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Der schüchterne Schüler Ben wird von seinen Klassenkameraden gequält, bis er die Lebenslust verliert. Wohl fühlt er sich nur in seinem Onlinespiel als furchtloser Krieger. Dort versucht seine Freundin ihn vom Selbstmord abzuhalten, oder doch zumindest einen Freitod zu inszenieren, dass den anderen das Lachen vergeht. Nic Balthazars Preis gekröntes Teenagerdrama Ben X überrascht durch eine intelligente und überaus freche Inszenierung.
Die Welt von Ben (Greg Timmermans) teilt sich in Innen und Außen. Außen, das ist alles außerhalb der vier Wände, wo Fremdes ihn irritiert, Mitschüler ihn terrorisieren und die Welt sich so hart gegen ihn stellt, dass er die Lust am Leben verliert. Innen, das sind seine Gedanken und sein Computer, wo er fleißig dem Online-Fantasyspiel "Archlord" frönt. Darin hat er sogar eine Freundin namens Scarlite (Laura Verlinden), die von seiner Weisheit und seiner Persönlichkeit ganz begeistert ist. Weil die äußere Welt sehr viel größer ist und sehr viel mehr Druck auf den schüchternen und kranken Ben ausübt, kann man verstehen, dass die sich anbahnende Katastrophe nur auf den richtigen Moment wartet. Allerdings hat sie nicht mit der Erfindungsgabe von Ben und Scarlite gerechnet.
Nic Balthazar vermischt für sein freches Teenagerdrama Ben X Psychogramm, Doku-Stil und Komödie. Sein Ziel ist eine ätzende Allegorie für die Folgen von jugendlichen Drangsalierungen und skrupellosen Psychokriegen gegen Hilflose und Außenseiter. Lange rätselt man über Bens Syndrom, ob Autismus, Manische Depression, Neurose oder Schizophrenie, aber Balthazar hält sich bedeckt. Sicher ist nur, dass Ben nicht mit seiner unbarmherzigen Umwelt klar kommt und diese ihn zu ihrem Vergnügen quält.
Letztlich greift Balthazar bei seiner eindrucksvollen Fabel auf die Bibel zurück, wenn er Ben und Scarlite den perfekten Selbstmordplan aushecken und durchführen lässt. Mit einem fantastischen Hauptdarsteller und einer ausgefuchsten Inszenierungsstrategie lässt er die Zuschauer permanent im Unklaren über die Zielrichtung seiner Erzählung. Mit eleganten Wendungen zieht er das Publikum näher an die Figuren heran und steigert die Spannung bis zum etwas überzogenen Finale. Doch das sei dem Filmemacher gegönnt, weil er gleichzeitig seinen Protagonisten virtuos und liebevoll auf der Leinwand glänzen lässt. Kein Wunder, stammt doch auch von ihm die literarische Vorlage - das Jugendbuch "Nichts war alles, was er sagte". Zuletzt begeisterte Nic Balthazars Teenagerdrama Ben X auf den Augsburger Filmtagen, nun darf sich auch der Rest der Republik ein eigenes Bild machen. |