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In Platoon zieht Oliver Stone mit dem Vietnamkrieg hart ins Gericht und zeigt ihn in seiner ungeschönten, menschenverachtenden Grausamkeit. Dabei gelingt es ihm, ein sehr realistisches Bild des Kampfes an der Front zu zeichnen und sich ohne unnötige Melodramatik oder unpassenden Patriotismus sachlich mit diesem amerikanischen Trauma auseinander zu setzen. Platoon ist mit Sicherheit einer der besten und wichtigsten Kriegsfilme.
Oliver Stone, der selbst von April 1967 bis November 1968 in Vietnam an der Front kämpfte und dabei zweimal verwundet wurde, verarbeitete seine Erlebnisse filmisch in seiner Vietnamtrilogie. So drehte er 1986 Platoon, 1989 den mit zwei Oscars ausgezeichneten Geboren am 4. Juli und vier Jahre später Zwischen Himmel und Hölle. Platoon ist dabei der mit Abstand populärste der drei Filme. Bei der Oscarverleihung gewann er gleich in vier Kategorien: Bester Film, beste Regie, bester Schnitt und bester Ton, sicherlich nicht zu unrecht. Dennoch sind seit jeher Kritiker geteilter Meinung. Wurde er von den Einen als überragender, realistischer Kriegsfilm gefeiert, sahen ihn Andere als platte Story, die vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs erzählt wird und die amerikanischen Soldaten heroisiert.
Doch das Bild, das Oliver Stone von den amerikanischen Truppen zeichnet, ist durchaus kritisch. Die Stimmung in den einzelnen Gruppen ist auf dem Nullpunkt. Der Krieg hat auf die Persönlichkeiten der Soldaten die unterschiedlichsten Auswirkungen. Auf der einen Seite sind die, die auch nach langer Zeit im Kampf ihre Menschlichkeit nicht verloren haben, und auf der anderen die, deren Sinn für Recht und Unrecht dem Krieg zum Opfer gefallen ist. Vom Menschenfreund bis zum Sadisten sind alle Charaktere vertreten. Doch im Chaos um sie herum verlieren selbst die "Guten" die Nerven und lassen sich mitreißen, dennoch schimmert bei den Meisten insgesamt immer noch etwas Menschlichkeit durch. Abgesehen von Sgt. Bob Barnes (Großartig gespielt von Tom Berenger, Order of Redemption). Leider wirkt diese Figur im Gegensatz zu den sonst so wirklich erscheinenden anderen Charakteren ein wenig überzeichnet böse. Er hat nichts Gutes mehr in sich, jede Menschlichkeit und Fähigkeit zur Empathie ist durch die Grausamkeit des Krieges in ihm gestorben. Doch die Boshaftigkeit und Brutalität scheint in seiner Natur zu liegen. Er ist ein Sadist, der eigentlich keinen Krieg braucht, um zu töten, aber seine Macht, die er in ihm hat, sichtlich genießt und ausschöpft. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob ein derartig, von Grund auf böser, diabolisch blickender Mensch dem ansonsten realistisch beeindruckenden Film nicht im Wege steht. So ist er der Motor einer Geschichte, die sich vielmehr mit grundlegenden zwischenmenschlichen Konflikten beschäftigt, als mit dem Krieg selbst. Im Gesamteindruck funktioniert die Story dann allerdings reibungslos.
Stone äußert sich wie gewohnt kritisch über die amerikanische Kriegspolitik und stellt sie von der Opferseite dar, wobei er das Leid auf der vietnamesischen und der amerikanischen Seite zeigt. Vorrangig natürlich jedoch aus der Sicht der amerikanischen Soldaten. Mit der vietnamesischen Seite beschäftigte sich Oliver Stone noch einmal ganz gezielt in Zwischen Himmel und Hölle. Stone stellt den Krieg als sinnlosen Kampf ohne Sieger dar. Besonders wichtig war es ihm dabei die Verluste auch auf Seiten der vietnamesischen Zivilbevölkerung zu zeigen. Tatsächlich war der Vietnamkrieg vor allem ein Krieg der Amerikaner gegen die vietnamesische Bevölkerung, denn von den drei Millionen Todesopfern, die der Krieg forderte, waren zwei Millionen Zivilisten, hinzu kamen unzählige Verletzte. Doch Stone gibt sich nicht nur mit dem eigentlich vordergründigen Kriegsgeschehen zufrieden. Es geht ihm vielmehr um die amerikanischen Soldaten als Spiegel der Gesellschaft. Er bringt Probleme wie Rassismus oder die soziale Kluft zwischen arm und reich ins Spiel und lässt sie geschickt auf seine Charaktere einwirken. Dabei läuft er zwar ein wenig Gefahr sich bei einer Spielzeit von nicht ganz zwei Stunden mit Kritik ein wenig zu übernehmen, doch glücklicherweise verliert er zu keinem Zeitpunkt die Hauptaussage aus den Augen.
Charlie Sheen, für den die Hauptrolle in Platoon den endgültigen Durchbruch bedeutete, macht seine Sache dabei wirklich gut, wobei er sich wohl ewig den Vergleich mit seinem Vater, der 1979 die Hauptrolle in Coppolas Apocalypse Now spielte, gefallen lassen muss. Ein wenig problematisch ist Charlie Sheen in der Hauptrolle allerdings dann schon, schließlich wurde er später besonders durch seine Rollen in Komödien wie Hot Shots berühmt, sodass man ihn im Nachhinein unwillkürlich immer ein wenig mit dem Spaßmacher assoziiert. Mit ähnlicher Verwunderung sieht man dann aber auch John C. McGinley (Born to be Wild - saumäßig unterwegs), den die Meisten als Dr. Percival Ulysses "Perry" Cox aus der Krankenhaus-Comedyserie Scrubs kennen werden. Doch auch dieser stellt sein schauspielerisches Talent wie in unzähligen anderen großen Produktionen unter Beweis und überzeugt in seiner Rolle ebenso wie der immer wieder geniale Willem Defoe (Der blutige Pfad Gottes). In einem kleinen Cameo-Auftritt ist auch Oliver Stone selbst als Offizier zu sehen. Außerdem geben sich der damals noch relativ unbekannte Johnny Depp (Sweeney Todd) und Forest Whitaker (8 Blickwinkel) die Ehre.
Platoon ist ein zeitloser Klassiker, einer der wichtigsten Kriegsfilme und mit Sicherheit auch einer der besten und wichtigsten Filme Oliver Stones. Dennoch kann man über die erzählte Geschichte und die Darstellung einzelner Charaktere geteilter Meinung sein. |