Der neue Film von Olaf Ittenbach verspricht mehr Professionalität und Reife, ist im Endeffekt aber dennoch nicht mehr als ein gut gemachter Amateurfilm. Abstriche sowohl bei Handlung, als auch bei Schauspiel können das Niveau, das sich Ittenbach selbst wohl erhofft hatte, nicht bringen. Einzig die Goreeffekte können sind gut gemacht und können überzeugen, auch wenn sie teilweise schon zu sehr ausgereizt werden.
Schlägt man das Wort "dard" im englisch-deutschen Wörterbuch nach, findet man... nichts. "Dard" ist nämlich nicht englisch, sondern kommt aus dem persischen und bedeutet "Schmerz". Wer jetzt noch Olaf Ittenbach kennt und das DVD-Cover sieht, auf dem ein angedeutet nackter muskulöser Mann, blutbefleckt mit einer Kettensäge in der Hand steht, wird sich vielleicht über die ungewohnte intellektuelle Übung zu diesem Filmtitel wundern. Der Self-Made-Regisseur aus Ingolstadt, blieb bisher weniger mit ungewöhnlichen Geschichten, sondern eher mit nachhaltig blutigen Gewaltszenen in seinen Filmen im Gedächtnis des Zuschauers. Aber bereits im Vorfeld wurde darüber gesprochen, dass Dard Divorce ein reiferes und professionelleres Werk des ehemaligen Amateurfilmers Ittenbach sein soll. Dies weckt natürlich eine gewisse Neugier.
Tatsächlich hat sich seit den Tagen von Burning Moon etwas getan. Die Szenen sind sauber gefilmt, der Schnitt ist ordentlich und auch ein passender Soundtrack ist vorhanden. Ja, es ist ein richtiger Film geworden. Und doch will auch Ittenbachs neuer Film nicht die Klasse gewinnen, die er vermutlich gerne hätte. Immer noch atmet er Amateuratmosphäre. Grund dafür sind zum einen die Darsteller. Dazu zählt auch Martina Ittenbach - Olaf Ittenbachs Frau und gleichzeitig Darstellerin in vielen seiner Filme - die in Dard Divorce die Hauptrolle hat. Ob sie sich über das blutüberströmte Auftauchen ihres Mannes erschrickt oder sich über ihre entführten Kinder ängstigt oder ob sie ihren Peinigern eiskalt die Stirn bietet, alles quittiert sie mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck. Auf dem gleichen Level agieren auch die anderen Darsteller, die allesamt ein mäßiges Fernsehniveau abliefern. Eine Identifikation mit der Hauptfigur will nicht aufkommen.
Zweiter Schwachpunkt: die Storyline. Die Geschichte möchte gewitzt und verschachtelt daherkommen, in Flashbacks versucht Ittenbach bestimmte Ereignisse aus unterschiedlichen Sichtweisen zu erzählen. Das Bemühen ist zu erkennen, wirkt aber konstruiert. "Überraschende" Wendungen lassen sich immer vorher erahnen. Es läuft darauf hinaus, dass sich ein Bösewicht mit dem nächsten abwechselt. Ein guter Geschichtenerzähler ist Ittenbach nicht, intelligentes Storydesign sieht anders aus. Da scheint jemand mehr zu wollen als er kann.
Es bleibt dabei, das Hauptanliegen in einem Ittenbach-Film konzentriert sich auf eindringliche Splatterszenen. Nachdem sich Dard Divorce ungewöhnlich lang mit Vorgeplänkel aufgehalten hat, steigt er sehr abrupt in härteste Szenen ein. In der Konstellation dass die Hauptfigur ihrem jeweiligen Peiniger gegenübersteht (oder eher angebunden sitzt oder liegt) kommt es zu mehreren Folterexzessen. Dabei wird klar, der Regisseur steht offenbar nicht auf Psychoterror. Die Gewalt ist physisch und organisch. Reichlich Blut fließt, Knochen werden durchtrennt und eine Szene, in der ein Toter in einer Badewanne fachgerecht zerkleinert wird um die Leiche verschwinden zu lassen, wird regelrecht zelebriert. Die Goreeffekte sind wieder einmal gut gemacht, auch wenn sie übertrieben sind. Aber das kann man in diesem Genre so stehen lassen.
Was bleibt also für ein Eindruck stehen? Abzüge gibt es bei Dialogen, Handlung, Charakteren. Handwerklich bleibt ein einigermaßen ordentlicher Eindruck. Das einzige was Olaf Ittenbach hinkriegt sind brutale Szenen mit viel Kunstblut, Gewaltausbrüchen, S/M-Spielereien und anderen ekligen Dingen. Der Film nimmt sich zu ernst, um noch als Funfilm durchzugehen. Damit bleibt Dard Divorce nur ein Film für echte Gorehounds oder Fans, die von Folterpornos der noch anhaltenden Folterfilmwelle immer noch nicht genug haben.