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Julia

(Julia, 2008)

Dt.Start: 19. Juni 2008 Premiere: 9. Februar 2008 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 16 Genre: Thriller
Länge: 144 min Land: Frankreich, Belgien
Darsteller: Tilda Swinton (Julia), Saul Rubinek (Mitch), Kate del Castillo (Elena), Aidan Gould (Tom), Jude Ciccolella (Nick), Bruno Bichir (Diego), Horacio Garcia Rojas (Santos), Kevin Kilner (Johnny), John Bellucci (Phillip), Ezra Buzzington (George), Roger Cudney (Frank), Eugene Byrd (Leon), Carl Dillard (Henry), Camille Natta (Karen), Neko Parham (Ejay)
Regie: Erick Zonca, Camille Natta
Drehbuch: Michael Collins, Camille Natta


Inhalt

Julia ist 40 und Alkoholikerin. Sie ist manipulativ, unzuverlässig, eine notorische Lügnerin. Zwischen Alkohol und gelegentlichen One-Night-Stands schlägt sich Julia mit Gelegenheitsjobs durchs Leben. Als sie die Mexikanerin Elena kennen lernt, bittet diese Julia für Geld darum, ihren Sohn zu entführen. Bewaffnet mit Flachmann und einer Pistole, bringt Julia den Jungen in ihre Gewalt und fordert ein hohes Lösegeld. Doch damit beginnen ihre Probleme erst. Hals über Kopf begibt sie sich auf die Flucht in Richtung Mexico.
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Kritik

Julia hat eine Wertung von 90%
Angetrunken, den entführten neunjährigen Tom auf der Rückbank ihres gestohlenen Autos und von Grenzschutzpolizisten ins Visier ihrer Scheinwerfer genommen, rast Julia eines Nachts durch den Grenzzaun, der die USA von Mexiko trennt. Erick Zoncas Film Julia zeigt eine Frau, die auf der Flucht vor dem eigenen Untergang immer tiefer in die Ausweglosigkeit gerät. Ein Film in atemlosem Tempo, der vor allem durch die schier unbegrenzten schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptdarstellerin Tilda Swinton besteht.

Bild aus Julia Julia (Tilda Swinton) ist am Ende - sie ist 40 Jahre alt, rothaarig und gutaussehend. Und sie ist Alkoholikerin. Immer weiter gleitet ihr das Leben aus den Händen. Jeden Morgen wacht sie mit dem schalen Geschmack einer Nacht voller Alkohol im Bett eines Unbekannten auf, unfähig sich an Details zu erinnern. Julia steht mit ihrem Leben am Abgrund und gesteht es sich nicht ein. Auch als sie ihren Job verliert tritt sie noch selbstbewusst auf. So selbstbewusst wie jemand, der nichts mehr zu verlieren hat. Vom Leben in die Enge getrieben, reagiert sie wie ein wildes Tier und greift an. Von ihrer Nachbarin Elena (Kate de Castillo) überredet, entführt sie den neunjährigen Tom (Aidan Gold) und verlangt Lösegeld von dessen reichen Großvater. Es folgt eine Odyssee durch die Wüste bis nach Mexiko. Tom und Julia werden zu einem ungewöhnlichen Gespann - zunächst skrupellos ihre finanziellen Interessen verfolgend behandelt Julia das Kind wie eine Sache. Später stellt sich heraus: Tom ist kein hilfloses Entführungsopfer, er kann Julia an Abgebrühtheit und Härte durchaus das Wasser reichen. Sie sieht sich mit einem Kind konfrontiert, zu dem sie durch diese Ähnlichkeit eine Verbindung herstellen kann.

Äußerlich emotionslos, innerlich getrieben von der Angst die Kontrolle über das eigene Leben vollkommen zu verlieren, erweitert Julia die Grenzen des eigenen Handelns immer mehr. So trifft sie auf Menschen deren Härte ihrer um nichts nachsteht. Erick Zonca inszeniert die Geschichte einer Frau, die dem Untergang geweiht ist und diesen Untergang nicht kampflos hinnehmen will. Geschickt erzählt er, wie sich die Schlinge immer enger um Julias Hals legt. Zonca führt so tief in das Leben der Protagonistin hinein, dass selbst ein Mord, den Julia wie nebenbei begeht, als eine plausible Reaktion erscheint.

Julia besticht vor allem durch die facettenreiche Schauspielkunst von Tilda Swinton. Die Oskar- Preisträgerin spielt die Julia äußerlich hart und skrupellos. Als eine Frau, der man anmerkt, dass es unter der Oberfläche brodelt. Dass dort Angst ist und Wut. Die Unsicherheit und die ständige Unruhe der Protagonistin werden in den Bildern gut zum Ausdruck gebracht. Oft mit der Handkamera gefilmt, sieht der Zuschauer durch den subjektiven, hektischen Blick Julias eine Welt, die zum großen Teil aus Flucht und dem Parieren von Angriffen besteht.

Dieser Film ist weder bloßer Thriller, noch Psychodrama - Erick Zonca beobachtet eine Frau im Ausnahmezustand ohne diesen Zustand zu analysieren oder zu bewerten. Und das tut er so genau, so packend und so lebensnah, dass man zuweilen das Gefühl hat, man sitzt neben Julia auf dem Beifahrersitz ihres geklauten Autos und rast über die Grenze nach Mexiko.

von Corinna Mehlert


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Dt. Start: 12. Juli 2001
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