|
Potpourri der Toilettenphilosophie - oder willkommen in der Welt des Mike Myers. Nach mehrteiliger Austin Powers Agentenpersiflage, ist es jetzt Zeit Scheinheilige, Heilsversprecher und Gurus auf die Schippe zu nehmen. Und natürlich ist wieder keine Peinlichkeit zu peinlich, kein Furzwitz zu trocken, kein Kalauer zu albern und keine Slapstickeinlage zu abgedroschen. Myers, Multitalent des Makaberen und der Maskerade, legt mit Der Love Guru sein neuestes Werk vor und bewegt sich, wie so oft, am schmalen und imaginären Grat zwischen Enddarmklamotte und Genitalgroteske. Entweder man liebt es oder man hasst es.
Guru Pitkas (Mike Myers) Mission, des zweitbesten Gurus auf Erden, ist die Liebe. Und das obwohl seine Heiligkeit diese am eigenen Leib nie erfahren hat. Bevor er mal "ran darf", muss er erst lernen, sich selber zu lieben. Damit er das auch nicht falsch versteht, hat ihm sein Lehrer Guru Tugginmypuddha (Ben Kingsley) eine kleine Charakterstütze in Form eines Keuschheitsgürtels mit auf den Lebensweg gegeben. Dieser stößt hart an die Belastungsgrenze als ihn die rattenscharfe Jane Bullard (Jessica Alba) in seinem Domizil besucht. Alles aus beruflicher Motivation: Jane ist die Erbin einer Eishockeymannschaft, der Toronto Maple Leafs, und hat Probleme mit ihrem Top-Torjäger Darren Roanoke (Romany Malco). Der trifft, seit ihn seine Frau Prudence (Meagan Good) für den Torhüter der L. A. Kings Jacques "Le Coq" Grande (Justin Timberlake) verlassen hat, kein Scheunentor mehr. Die Hände Zittern und von Selbstvertrauen keine Spur. Das muss sich ändern, sonst siehts düster für die Playoffs aus. Der Guru soll es richten und Darren und seine Frau wieder zusammen bringen - koste es was es wolle.
Positiver Nebeneffekt: die enorme Publicity, die Pitka zu einem Auftritt in der Oprah-Winfrey-Show verhelfen könnte und ihn, vorbei an Guru Deepak Chopra, zur Nummer eins unter den Gurus katapultieren würde. Natürlich hofft er auch das Herz der schönen Jane für sich erobern zu können. Der Rest ergeht sich, abgesehen von einigen Musik- und Tanzversatzstücken im Oriental-Look, in einer Spaßkanonade gehobenen Latrinenlevels. Und mehr ist aus erzählerischer Hinsicht über die Aneinanderreihung von Toilettenwitzen, welche die Drehbuchschreiber vermutlich von Wänden indischer Public-Plups-Klos abgepinselt haben, nicht zu sagen. Zu Unrecht vielleicht. Myers Humorverständnis hat sicherlich seine Zielgruppe, und diese rekrutiert sich, wider erwarten, nicht ausschließlich aus dümmlichen Fäkalwitz-Fetischisten. Man braucht schon ein bisschen cineastischen Sachverstand und einiges an sportlich motiviertem Persiflagekampfgeist, um die schier endlose Reihe an Sidekicks richtig einzuordnen. Sportparodie und Bollywoodsatire sind da noch die Augenscheinlichsten.
Trotzdem: Myers Filme bleiben Furz-Rülps-Anal und Genital-Klamotten. Und hier gibt's ebenfalls eine Zielgruppe, die auch noch beim zwölften Mal lacht, wenn sich einer was aus dem Hintern zieht. Vielleicht gibt es einen geheimen intellektuellen Zugang zu Myers Filmen, der sich nicht Jedermann ohne weiteres erschließt und zum umschiffen solch seichter Diarrhöfahrwasser verhilft. Gewissermaßen eine versteckte tiefere Bedeutung. Ebenso wie Guru Pitka für seine Jünger entschlüsselt, für welche Abkürzung BIBEL steht (engl. B.I.B.L.E): Basic Instructions Bevor Leaving Earth, verbergen sich in Der Love Guru möglicherweise elementare Wahrheiten, die der Kinogänger für sich decodieren darf - wenn er kann.
Außer Frage steht, dass Myers kommerziell erfolgreiche Komödien zu kreieren weiß. Und eine ganze Riege von Hollywoodgrößen und TV-Veteranen scheint sich darum zu reißen, in seinen Filmen eine kleine Rolle oder einen Cameoauftritt zu bekommen. Ob Michael Caine, Michael York und Robert Wagner in Austin Powers in Goldständer oder diesmal Oscarpreisträger und Gandhidarsteller Ben Kingsley. Allesamt sind sich nicht zu schade bei Myers Produktionen einen Part zu übernehmen. Jessica Alba tritt wohl die Nachfolge Liz Hurleys aus Austin Powers 2 - Spion in geheimer Missionarsstellung als Sexsymbol an und sieht, gleichwohl in welchem Fummel, zum Anbeißen aus. Der männlichen Phantasie, den kurzen und wilden Galopp erlaubend, ist, für diejenigen, die keinen Zugang zum speziellen Witz des Streifens finden, Albas Anblick das einzige was zum sitzen bleiben animiert und hoffen lässt, sie möge im Laufe der "Handlung" noch ein paar Kleidungstücke ablegen. Dieser wohlüberlegte Einbau der sexy Schauspielerin, deren humorige Begabung gelinde gesagt stark ausbaufähig ist, mag noch ein paar Besucher mehr in die Theater locken.
Zu Timberlakes Auftritt, so schön skurril und passgenau bekloppt er sich in den nahezu nicht vorhandenen Plot integriert, gibt es nicht viel mehr zu sagen außer, dass keine Rolle zu dümmlich, als dass man nicht hoffen könnte, dass er sie mit Leben füllt. Dem untalentiertesten aber was Hollywood zu bieten hat, mag eine Figur, für die er nicht mehr tun müsste als sich "gehen zu lassen", noch so sehr auf dem Leib geschrieben sein, Timberlake würde die Spaßautobahn sogar dann verpassen, wenn es nur eine einzige Auffahrt gäbe. Aber auch hier wird sich der eine oder andere Fan, einzig des Namens willen, ins Kino verirren. Für die einen wird mit Der Love Guru nun das Ende der Fahnenstange für Myers Komödien erreicht sein, für andere wird er sich neu erfunden haben. Auf jeden Fall sollte, wer nicht mit dieser sehr speziellen Art von Humor vertraut ist, sich vorsorgehalber lieber die eine oder andere Myers-DVD vorher zu Gemüte führen. |