Ein Sommer in New York - The Visitor Poster

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Ein Sommer in New York - The Visitor

(The Visitor, 2007)

Dt.Start: 14. Januar 2010 Premiere: 07. September 2007 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: nicht bekannt Genre: Drama
Länge: 103 min Land: USA
Darsteller: Richard Jenkins (Walter Vale), Haaz Sleiman (Tarek Khalil), Danai Jekesai Gurira (Zainab), Hiam Abbass (Mouna Khalil), Marian Seldes (Barbara), Maggie Moore (Karen), Michael Cumpsty (Charles), Bill McHenry (Darin), Richard Kind (Jacob), Tzahi Moskovitz (Zev), Amir Arison (Mr. Shah), Neal Lerner (Martin Revere), Waleed Zuaiter (Omar)
Regie: Thomas McCarthy
Drehbuch: Thomas McCarthy


Inhalt

Als der ausgebrannte Professor Walter Vale nach langer Abwesenheit in sein Apartment in Manhattan zurückkehrt, findet er dort unerwartet das Pärchen Zainab und Tarek vor. Der Syrier und die Senegalesin sind Opfer eines Immobilienbetrugs geworden und haben daher keine andere Bleibe. Nachdem ihnen Walter gestattet in der Wohnung zu blieben, will sich Tarek erkenntlich zeigen und bringt dem Professor das Spielen auf einer afrikanischen Trommel bei. Durch das Spiel findet Walter wieder neue Lebensfreude und entdeckt seine verloren geglaubte Kreativität neu. Als Tarek jedoch eines Tages wegen illegalen Aufenthalts in den USA festgenommen wird, muss Walter seine Lebensfreude in Taten umsetzen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Ein Sommer in New York - The Visitor hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Ein Sommer in New York - The Visitor hat eine Wertung von 75%
Es ist nicht lange her, da erklärte das mächtigste Land auf Erden, nachdem es heimtückisch angegriffen wurde, dem Terrorismus den Krieg. Schnell waren die Schuldigen und die zugehörigen Schurkenstaaten ausgemacht. Wer aus solch einem Land stammt, war auf einmal mit einem Makel versehen. Ganz unterschwellig erarbeitet sich Ein Sommer in New York - The Visitor diese Motive und thematisiert damit das amerikanische Trauma auf eine stille, berührende Weise, die um eine besondere Romanze bereichert wird. Feinsinnig inszeniertes Independant-Kino, das sowohl mit einem poetischen Takt aufwartet, als auch eine politische Dimension enthält.

Bild aus Ein Sommer in New York - The Visitor Nach dem Anschlag vom 11. September 2001 hat sich die USA sehr verändert: Jeder Moslem ist ein potenzieller Terrorist, die Einwanderung, insbesondere aus solchen Ländern, welche "Selbstmordattentäter produzieren", wurde massiv erschwert - und abgeschoben wird rigoros. In diesem neuen Amerika lebt auch Walter Vale (Richard Jenkins), ein ehemals hochkarätiger Wirtschaftsprofessor, der sich aber, seit dem Tod seiner Frau vor fünf Jahren, in sich zurückgezogen hat und die meiste Zeit ziellos durch sein sinnentleertes Leben in einem Vorort von Connecticut wandelt.

Eines Tages muss er zu einer Konferenz nach New York, um eine krankgewordene Kollegin zu vertreten. Sein Apartment dort hat er seit dem Tod seiner Frau nicht mehr aufgesucht. Kaum angekommen, läuft er auch schon einem fremden Pärchen in die Arme, dem man seinen Zweitwohnsitz illegal "untervermietet" hat. Nach einer kurzen Konfrontation, während die beiden den Professor für einen Eindringling halten, klärt sich alles und das Paar packt die Koffer. Als Walter merkt, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wo sie sonst unterkommen können, bietet er ihnen an, erstmal weiter bei ihm zu wohnen. Der Syrier Tarek (Haaz Sleiman) und seine senegalesische Frau Zainab (Danai Gurira) befinden sich ohne Aufenthaltserlaubnis in den USA. Tarek ist Drummer und musiziert auf traditionellen afrikanischen Trommeln, und Zainab verkauft auf Flohmärkten in Handarbeit hergestellten Schmuck.

