Eine Liebeserklärung an Australien - längst überfällig? Gabs schon, wenn auch vielleicht nicht derart bildgewaltig, voluminös und opulent. Ein turbulenter Stilmix, der im ersten Akt einiges erwarten und im Zweiten dann alles vermissen lässt, worauf man gehofft haben könnte. Dafür aber wird eine interessante andere Geschichte, mit dem erwartet romantisch-melacholischen Flair erzählt. Als Bonus hat man gleich zwei Filme gesehen und dennoch etwas verpasst. Aber es wird schwer fallen, dem Film dieses übel zu nehmen. Er ist einfach zu schön erzählt.
Nachdem der Prolog verklungen ist - eine Art märchenhaft-mystische Einstimmung die ein wenig an Geschichten der Augsburger Puppenkiste erinnert - landet man schnell auf dem fünften Kontinent und mitten in einer krachenden "Saloonschlägerei". Wenn da nicht sofort sehnsüchtige Erinnerungen an Quigley der Australier aufkommen. Draußen vor der Tür bekommt, während Drover (Hugh Jackman) den Laden aufmischt, die britische Adlige Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) einen hysterischen Anfall, da ihr Gepäck bei der Klopperei zu Kleinholz verarbeitet wird.
Als Frau eines englischen Edelmannes hat man es halt nicht leicht. Besonders, wenn dieser stets mit Abwesenheit glänzt. Die vernachlässigte Sarah, die ihren Gatten im Verdacht hat, sie zu betrügen, reist ins ferne Australische Darwin, um den Gatten zur Rede zu stellen. Es ist nur ein üble Zeit, um sich auf diesem Flecken Erde aufzuhalten: Ende der 30er Jahre bereiten sich die Nationen der Welt auf einen großen Krieg vor. Für die Engländer stellt Australien einen wichtigen Umschlagspunkt für die Versorgung ihrer Truppen im pazifischen Raum dar. Den Japanern ist das gar nicht recht. Und ein Angriff auf Darwin erscheint immer wahrscheinlicher.
Noch ist die Atmosphäre aber friedlich und so reisen Sarah und Drover, der sich als Fahrer was dazu verdient, nach Faraway Downs, der Ranch von Sarahs Ehemann. Leider hat der, kurz bevor die beiden eintreffen, das Zeitliche gesegnet. Es sieht aus, als hätte ihn ein Aboriginie auf dem Gewissen. Um die Ranch steht es auch nicht gut: Vorarbeiter Neil Fletcher (David Wenham), der mit Viehbaron King Carney (Bryan Brown) gemeinsame Sache macht, sorgt dafür, dass es finanziell bergab geht. Später ist dann eine leichte Übernahme möglich. Einziger Ausweg: 1500 Rinder quer durchs Outback zu treiben, an die Royal Army verkaufen und das Fleischmonopol Carneys brechen. Für dieses Unterfangen stehen etwas widerwillig Drover, der versoffene Buchhalter Kipling Flynn (Jack Thompson), ein paar Einheimische sowie der Halbblutjunge und Waise Nullah (Brandon Walters), den Sarah kurzerhand "adoptiert" hat, zur Verfügung. Ein schwaches Aufgebot und Carney wird noch ein Wort mitzureden haben.
Die Handlung schwelgt in wunderschönen Bildern und grandioser Panoramaoptik der berauschenden Australischen Landstriche und wird feinfühlig mit einem Hauch Aboriginie-Magie angereichert. Den Ohren wird musikalisch, zu wild dahinpreschenden Pferdeherden, mit Black Beauty Themen geschmeichelt, dass es dermaßen infantil kitschig wird, dass man aus dem schelmischen Grinsen schwer rauskommt. Nicole Kidman spielt aber grandios und liefert als englische Oberschichtzicke, die sich zur Rancherin wandelt, eine brillante Show ab. Hugh Jackman, der aussieht wie eine gut gelungene Mischung aus Clint Eastwood aus einem seiner Spaghetti-Western und Paul Hogan aus Crocodile Dundee, gibt toll den raubeinigen und knallharten Abenteurer mit dem weichen Kern. Viel skurriler Witz, tolle Bilder, super Darsteller inklusive der Bösewichte und eine "magische" Abenteuergeschichte, die auf viel hoffen lässt.
Und soweit zum ersten Akt. Nach einem holprigen Übergang, zwischen Romantik, Trennungsschmerz und Melancholie sowie dem Aufstieg neuer Bösewichte, landet man in einer Art Kriegsdrama. Dessen Plot passt nicht so recht zum ersten Teil: raus aus der eigenwillig-interessanten Mischung von Western/Abenteuergeschichte und Fantasy, gefilmt im Herr der Ringe Stil und hinein in eine Story, die von der Atmosphäre her irgendwo zwischen Unterwegs nach Cold Mountain und (wegen der Kriegsvorwehen) Pearl Harbor angesiedelt ist. Wenn man es nicht besser wüsste, möchte man meinen, sich in einem anderen Film zu befinden.
In diesem dreht sich vieles um das Wiedersehen von Sarah und Drover. Hauptelement der Handlung aber ist die Geschichte der so genannten Verlorenen Generation. Der Mischlingskinder in Australien, die zu keiner Welt so recht dazugehörten. Eigentlich eine spannende Geschichte, die des Erzählens durchaus würdig ist. Und auch ganz zu Anfang des Films als tragendes Motiv eingeführt wurde, es dann aber erzählerisch ganz woanders hin ging. Jetzt baut die Dramaturgie der weiteren Story eindeutig darauf auf.
Besonders schade aber, dass die Spannung des Rancherkrieges aus dem ersten Akt, die eine Storyline und Entwicklung mit Motiven aus Klassiker wie Red River oder Giganten erwarten lies, sang und klanglos verpufft und sich stattdessen ein absehbares und recht kraftloses Finale entwickelt. Auch die kernige Figur Jackmans, ausgestattet mit rauem Charme und bärbeißigem Witz, darf im zweiten Akt nicht annähernd das bringen, was als Potenzial in ihr schlummert. Und trotzdem: Nach über zweieinhalb Stunden, die recht schnell verfliegen, fühlt man sich gut unterhalten. Nur nicht so recht zufrieden gestellt. Als hätte man zwei Filme gesehen: Einen ohne richtiges Ende und einen ohne gescheiten Anfang.