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Auf die Rückkehr von Daniel Craig im Auftrag Ihrer Majestät haben die Fans lange gewartet. Marc Forster, Regisseur von Drachenläufer und Monster's Ball, übrigens geboren in Ulm und aufgewachsen in der Schweiz, übernimmt den Staffelstab von Martin Campbell, der vor Casino Royale bereits GoldenEye gedreht hatte. Der überaus gelungene Agententhriller mit massivem Actionanteil poliert die Bond-Reihe für das Filmverständnis der heutigen Gesellschaft ordentlich auf.
Das aktuelle Bond-Abenteuer schließt nahtlos an Casino Royale an und beginnt sofort mit einer heftigen Verfolgungsjagd. Diese endet natürlich im Sinne Bonds, der sich daraufhin im italienischen Siena zusammen mit M persönlich dem Verhör des frisch festgenommenen Mr. White widmet, um unter anderem hinter die Gründe für Vespers Tod zu kommen. Das Verhör endet mit einer Überraschung, die beweist, dass die mysteriöse Organisation Quantum, zu der Mr. White gehört, wesentlich größer ist als befürchtet, und vor allem in den Institutionen der Welt wesentlich fester installiert zu sein scheint.
Ein gewisser Dominic Greene spielt offenbar eine tragende Rolle in dieser Organisation, denn der schmächtige Mann ist in der Lage, ganze Regierungen zu kaufen und so in deren Hintergrund als Drahtzieher zu agieren. Derzeit bereitet die Organisation einen Regierungsputsch in Bolivien vor, um den bolivianischen Ex- General Medrano als Präsidenten einzusetzen. Als Gegenleistung fordert Greene ein großes Stück Wüste, zur geheimnisvollen Nutzung allein für seine Organisation. Nach außen gibt Greene jedoch den besorgten Umweltschützer, der mit seinem Unternehmen Greene Planet nur Gutes tun will.
Bei der Suche nach Greene kreuzen sich Bonds Wege immer wieder mit denen Camilles, einer junge Frau mit einer hässlichen Brandnarbe am Rücken, die ein ganz eigenes Ziel verfolgt. Nach anfänglichen Missverständnissen - in Gegenwart von Geheimagenten stets eine brandgefährliche Angelegenheit - bilden die beiden eine Art Zweckgemeinschaft, um ihre Ziele, die sich als annähernd deckungsgleich herausstellen, zu verfolgen. Leider sieht es für den heimatlichen MI6 nicht mehr so aus, als ob der scheinbar von Rachedurst getriebene Bond noch unter Kontrolle ist. Daher muss der Agent völlig ohne Geld, Kreditkarten und Gadgets aller Art auskommen und ist sogar zur Fahndung ausgeschrieben. Doch Bonds aufkeimende Bekanntschaft mit Felix Leiter vom CIA und eine nicht enden wollende Schar fantastisch aussehender junger Frauen sorgen wenigstens für etwas seelisches Gleichgewicht.
Der explosive Showdown findet statt in einem ökologisch betriebenen Hotel in der Wüste, der Film endet mit einem herrlich satirischen Seitenhieb nicht nur auf den Antagonisten, sondern auch auf die aktuelle Weltwirtschaft.
James Bond ist tot, es lebe James Bond! Das Bond-Franchise erlebt seit dem Prequel Casino Royale ganz klar eine Renaissance in völlig neuer Form. Dieses Doppelabenteuer in Verbindung mit Ein Quantum Trost darf gleich dem frisch erworbenen Doppel-Null-Status des jungen Agenten als gelungener Auftakt gewertet werden. Die meisten James Bond-Filme der Vergangenheit werden natürlich immerfort unantastbare Kultklassiker bleiben, doch könnte man Agentenfilme in den heutigen Zeiten keinesfalls mehr auf diese Weise drehen. Zum einen ist das Publikum viel verwöhnter als früher: Da braucht es schon mehr als einen Hut mit tödlicher Krempe oder einen Schuh mit Stachel, um die Zuschauer hinter dem Ofen hervorzulocken. Und zum anderen ging es im Grunde weitgehend nur um die nationalen Interessen Englands, eine inkompatible Einstellung zur heraufziehenden globalen Gesellschaft.
