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So ist Paris

(Paris, 2008)

Dt.Start: 17. Juli 2008 Premiere: 08. Februar 2008 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Komödie
Länge: 129 min Land: Frankreich
Darsteller: Juliette Binoche (Elise), Romain Duris (Pierre), Fabrice Luchini (Roland Verneuil), Albert Dupontel (Jean), Francois Cluzet (Philippe Verneuil), Karin Viard (die Bäckerin), Gilles Lellouche (Franky), Melanie Laurent (Laetitia), Zinedine Soualem (Mourad), Julie Ferrier (Caroline), Olivia Bonamy (Diane), Maurice Benichou (Psychologe), Annelise Hesme (Victoire), Audrey Marnay (Marjolaine), Xavier Robic (Arthur Delamare), Farida Khelfa (Farida), Judith El Zein (Melanie Merneuil), Emmanuel Quatra (Grand Nanar), Renee Le Calm (Mme Renee), Sabrina Ouazani (Khadija), Hubert Saint-Macary (Kardiologe), Jean-Pierre Moulin (Professor Vignard), Joseph Malerba (Taxifahrer), Sabrina Seyvecou (Sidonie), Marco Prince (Benoit)
Regie: Cédric Klapisch
Drehbuch: Cédric Klapisch


Inhalt

Im Alltag der Millionenmetropole Paris prallen Welten aufeinander wenn sich die Wege ganz normaler, aber völlig unterschiedlicher Menschen kreuzen. Sei es ein Gemüsehändler im Bad der Gefühle, ein Uniprofessor auf der Jagd nach jungen Frauen oder ein illegaler Immigrant in der Stadt seiner Träume. Mittendrin, auf der Zuschauertribüne seines Balkons, sitzt Pierre, ein professioneller Tänzer, der auf ein Spenderherz wartet und sich währenddessen die Zeit damit vertreibt, das Leben in Paris zu beobachten.
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Kritik

So ist Paris hat eine Wertung von 75%
Ein Tänzer liegt im Sterben und wird von seiner Schwester gepflegt. Ein verliebter Professor schreibt eine frivole SMS an seine Studentin. Ein Gemüsehändler macht einer Kundin Avancen, doch die ist zu sehr im Alltagsstress. Eine snobistische Bäckerin sucht eine Verkäuferin und ist mit keiner zufrieden. Und ein illegaler Afrikaner hofft in Paris sein Glück zu finden. Cédric Klapisch inszeniert mit dem feinsinnigen Mosaik So ist Paris eine Hommage an die Stadt der Liebe. Nach den L' Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr-Filmen erzählt Klapisch erneut von den Wundern des Alltags und der Liebe in all ihren Schattierungen. Juliette Binoche, Romain Duris, Albert Dupontel und Fabrice Luchini brillieren.

Bild aus So ist Paris Keiner anderen Stadt wurden so viele filmische Denkmäler gesetzt wie Paris. Dabei werden die Filmemacher gar nicht müde, denn sie entdecken an der Stadt der Liebe immer neue Seiten. Nach zuletzt Olivier Assayas und Frédéric Auburtin (Paris, Je t'aime) zelebriert nun Cédric Klapisch mit So ist Paris einen unterhaltsamen Reigen über die Liebe(-sleiden) in einer Metropole und erhebt selbst Markthallen zu Touristen-Attaktionen neben Montparnasse, Montmartre, Place de la Concorde und dem Eiffelturm. Klapisch ahmt das alltägliche Treiben in den Großstadtstraßen nach, wenn er Menschen aus unterschiedlichen Schichten einander zufällig kennen lernen oder ohne Beachtung an einander vorbeieilen lässt.

Da ist Pierre (Romain Duris), ein ehemaliger Tänzer aus dem Moulin Rouge, der dem Tod geweiht ist und wohl vergeblich auf ein Spenderherz wartet. Seine Schwester, die Sozialarbeiterin Elise (Juliette Binoche), will ihn unterstützen und zieht trotz eigener Probleme mit ihren Kindern bei ihm ein. Während Pierre aus dem Fenster stiert und sich in das Mädchen im Haus gegenüber verguckt, lernt Elise am Markt den arabischen Gemüsehändler Jean (Albert Dupontel) kennen. Doch seine Avancen zwischen Fisch und Fleisch nimmt die Geschäftige nicht wahr. Hingegen regt sich die schöne Studentin Laetitia (Mélanie Laurent) über eine frivole SMS auf. Die stammt von ihrem unbeholfenen, total verknallten Professor Roland (Fabrice Luchini), der in Liebesdingen etwas eingerostet ist. Auch sein Architektenbruder kann ihm da nicht helfen. Auf dem afrikanischen Kontinent steigt derweil ein Mann (Kingsley Kum Abang) in ein Boot, um illegal ins gelobte Frankreich zu seinem Cousin zu reisen. In einem Ferien-Club hat er eine Französin kennen gelernt, die ihn ermuntert hat, sie doch mal zu besuchen. Derweil sucht eine hochnäsige Bäckerin (Karin Viard) eine Verkäuferin und findet sie ausgerechnet in einer Araberin (Sabrina Ouazani)...

Zehn Hauptfiguren, vier Personenkreise - allerhand Material für 129 Minuten. Klapisch verwebt seine Geschichten mit feinem Zwirn, auch wenn die einzelnen Protagonisten oft nur kleine oder gar keine Berührungspunkte haben. So bilden die Händler vom Großmarkt Rongis um Jean, Mourad (Zinedine Soualem) und Franky (Gilles Lellouche) eine eigene Sphäre, der intellektuelle Professor, seine Angebete und sein bourgeoiser Architekten-Bruder Philippe (Francois Cluzet) eine andere. Nur Sozialarbeiterin Elise bildet Brücken zwischen diesen Gruppen, als sie endlich Jeans Avancen registriert oder für Pierre die schöne Laetitia anspricht.

Elegant und kunstvoll verfolgt Klapisch abwechselnd Handlungsstränge ohne zu verwirren oder gar zu langweilen. Zärtlich, berührend, aufregend, ja sogar grob und tragisch sind seine wundersamen Alltagsstories um die Liebe, die hoffnungsfrohe Suche, das schwierige Loslassen und der aufwändige Neuanfang. Nach ... und jeder sucht sein Kätzchen und seinen beiden "L'Auberge"-Filmen sind dem Filmemacher die Geschichten noch immer nicht ausgegangen. Auf dem Filmfest München begeisterte seine Komödie, weil sie immer neue Wendungen nimmt, ohne zu überdrehen. Klapisch vertraut den Gefühlen und seinem Publikum, diese an sich heran zu lassen. Dank der pittoresken, strategisch gewählten Hintergründe stimmt So ist Paris zunächst leise und später immer kraftvoller seine Ode an die letzte romantische Metropole der Welt an. So wird man vom Ende der 129 Minuten überrascht, denn gerne hätte man der Erzählung weiter zugesehen. Andererseits darf sich so auf weitere Geschichten aus der Reihe Die fabelhafte Welt der Amélie, Angel-A, Paris, Je t'aime und So ist Paris freuen. Schließlich ist die Stadt ein unerschöpfliches Reservoir.

von Harald Witz


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