubt. Was Kate obendrein nicht ahnt: Angie und Carl haben ganz eigene Pläne rund um die Schwangerschaft.
Es geht drunter und drüber in dieser Komödie rund um den Kinderwunsch. Während man vor Beginn erwarten könnte, dass sich im Film ein lustiger Reigen um diverse softe Bettgeschichten entspannen könnte, erkennt man bald, dass in diesem Fall eine wirklich solide Komödie entstanden ist. Getragen wird dieser Film ausschließlich von seinen Schauspielern, in diesem Fall sind eine Menge altbekannter, beliebter Gesichter dabei: Kate wird gespielt von Tina Fey, die, hierzulande eigentlich eher unbekannt, vor der US-Präsidentschaftswahl durch ihre messerscharfen Parodien auf Sarah Palin auffiel. Mit frappierender Ähnlichkeit zur Beinahe-Vizepräsidentin und großem komödiantischen Geschick spielte Fey Palin-Zitate aus dem Wahlkampf einfach unverändert nach und feierte damit große Erfolge. Im Film gibt sie die erfolgsorientierte Managerin mit Lust und großem Geschick, tatsächlich nimmt man ihr den Kinderwunsch und die diversen damit verbundenen Panikzustände ab.
Cineasten dürfte jedoch sofort Steve Martin ins Auge springen: Der Star aus Filmklassikern wie Zwei hinreißend verdorbene Schurken, L.A. Story und Bowfingers grosse Nummer geht voll und ganz in der Rolle des Öko-Gurus Barry auf. Seine Figur grätscht zwischen naturgerechtem Leben auf der einen und dem Leiten eines Millionenkonzerns auf der anderen Seite. Während andere sich früher oder später für einen der beiden Lebensstile entscheiden würden, verbindet Barry ganz ohne Skrupel einfach das Beste aus beiden Welten: Keine Socken zum Anzug tragen, ein bisschen mit Räucherstäbchen wedeln und im Meetingraum des Managements im Schneidersitz auf dem Konferenztisch Platz nehmen. Chauffeur, Sonnenbrille und Pferdeschwanz stehen Barry jedoch ebenfalls gut, da scheint es für ihn keinerlei Konflikt zu geben. Steve Martin reißt außerdem die Geschichte in keiner seiner Szenen an sich - was ihm ein Leichtes gewesen wäre - sondern überlässt Fey und den anderen Hauptrollen brav das Rampenlicht. Mustergültig.
Auch Chaffee Bicknell, die Inhaberin der Leihmütteragentur, wird von einer altbekannten Hollywood-Größe dargestellt: Während Filmanfänger in ihr einfach nur eine nicht mehr ganz junge, herbe Geschäftsfrau mit irgendwie nicht ganz stimmigem Auftreten sehen, grinsen Fans von Sigourney Weaver in sich hinein und erinnern sich an ganz andere Schwangerschaftsproblematiken des Stars der vier Alien-Teile. Gebrandmarkte sind daher ständig auf der Hut, wenn sie gerade auf der Leinwand zu sehen ist. Doch Weaver bewies ihre vielfältigen Talente abseits der Jagd auf gefräßige Außerirdische bereits in einer Menge anderer Filme. Allein die Star Trek-Parodie Galaxy Quest, in der sie als Äquivalent der Uhura deren Rolle auf den Punkt brachte, sollte genannt werden, aber auch die beiden Ghostbusters-Klassiker, oder die Tatsache, dass sie dem Schiffscomputer in Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf ihre Stimme lieh - natürlich nur in der Originalfassung.
Greg Kinnear als Rob und Maura Tierney, als Kates Schwester Caroline, könnten bei diesem Staraufgebot verblassen, doch erhalten ihre Figuren genug Platz, um sich entfalten zu können. Selbst John Hodgman, bei uns im Grunde nur wenigen als "PC guy" aus den Apple-Werbespots bekannt, bekommt als Fruchtbarkeitsspezialist genug Raum, seiner leicht schrägen Figur Leben einzuhauchen.
Genau in solchen Details liegt die Kunst des guten Filmemachens. Nicht die großen Namen oder die bekannten Gesichter machen einen Film gut, sondern Drehbuch, Takt und inszenatorisches Feingefühl der Filmemacher. So einfach und simpel die Komödie um den Babywunsch im Grunde ist, so sehr nutzte Regisseur Michael McCullers seine Chance in seinem Regiedebüt. Bisher hatte er sich ausschließlich als Drehbuchautor betätigt: Zu seinen bekanntesten Werken dürften die beiden Austin Powers-Filme gehören. Diesmal hat er auch gleich selbst Regie geführt.
Baby Mama ist unter den seichten Hollywood-Komödien von der Stange ein solides Exemplar. Sicherlich kein Film für Arthouse-Fans, doch für den netten, zwanglosen Abend zu zweit sicherlich eine gute Empfehlung.