Ein außerdem besonders interessanter Aspekt der Neuverfilmung ist der emotionale, charakterstarke Hintergrund der Figuren: Man sieht Bond deutlich an, dass er ein junger Agent ist, der noch vor relativ kurzer Zeit durch eine ziemlich harte Schule gegangen sein muss. Noch hat er sein Agenten-Ich nicht ganz gefunden, so kommt zum Beispiel in diesem Film keinerlei "Wodka Martini, geschüttelt und nicht gerührt" vor, auch gibt es eine Erwähnung von Bonds Mutter. Starke Emotionen (für einen Mann jedenfalls), besonders Rachedurst für Vepser, sind in diesem jungen Agenten deutlich erkennbar. Der Vorgang des Abbrühens ist für diesen Bond also noch lange nicht erledigt. Während der alte Bond, am ehesten natürlich Sean Connery, im Grunde nur eine gewissenlose Liebes- und Tötungsmaschine war, eine Art zielsuchende Rakete, ein Agent, der wahrscheinlich noch unter Folter die Existenz seiner Mutter verleugnet hätte, wird in der Neuauflage deutlich stärker Wert auf eine charismatische, menschliche und damit dritte Dimension der Figuren gelegt.
Optisch ist der Film natürlich ein Meisterwerk des Actiongenres, hier stimmt einfach alles. Die ungewöhnlich kurze Spielzeit des Films fällt nicht weiter auf, im Gegenteil: Das Publikum bleibt durchgehend frisch und aufnahmefähig.
Natürlich gibt es auch wieder ein paar Kleinigkeiten, die manchem Zuschauer auffallen dürften. Der spritzige Auftritt eines Ford Ka in der Elektroversion und die Brennstoffzellen des Wüstenhotels deuten bereits auf den ökologischen Tenor des Films hin. Letztere werden dem Zuschauer durch die angeblich ständige Gefahr einer spontanen Detonation allerdings ziemlich madig gemacht. Fraglich also, wieso man diese Bomben in jedes Hotelzimmer einbauen muss. Auch in Stunt-Fragen scheiden sich bisweilen die Geister, doch hier können die strikteren Zuschauer gerade noch alle Augen zudrücken. Es gibt außerdem eine schöne Anspielung auf Goldfinger, sofern das überhaupt in einem Prequel möglich ist.
Abgesehen davon strotzt der Film geradezu vor Glücksmomenten für männliche Cineastenherzen, lediglich ein unverzeihliches Manko ist, dass Q (bzw. R) nicht vorkommt. Auch wenn Bond diesmal ohne britische Agententechnologie auskommen muss, hätte John Cleese doch wenigstens mal durchs Bild laufen können. Der Song zu Beginn, "Another Way To Die" von Jack White und Alicia Keys, ist zwar ein solider Bond-Song, kommt aber an Klassiker wie "License To Kill" von Gladys Knight, "You Only Live Twice" von Nancy Sinatra, "Diamonds Are Forever" und natürlich "Goldfinger", der inoffiziellen Bond-Hymne (beide von Shirley Bassey) nicht heran. Hätte Amy Winehouse in ihrem Drogenkonsum die Kurve gekriegt, wäre möglicherweise wieder ein ähnlich genialer Evergreen herausgekommen.
Als besonders erfrischend darf hinzugefügt werden, dass Bond kein Über-Agent mehr ist, zu dem er sich unter Pierce Brosnan entwickelt hat. Kein Surfen mehr in der Eisberg-Flutwelle, kein unsichtbares Auto, keine Rettung der Welt in jedem Film. Bond hat offenbar Realitäts-Anleihen bei Jason Bourne genommen. Bond-Fans darf also guten Gewissens mitgeteilt werden, dass jede Vorfreude gerechtfertigt ist. Skeptiker können sich auf global relevante Themen freuen, was natürlich den guten alten britischen Charme der alten Filme ein wenig in den Hintergrund treten lässt. Doch solange Bond wieder mehr Mensch als Superheld ist und auch noch einen Aston Martin fährt, ist die Welt noch in Ordnung. |