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Frontier(s)

(Frontière(s), 2007)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 1. Juli 2007 (Festival, Frankreich)
FSK: ab 18 Genre: Horror
Länge: 105 min Land: Frankreich
Darsteller: Karina Testa (Yasmine), Aurélien Wiik (Alex), Patrick Ligardes (Karl), David Saracino (Tom), Maud Forget (Eva), Samuel Le Bihan (Goetz), Chems Dahmani (Farid), Amélie Daure (Klaudia), Estelle Lefébure (Gilberte)
Regie: Xavier Gens
Drehbuch: Xavier Gens


Inhalt

Während tumultartiger Unruhen in Paris nach einer Wahl, muss eine Gruppe junger Diebe vor der Polizei flüchten und gelangt schließlich in eine nahe gelegene Herberge. Doch sie ahnen nicht, was ihnen das für Probleme bringen wird. Diese Herberge wird von radikalen Neo-Nazis geführt, die liebend gerne mit ihren Opfern spielen bevor sie sie töten.
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Kritik

Frontier(s) hat eine Wertung von 76%
Heute auf der Speisekarte: Ein Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre-Auflauf a la Francaise aus dem Jahre 2007 mit einer kleinen Prise Hostel und The Descent - Abgrund des Grauens. Das Fleisch wird sehr saignant angerichtet, wie es sich für eine solche Schlachtplatte auch gehört. Le Chef - Xavier Gens - hat sich zwar für ein sehr klassisches Gericht ohne besondere Innovationen entschieden, doch er serviert es mit so viel Liebe zubereitet, wie nur wenige Köche zuvor. Bon appétit!

Bild aus Frontier(s) Kurz bevor Xavier Gens das Videospiel Hitman - Jeder stirbt alleine verfilmte, machte er sich daran, sein eigenes Drehbuch namens Frontier(s) zu inszenieren. Durchgehend mit unbekannten Gesichtern besetzt, präsentiert sich der Streifen als extrem brutales Schlachtfest mit wenig innovativer Story. Im Grunde handelt es sich um Texas Chainsaw Massacre im Französisch-Belgischen Grenzbereich, wo eine inzestuöse und kannibalistische Familie ihr gleichzeitig neofaschistisches Unwesen treibt. Ein paar Pariser Krawallmacher, welche gerade von den in der Banlieue stattfindenden Unruhen profitiert und viel Geld gestohlen haben, befinden sich auf der Flucht (schliesslich haben sie die Polizei beschossen) und machen, wie kann es auch anders sein, genau im von jener psychopathischen Familie geführten (im wahrsten Sinne des Wortes) Motel einen Zwischenstopp. Es dauert nicht lange, und schon werden die ersten Opfer zum Verzehr vorbereitet, und für den Rest lautet die Devise nur noch: Überleben!

Frontier(s) besticht durch einen gelungenen, leicht dreckigen Look, welcher sich vor allem in den Sets zeigt. Das Bild ist dafür wieder auf Hochglanz poliert, damit man schon alleine aufgrund der Ansicht eines Schweinestalls ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bekommt. Diese Darstellungsweise, und die Tatsache dass Xavier Gens genau dort gnadenlos draufhält, wo Eli Roth und Michael Bay - beziehungsweise Marcus Nispel - nur sehr zaghaft Bilder gezeigt haben, sorgt immer wieder für ein angeekeltes oder schmerzhaft verzerrtes Gesicht beim Zuschauer, und somit auch für ein grosses Filmvergnügen innerhalb dieses harten Genres. Als Zugabe gibt es auch noch eine sehr klaustrophobische Szene, welche sich nicht hinter ihrem offensichtlichen Vorbild aus The Descent - Abgrund des Grauens verstecken muss. Interessant ist bei der ganzen Angelegenheit jedoch vor allem, dass man von Anfang an eigentlich keine große Sympathie für diese Gruppe von jugendlichen Straftätern verspürt, da sie selbst mit einer gewissen Kaltblütigkeit gegen die Pariser Ordnungshüter vorgegangen sind. Trotzdem hat man aber im Verlauf des Films immer mehr Mitleid mit Ihnen, denn was man in Frontier(s) zu sehen bekommt, wünscht man auch seinen ärgsten Feinden nicht.

Nun kann man Xavier Gens vorwerfen, er würde sich lediglich bei anderen Werken bedienen und einfach alles kopieren, was irgendwo schon mal gut funktioniert hat. Ja, das könnte man wirklich tun, allerdings ist es ihm dabei auch gelungen dem größten dieser Vorbilder zu zeigen, wie man es richtig macht: Frontier(s) ist der Film welcher jedes Texas Chainsaw Massacre-Remake hätte sein sollen, oder wohl auch gerne gewesen wäre. Hier geht es nicht um Heldentum und Sieg über das Böse sondern es geht nur darum lebendig aus dieser Hölle zu entkommen...was sich allerdings als erwartet schwierig herausstellt. Somit hat man es zwar wirklich mit keiner sehr innovativen Story zu tun, aber trotzdem wird man von dem Film sehr heftig mitgerissen. Und genau darum geht es hier schließlich auch. Trotz allem Abschreiben ließ es sich der Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion aber nicht nehmen, ein paar kleine, neue Ideen einzustreuen, welche auch hin und wieder etwas Situations-Komik mit sich bringen und den Film immer wieder auf willkommene Weise auflockern. Das Verhalten der Nazi-Familie ist dabei zwar punktuell mit Klischees beladen - so wollen sie offenbar eine Rasse des reinen Blutes erschaffen - doch auch das kommt irgendwie der unruhigen Stimmung zugute. Das Gleiche lässt sich auch über das Darsteller-Ensemble sagen, welches - mit wenigen, kleinen Abstrichen - durchgehend überzeugt. Es ist schwer irgendjemanden hervorzuheben ohne zu verraten wer sehr lange durchhalten wird, weswegen an dieser Stelle darauf verzichtet wird.

Eigentlich hätte der Film als einer der 8 Films To Die For auf dem After Dark Horrorfest gezeigt werden sollen, doch war er der Amerikanischen Rating-Agentur MPAA zu hart, und geschnitten sollte er nicht dem Publikum gezeigt werden. Inzwischen gibt es Frontier(s) in den Vereinigten Staaten in seiner ursprünglichen Fassung auf DVD und man kann nur hoffen, dass es diese Version auch in die hiesigen Videotheken schaffen wird, denn Frankreich hat uns nach High Tension und Inside wieder einen würdigen und sehr sehenswerten Genre-Vertreter beschert. Es ist angerichtet!

von Kurt Meinicke


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