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Young at Heart

(Young at Heart, 2007)

Dt.Start: 02. Oktober 2008
DVD: 02. März 2009
Premiere: Juli 2007 (Los Angeles Film Festival, USA)
FSK: ab 6 Genre: Dokumentation
Länge: 109 min Land: UK
Darsteller: Jim Armenti, William E. Arnold Jr., Joe Benoit, Helen Boston, Louise Canady, Bob Cilman, Elaine Fligman, Jean Florio, Len Fontaine, Stan Goldman, Eileen Hall, Jeanne Hatch, Christopher Haynes, Frederick Alexander Johnson, Donald Jones, Fred Knittle, Norma Landry, John Larareo, Patricia Larese, Miriam Leader, Patricia Linderme, Brock Lynch, Steve Martin, Joseph Mitchell, Dora B. Morrow, Gloria Parker, Liria Petrides, Ed Rehor, Bob Salvini, Steven M. Sanderson, Jack Schnepp, Janice St. Laurence, Ed Wise
Regie: Stephen Walker
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Der "typische" Rentner sitzt gemütlich in einem Schaukelstuhl oder geht im Park spazieren. Aber nicht, wenn er zum Chor Young at Heart in Northampton gehört. Das Durchschnittsalter dieses ungewöhnlichen Ensembles liegt bei knapp über 70 Jahren und sie performen Rock und Pop Songs unter anderem von James Brown. Gerade befinden sie sich in den letzten Zügen ihrer Proben und Vorbereitungen für einen Auftritt in ihrer Heimatstadt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Young at Heart hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 95%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Young at Heart hat eine Wertung von 95%
Musik kommt vom Herzen, ist ein Gefühl, verbindet, baut Brücken zwischen Menschen, verschiedenen Kulturen und Generationen. Sie kann Grenzen überwinden und besitzt Heilkräfte. 1982 gründete Bob Cilman den Young@Heart-Chor, einen Chor für Menschen über 60 Jahre, der es inzwischen in den ganzen USA und auch in Europa zu Ruhm gebracht hat. Zu Beginn trug der Chor Stücke aus den 20ern und 30ern vor. Damit konnten die älteren Damen und Herren etwas anfangen. Das ist ihre Musik, damit waren sie groß geworden. Eines Tages entschied Cilman etwas Neues zu wagen. Er probierte ein paar Rocksongs aus. Das Publikum überschlug sich vor Begeisterung und die Oldies rockten die Bühne. Seither tritt der Chor nur noch mit Klassikern aus Pop, Rock, Soul, Funk und Punk auf. Young at Heart ist eine bewegende Dokumentation. Eine Ode an das Leben. Mutig, ehrlich, ungeschminkt, ungekünstelt. Ein Muss!

Bild aus Young at Heart Sie hat zwei Weltkriege erlebt: Die 93-jährige Eileen Hall tritt auf die Bühne und singt ihr Solo von Should I stay or Should I go in ihrer höchst einzigartigen Interpretation. Geschmacklos, zynisch? Im Gegenteil, voller Lebensbejahung! Das Durchschnittsalter im Chor liegt bei über 70 Jahren. Chorleiter Bob Cilman ist in den 50ern, ein junger Hüpfer. Er bereitet "seinen Chor" derzeit auf einen Auftritt in ihrer Heimatstadt Northampton vor. Das Programm enthält einige neue Stücke und nicht alle Chormitglieder können wirklich viel mit eigenwilligen Rock- und Punksongtexten anfangen. James Browns I Feel Good ist da eines der leichteren Stücke. Der 75-jährige, an Wirbelsäulenstenose leidende, Stan Goldman soll diesen Song gemeinsam mit Dora Morrow, einer 83-jährigen Urgroßmutter, als Duett vortragen. Dumm nur, dass er sich den Text nicht richtig merken kann, Chorleiter und Chor zum Wahnsinn treibt. Bis zum Auftritt wird sich daran nichts ändern. Stan wird den Song immer an derselben Stelle verhauen - who cares?