Das Zusammensein der drei wird anfänglich von gegenseitigem Misstrauen begleitet, aber Walter und Tarek freunden sich rasch an. Walters verstorbene Frau war ebenfalls Musikerin; eine angesehene Pianistin, und seit deren Tod hat er verzweifelt versucht, Klavierspielen zu lernen, mangels Talent aber wieder aufgegeben. Die Rhythmen der afrikanischen Trommeln ziehen ihn aber von Beginn an in ihren Bann. Und in Tarek findet er auch einen willigen Lehrer. Übers Trommeln entwickeln so die beiden eine ganz besondere Beziehung, die völlig losgelöst von den Konventionen sozialer Herkunft, Bildungsstand, Abstammung, Religion und Kultur ist. Die Musik verbindet und schafft Brücken zwischen Menschen, die sich sonst wahrscheinlich im Leben komplett ignoriert hätten. Doch der Umstand, dass sich Tarek und Zainab illegal im Land aufhalten, zieht Konsequenzen nach sich: Tarek wird eines Tages in der U-Bahn verhaftet und in Abschiebehaft genommen. Walter versucht zwar alles, um ihm zu helfen, läuft aber gegen bürokratische Mauern. Und als plötzlich auch noch Tareks Mutter Mouna (Hiam Abass) auftaucht, kompliziert sich die Situation zusätzlich.

Ein Sommer in New York - The Visitor ist eine stille und berührend erzählte Geschichte von Menschen, die trotz großer Unterschiedlichkeit irgendwie zueinander finden. Unaufgeregt wird in diesem Independent-Drama aber auch Kritik an der amerikanischen Seele geübt, deren Wunden seit dem 9/11-Trauma noch lange nicht verheilt sind. Die Musik ist es hier, welche Brücken zwischen den Welten schlägt und ermöglicht, dass sich diese Menschen ohne Voreingenommenheit begegnen und im Gegenüber zuallererst das Wesentliche erkennen. Hier bewahrheitet sich der alte Spruch: Nicht mit den Augen, nur mit dem Herzen sieht man richtig.

Besonders berührend gestaltet sich vor allem das Näherkommen zwischen Walter und Mouna. Beinahe brüchig wirkt Walter, den der Tod seiner Frau sichtlich mitgenommen hat, und Mouna ist (allein schon kulturell bedingt) ganz anders als eine "westliche Frau": Gleichzeitig zurückhaltender und spröder, doch ebenso aufmerksamer und fürsorglicher. Ebenso wie die Musik im Film regelrecht "Klebstoff" zwischen den Menschen ist, steht die sich entwickelnde Romanze zwischen Walter und Mouna für den Brückenschlag zwischen Kulturen, die sich gelernt haben zu misstrauen und im Gegenüber womöglich sogar "den Feind" zu sehen.

Ein Sommer in New York - The Visitor ist aber keine Geschichte, die in ihrer Entwicklung immer komplett logisch wirkt; warum sollte man zwei wildfremde Menschen mir-nichts-dir-nichts bei sich aufnehmen? Sicher, es ist eine großherzige Geste, aber in einem Land, das an mehr als latenter Paranoia leidet, sehr atypisch. Doch solche Ungereimtheiten sind gewissermaßen der Motor, der die Geschichte vorantreibt. Es ist wie bei der Poesie: auch dort ist nicht jede Satzkonstruktion zwangsläufig grammatisch korrekt, klingt aber in dieser Unkorrektheit oftmals besser. Und genau derselbe poetische Takt bestimmt auch den Rhythmus dieser Erzählung: dieser gelingt es somit, Motiven, die oft genug stereotyp verarbeitet wurden, frei von Kitsch, stumpfen Schemata und Vorurteilen ganz neue Blickwinkel abzugewinnen.



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