Die Verfilmung des gleichnamigen Computerspiels zeichnet eine düstere Gesellschaft, in der Werte wie Familie und Glück eine eher untergeordnete Rolle spielen. Der hoffnungslose Alleingang eines zum Äußersten entschlossenen Ermittlers gegen eine erdrückende kriminelle Übermacht machen den Reiz sowohl des Spiels als auch des Filmes aus. Dank eher schwacher Dramaturgie und unmotiviert eingesetzter Effekte nicht für alle Thrillerfans zu empfehlen.
Nachdem Frau und Kind ermordert wurden, zerbrach etwas in Polizist Max Payne. Jahre später, mittlerweile ins Cold Case-Archiv versetzt, ermittelt er noch immer. Doch nun tut sich eventuell eine neue Spur auf, so eine Andeutung spricht Max' ehemaliger Partner Alex auf Band, bevor er ermordet wird. Dumm, dass Max selbst im Fokus interner Ermittlungen steht: Eine junge Frau, die grausam niedergemetzelt wurde, trug ausgerechnet seine Geldbörse bei sich. Deren Schwester ist, wie manche Ermittler, der Meinung, dass Max der Täter gewesen sein muss. Doch Max ermittelt unbeirrt weiter. Schließlich findet er die Spur, von der sein ehemaliger Partner gesprochen hat und tritt dabei in ein wahres Hornissennest. Der Kreis schließt sich, als sich herausstellt, dass der große Pharmaziekonzern, bei dem Max' Frau Michelle gearbeitet hat, hinter diesen und anderen seltsamen Vorgängen zu stehen scheint. Doch hat Max einen Trumpf im Ärmel: Seines Vaters ehemaliger Partner BB arbeitet ebendort als Security-Boss und kann Max vielleicht hinter die Kulissen des Konzerns blicken lassen.
Optisch stark an Sin City oder den ersten Batman erinnernd, sieht Max Payne auch für den uninformierten Zuschauer ganz offensichtlich die Verfilmung einer düsteren Graphic Novel. In Wirklichkeit basiert der Film jedoch auf dem gleichnamigen, bekannten Third-Person-Shooter. Bis ins Mark verdorbene Erzbösewichte stehen aufrichtigen, ehrlichen Cops gegenüber, Frauen, Kinder und das Vororthäuschen scheinen dem Traum nach einer besseren Welt entsprungen zu sein. Max Payne leidet Höllenqualen, ist innerlich praktisch tot. Bei der Polizei schiebt er Dienst nach Vorschrift auf einem Gnadenposten, seine einzige Aufgabe ist die Aufklärung des Mordes an Michelle und dem offenbar noch namenlosen Baby. Getrieben von dieser Mission, gönnt sich Payne nicht einmal ein Bier in einer Kneipe, um sich nicht vom Ziel abbringen zu lassen.
Eine klassische One-Man-Show, der Alleingang eines Cops gegen eine zunächst unbekannte Übermacht. Natürlich ist so ein Vorgehen taktisch völlig sinnlos, aber wahre Helden haben eben keine Partner. Interessant ist der Fantasy-Aspekt des Films, der sich zunächst in Schattenspielen anlässt, dann unmotiviert einige wenige Begriffe aus der nordischen Mythologie nennt, nämlich Walküren als Engel von Kriegern und Ragnarök als Götterdämmerung, und erst spät ein paar deutlichere Effekte zeigt. Allerdings findet dieser Aspekt leider viel zu wenig Eingang in die Handlung, um seine Gegenwart wirklich zu rechtfertigen. Mit dieser Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Lösung schneidet sich Regisseur John Moore selbst ins Fleisch, denn so bleibt der Zuschauer uninformiert über die Kreaturen oder Illusionen auf der Leinwand, was mehr verwirrt als nützt.
Kollege Richard Kehl war so nett, einen Absatz zum zugrundeliegenden Computerspiel beizusteuern: Das Spiel ist erstmals 2001 bei Take 2 Interactive erschienen und setzte als erstes die "Bullet-Time" als Zeitlupeneffekt ein, wodurch das Game Kultstatus erlangt hat. Im Film gab es hierfür jedoch nur die eine Szene mit der Schrotflinte. Als Spieler schlüpft man in die Rolle des Max Payne, dem bei einem Überfall Frau und Kind getötet wurden. Von Albträumen geplagt, hat Max resigniert und geht in einer Art Allein-Rachfeldzug gegen die Kriminalität vor und macht sich dadurch auch im eigenen Lager jede Menge Feinde. Dabei legt er sich mit Drogendealern, okkulten Organisationen und seinen eigenen Leuten an und deckt so manche ungewollte Verschwörung auf. Zur Seite steht ihm eine zwielichtige Russin, die in der Computerspiel-Fassung erst im zweiten Teil eine undurchsichtige Rolle als Helferin in der Not einnimmt. Das Spiel steht in der US-Originalfassung auf dem Index.
Natürlich wird es eine Fortsetzung geben, die thematisch bereits in der Szene nach dem Nachspann angerissen wird. Sie dürfte eine direkte Fortsetzung des vorliegenden Filmes sein und direkt anschließen.
Grundsätzlich ein schöner Popcorn-Film, empfehlenswert für Genrefans. Problematisch ist das oft inkonsequente und unmotivierte Auftauchen von Eye-Candy-Szenen, so gibt es zum Beispiel mitten drin besagter "Bullet Time"-Shootout zwischen Payne und einer unbemerkt herangeschlichenen Wache. Zuvor und im Anschluss ist nichts derartiges zu sehen. Was bei John Woo die in Zeitlupe flatternden Tauben, sind hier Papiere (in Büros wie Gassen), die wie Herbstlaub im Wind durch die Szenerie gleiten. Als Kinofilm allein nicht der beste Actionthriller aller Zeiten, aber sicherlich sehr viel gehaltvoller für Fans des Spiels.