Diese Damen und Herren waren schon lange auf der Welt bevor diese, allseits bekannten, "Kultsongs" geschrieben wurden. Sie haben in Kriegen gekämpft, wie der 86-jährige Lenny Fontaine, der im II. Weltkrieg Kampfpilot war und dessen Version von Jimi Hendrix Purple Haze das Publikum jedes Mal umhaut. Oder der 78-jährige Ex-Marine Steve Martin, den seine Frau liebevoll als Sexmonster bezeichnet, der immer noch begeistert Sportcabrios fährt und mit einer abgefahrenen Interpretation von Yes We Can Can aufwartet. Soviel Lebenswillen und Mut sah man selten zuvor an einem Fleck versammelt. Ein Platz der Hoffnung und der Inspiration - nicht ohne Schatten. Die meisten der Chormitglieder haben ihre besten Tage hinter sich. Das ist jedem klar. Und obwohl ihr Licht immer noch strahlend hell zu brennen scheint, kann es unvermittelt schnell zu flackern beginnen.

Der charismatischste Sänger des Chors Fred Knittle erlitt vor acht Jahren einen Herzinfarkt. Fünf Beipässe, die Ärzte attestierten ihm nur noch eine kurze Lebenserwartung. Er lebt immer noch. Im Chor singen kann er allerdings nicht mehr. Um richtig Atmen zu können, braucht er einen Sauerstoffapparat. Für einen Auftritt, zu Gedenken an zwei ehemalige Chormitglieder, kehrt er noch einmal zurück und singt Coldplays Fix You. Denkwürdig und ergreifend. Selten wurden derart sensibel menschliche Portraits gezeichnet. Authentisch jede Stimmung eingefangen, begleitend, dokumentierend, niemals idealisierend. In einem von mephistotelischen Jugendwahn beseelten Zeitgeist ist Young at Heart die überaus lebendige Antithese. Und wenn die Zeit abläuft, ist das einfach so. Trauer- und Bewältigungsarbeit erfolgen durch die Musik. Selbst als essentielle Solisten durch Krankheit und Tod ausfallen, entschließen sich die anderen weiterzumachen - jetzt erst recht. Durch ihr Weitermachen und die Vollendung der Aufgabe ehren sie die Verstorbenen.

Gelegentlich wird der rein dokumentarische Charakter, mit eigens für diesen Film produzierten Videoclips, durchbrochen. Die Tour zu einem Auftritt im Bandbus paart sich kultverdächtig mit dem Talking Heads Song Road to Nowhere und alle anderen Stücke erhalten ebenso diesen Status. Es ist einfach ein Hammer von dieser Truppe Interpretationen von Forever Young oder Stayin'Alive erleben zu dürfen. Wer wird hier durch wen geehrt? Der Interpret durch den Song oder vielmehr der Song durch diesen besonderen Interpreten.

Diese Doku ist ein Stück meisterlicher und grundehrlicher journalistischer Arbeit. Echt und unaufdringlich erzählen diese Menschen, was sie antreibt, welche ihre Beziehung zur Musik ist, was sie für sie bedeutet, was sie über das Leben, die Liebe, Sex und den Tod denken. Wie sie fühlen, was sie sich für die Zukunft wünschen. Mit schier unglaublicher Energie und Hingabe gehen sie ihre Aufgabe an. Sind selbst im Verlust und in tiefer Trauer ein Vorbild in Würde und Haltung und verlieren nie ihren Humor. Young at Heart ist ein herzergreifendes Bild vom Leben, manchmal eigentümlich skurril und für manche sind die ausgewählten Stücke, wie I Wanna Be Sedated von den Ramones, möglicherweise an der Grenze zu Geschmacklosigkeit. "Wie können DIE so was tun?" Darauf gibt es nur eine Antwort: Yes We Can Can. Young at Heart, mehr davon - Let it Rock!



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