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Auf dem "High-Way to Hell" befinden sich Dale und Saul gleich in mehrfacher Hinsicht: Immer stoned wegen exzessivem Marihuanakonsum und seit neustem durch die Inhalation des Superstoffs mit dem Namen Pineapple Express zu ungeahnten Höhenflügen inspiriert, befinden sie sich auf der Flucht. Killer sind ihnen auf den Fersen und eben dieses Superzeug, das sie sich reinziehen, ist der Kompass, der die Verfolger stets zu ihnen lotst. Eine knallige Komödie im Independent-Style, wenn man es glauben möchte. Doch Glaube allein reicht nicht und diese verdeppert-verquarzte, um Kreierung kultverdächtiger Komik bemühte, Kifferklamotte klaut einem den letzten Nerv. Ein paar Lacher zwischendurch und ein grotesk-beklopptes Finale am Ende, machen den Lebenszeitverlust dann auch nicht mehr wett.
In einem geheimen US-Militärlabor wird während des Kalten Krieges an einer Geheimwaffe geforscht: dem "Superdope" (was wird man wohl damit vorhaben? Die Kampfkraft der Sowjetischen Truppen unterminieren und deren Moral aushöhlen, bis sie alle, inklusive der Parteimitglieder, derart "B R E I T" sind, dass die Amis ohne einen Schuss abzugeben, den Krieg für sich entscheiden?). Doch schon die ersten Tests an einem "Freiwilligen" zeigen, dieses Zeug ist viel zu gefährlich. Es enthemmt völlig und macht unberechenbar. Das Experiment wird gestoppt, das Labor versiegelt und verräterische Spuren "beseitigt".
Ein kleiner Zeitsprung, einige Jahrzehnte sind vergangen: Der dauerbekiffte Dale (Seth Rogen) hat ein Rendezvous mit Dealer Saul (James Franco). Er braucht Nachschub, um seinen Level zu halten und den Abend bei den Eltern seiner 18-jährigen Freundin durchzustehen. Dale behauptet selber 25 zu sein, wenn er sich da mal nicht um ein Jahrzehnt vertan hat. Man quatscht belangloses Zeug und Saul holt eine Portion "Superdope", Pineapple Express genannt, aus der Geheimschublade. Nachdem die beiden ein paar aberwitzig designte Tüten durchgezogen haben, macht sich Dale auf, einen Job zu erledigen: Als Gerichtszusteller überbringt er Vorladungen und heute Abend muss er einem Ted-Sowieso noch einen Besuch abstatten. Saul meint zwar noch, der Typ würde wie der größte Drogenbaron der Stadt heißen, von dem er auch das "krasse Zeug" hat, aber das kann eigentlich nicht sein.
Am Haus seines "Kunden" angekommen (Dale ist immer noch oder schon wieder am Kiffen) wird er Zeuge eines brutalen Mordes, der von einem Unbekannten und einer Polizistin (!) begangen wird. Kurzerhand entscheidet er sich, die Gerichtsvorladung nicht zu überbringen und flieht stattdessen panisch. Dumm nur, dass er gedankenlos seinen Joint fortwirft. Der Stoff ist verräterisch, es gibt nur einen Dealer, der diesen vertickt: Saul. Und damit potenzielle Verfolger es nicht allzu schwer haben ihn aufzuspüren, flieht er auch gleich zu diesem. Trotz bekiffter Birne erkennen sie die Gefahr, in der sie schweben, und fliehen. Von leichter, drogeninduzierter Paranoia begleitet, beginnt eine Kifferodyssee und man hofft, dass endlich der Punk abgeht. Jedes Mal, wenn sich eine aberwitzige Wendung im Plot anbahnt, möchte man aufspringen, in die Hände klatschen und Yeehaw ausrufen, aber schon sinkt man wieder bleischwer und frustriert in den Kinosessel zurück. Es nimmt und nimmt kein Tempo auf. Und Humor ist auch was anderes. Die Dialoge grenzdebil, öde und die Kifferprosa dieser beiden weichgequarzten Superpflaumen hat bereits nach 15 Minuten jeglichen Reiz verloren. Mehr als diese kurze Zeitspanne hätte dieser Antidrogen-Werbespott aus dem Vorschulkindergarten auch an "Ruhm" nicht verdient. Klar, es gibt eine Botschaft: Drogen sind nicht gut fürs Oberstübchen, man verpeilt sein Leben und kriegt nichts geregelt. Wohlwahr, aber man wäre so dankbar, wenn etwas von den Dunstschwaden, die die beiden Haiopaios im Film in die Atmosphäre blasen, vom Zelluloid in den Äther des Kinosaals diffundieren würden und die Stimmung ein wenig heben könnten. Derart angeödet von den verpeilten Gestalten und einer Story, die viel versprechend begann, und eine schräge Symphonie cineastischen Wahnsinns vom Format von Pulp Fiction, Very Bad Things oder Big Nothing wahrscheinlich erscheinen lies, bringen sogar die wenigen, aufs Geratewohl eingestreuten, schrägen Temposequenzen den Puls derart in Wallung, dass man sich beinahe mit dem Streifen versöhnen möchte.
Und das Finale ist aberwitzig. Furios, irre und fulminant, im Vergleich zu dem vorher da gewesenen. Gleich einem Rodeoritt auf dem Rücken einer Riesenschildkröte auf Ecstasy. Wenn man nur nicht gefühlte Stunden (oder waren es Tage) im Filmhausmobiliar kauerte, lauerte, hoffte, bangte und sich nach Erlösung sehnte; Furcht verspürend, die eigene Lebenszeit könne einem wie Flugsand durch die Finger rinnen, und wenn sich die Türen zur Freiheit wieder öffneten und Licht in diese schwärzeste Stunde vor der Dämmerung strömte, lief einem erregt ein Schauer über den Rücken. Einerseits die Freiheit wähnend, anderseits Angst verspürend, es könne soviel Zeit verstrichen sein, dass vor den Türen der Sensemann lauert.
Und dabei wimmelte es vor Gelegenheiten und Szenen, um Kultkino zu schaffen. Stattdessen wird eine neue cineastische Gattung aus der Retorte gehoben: Der naturalistische Kifferklamauk, der möglicherweise genauso und beabsichtigt in Kreisen, die sich um die Spiegelkraft dieses Friedhofs der Kreativität bewusst sind, großen Anklang finden mag oder sogar Kultstatus erreicht. Von den Genrevorbildern gut geklaut und mit etwas Raffinesse variiert, wäre allemal besser gewesen. Ein Film, dessen moralische Botschaft sich auf einen 30-Sekunden Spott subsumieren lässt und dessen komisches Potenzial kaum zu einer beliebigen Episode einer zweitklassigen Comedyserie gereicht hätte, ist, wenn er nur unter Zuhilfenahme von psychedelischen Equilizern zu ertragen ist, kein besonders gelungenes Antidrogenstatement. |