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Zwei Freundinnen entdecken ihre Jugend und das Leben vor dem Hintergrund ständiger Angst, aus Deutschland abgeschoben zu werden. Valentina, Suli und ihre Freundinnen leben zwar seit einem Jahrzehnt in München, aber eine Heimat haben sie deswegen noch nicht. Alexander Riedels preisgekrönte Jugend-Doku Draussen Bleiben beleuchtet auf sensible Art und Weise die Aussichten von Jugendlichen in Deutschland
Bereits auf dem Leipziger Filmfest ehrte man die herausragende Qualität von Alexander Riedels preisgekrönter Jugend-Doku Draussen Bleiben mit dem Preis der Jugendjury. Nun erhielt das Porträt einer Mädchen-Clique aus einer Münchner Flüchtlingsunterkunft den Preis des FilmFernsehFonds Bayern auf dem 23. Münchner Dokumentarfilm-Fest, kurz Dok-Fest.
Darin erzählt Riedel ebenso sensibel wie schonungslos vom Leben der 17-jährigen Kosovarin Valentina und ihrer besten Freundin, der Uigurin Suli, die gemeinsam um die Häuser ziehen, Straßenfußball spielen, sich über Liebe austauschen und, wenn's sein muss, als Mädchen-Gang, "Harras Ladies" genannt, auch mal eine härtere Gangart einschlagen. Nach Prinzessinnenbad beeindruckt dieses Mädchen-Porträt zusätzlich zur sozialen Isolation auch noch den Druck der Duldung. Die Familien in den Flüchtlingsheimen sind nur geduldet und müssen alle drei Monate vorsprechen, um weiterhin in Deutschland bleiben zu dürfen. Asyl oder Bleiberecht wird ihnen verweigert, da sie keinen Job haben. Andererseits kriegen sie auch keinen Job, solange sie nur einen Duldungsvermerk im Pass haben. Bürokratie-Wahnsinn ist nur ein Thema von vielen, das Riedel mit seiner Kamera einfängt. Selbstbewusst bis aggressiv, nachdenklich bis verloren, deprimiert bis ganz normal verrückt und sogar verliebt sind die Mädels und ihre Freundinnen. Die suchen sich trotz permanenter Unsicherheit ihren Weg und schrecken dabei auch nicht vor der Konfrontation zurück. Valentina, seit elf Jahren in Deutschland, spürt die kommenden Veränderungen als erstes, denn sie muss für ein paar Wochen ins Jugendgefängnis wegen "Widerstand gegen die Staatsgewalt". In der Zwischenzeit ist Suli mit ihrer Familie aus dem düsteren Heim in eine kleine Wohnung gezogen, hat einen Job in einer Konditorei bekommen. Als das Frühjahr kommt, ist Valentina mehr denn je auf sich allein gestellt. Aber ihr Optimismus ist ungebrochen.
Selten wuchsen den Zuschauern zwei so taffe Mädchen so schnell ans Herz. Unverfälscht und offen sprechen sie über das Hineinleben in den Tag und ihre totale Ignoranz gegenüber dem Morgen. Ihr Leben im Hier und Jetzt verlangt keine Reflexion der eigenen Situation, auch aus der Gewissheit der Chancenlosigkeit heraus. Ihr ungeniertes Leben dreht sich um dieselben Fragen, Sehnsüchte und Probleme, wie die von gut situierten deutschen Teenagern, nur dass den Mädels nicht einmal die Chance auf Entfaltung gegeben wird. Riedel fängt ihre Lebenswut und ihre Hingabe ebenso ein wie ihre Unfähigkeit zur Reflexion. Trotzdem haben sich diese Mädchen, die laut Regierung eigentlich Draussen Bleiben sollen, ins Leben gestürzt und damit selbst "rein gelassen". Trotz ihres Unruhe-Potenzials muss man ihnen dankbar dafür sein. |