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Bukarest Fleisch

(Bukarest Fleisch, 2007)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 16. April 2008
Premiere: 25. Oktober 2007 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 18 Genre: Horror
Länge: 87 min Land: Deutschland
Darsteller: Philip Hagmann (Fimo), Friederike Kempter (Lara), Daniela Schulz (Alice), Andreas Thiele (Nicki)
Regie: Andy Fetscher
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Als die attraktive und selbstgefällige Studentin Lara, dass Ihre Familie bei einem Autounfall in Rumänien ums Leben gekommen ist, zögert sie keine Sekunde und macht sich auf den Weg nach Bukarest. Nachdem man sie im örtlichen Krankenhaus mehr als unfreundlich behandelt, erfährt sie durch Zufall mehr über den Unfall und die Tätigkeit ihres Vaters. Dieser machte nämlich unsaubere Geschäfte mit einer humanitären Hilfsorganisation, der er genmanipuliertes Gammelfleisch für die hungernden Straßenkinder andrehte.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Bukarest Fleisch hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Linus Reingen
Bukarest Fleisch hat eine Wertung von 70%
Klingt nicht appetitlich? Ist es auch nicht! Laras Eltern sind unter mysteriösen Umständen in Rumänien ums Leben gekommen. Darum reist sie mit Freunden nach Bukarest, um Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei fördert sie jedoch nicht nur finstere Geheimnisse ihres Vaters zu Tage, sondern muss sich plötzlich auch sprichwörtlich ihrer Haut erwehren. Dargestellt in unterschiedlichster Optik verliert der Film leider zum Ende hin seinen vorher aufgebauten Drive, kann aber dennoch durch Spannung und viele Überraschungsmomente überzeugen.

Bild aus Bukarest Fleisch Seit Dario Argentos und Lucio Fulcis Glanzzeiten war das Horrorgenre nie so produktiv wie heute. Und es war noch nie so massentauglich. In den letzten Jahren erfreuen sich Remakes von Horrorklassikern wie Texas Chainsaw Massacre und asiatischer Geisterfilme wie The Grudge immer größerer Beliebtheit. Nihilistische Grenzgänger wie Hostel beleben das Exploitation-Kino der 70er Jahre wieder und feiern damit Box-Office-Rekorde. Deutsche Filmemacher haben das Genre bislang eher gemieden. Abgesehen von TV-Filmen wie Hai-Alarm auf Mallora und den deutschen Splatter- und Gorefilm-Beiträgen durch Olaf Ittenbach und Christoph Schlingensief dürften Stefan Ruzowitzkys Anatomie, Hans-Christian Schmidts Requiem und Uwe Bolls House of the Dead zu den wenigen bekannten Titeln gehören.

Um die Lücke im deutschen Filmpanorama zu füllen, tischt uns Andy Fetscher dieses Jahr Bukarest Fleisch auf. Es ist sein Diplomfilm an der Filmakademie Ludwigsburg, co-finanziert von einem HR-Fernsehredakteur, den Fetscher in einer Bar für sein Projekt begeistern konnte. Sein Dozent las das Skript auf einer Bahnfahrt und war ebenso angetan. Den währenddessen servierten Braten soll er jedoch unberührt zurückgehen gelassen haben. Denn auch wenn Fetscher nach eigenen Angaben immer Liebesfilme macht, ist Bukarest Fleisch in erster Linie ein Horrorfilm und ein Frontalangriff auf unsere (Geschmacks-)nerven.

Dabei ist die junge Studentin Lara (Frederike Kempter), die Hauptdarstellerin des Films, nicht unappetitlich. Ganz im Gegenteil wird schnell deutlich, dass ihre kühle Schönheit Männern mühelos den Willen rauben kann. Und zumindest ihr Kommilitone Niki (Andreas Thiele) liegt ihr gerade zu Füssen. Leider erfährt die taffe Lara bereits nach einem kurzen Eingangsflirt mit Niki vom Unfalltod ihrer Familie in Rumänien. Ihre Eltern waren mit ihrer Schwester auf Geschäftsreise in Bukarest, wo ihre Körper nun in einem Leichenhaus lagern. Über die Todesumstände erfährt Sie nichts.

Um Licht ins Dunkel zu bringen und um sich von Ihrer geliebten Schwester zu verabschieden, überredet Sie Niki in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Rumänien aufzubrechen. Ein befreundetes Paar begleitet Sie. Im rumänischen Krankenhaus scheint man Ihr aber nicht helfen zu wollen. "Du siehst - dann gehst Du!" Doch auf dem Parkplatz treffen sie die junge Einheimische Nikita (Ioana Teodora Iacob). Sie gibt Lara wichtige Informationen. Und Lara muss erkennen, dass ihr Vater im Labor genetisch gezüchtetes Gammelfleisch als humanitäre Hilfe nach Rumänien verkauft hat. Dieses Fleisch wurde an hungerleidende Strassenkinder verteilt, mit der Folge, dass diese sich plötzlich veränderten und einen unstillbaren Appetit auf Lebendfleisch entwickelten.

Obwohl tatsächlich zwischen all dem Grusel ein Hauch von Liebe weht (nämlich die zunehmend erotische Annäherung zwischen Lara und Nikita), ist die Queer-Thematik der lesbischen Liebe in Bukarest Fleisch nicht zentral. Sie ist doch eher eine ästhetische Spielerei, mit dem psychologischen Effekt, dass Laras Verwirrung und Verletzlichkeit durch ihre aufbrechende Gefühlswelt den Zuschauer zum Mitfühlen zwingen. Sehr gekonnt stellt Fetscher hier den nervenzerfetzenden Schockelementen zärtliche Momente gegenüber, so dass beide einander in Wechselwirkung intensivieren. Das reißt den Zuschauer zwar im Detail auch nie vom Hocker, ist aber gesehen als Teil des Ganzen der dichten Atmosphäre sehr zuträglich. Denn was Bukarest Fleisch vor allem hat ist: Atmosphäre.

Das erreicht der Film zum einen über den wahnsinns Drive, den er gleich zu Beginn entwickelt. Laras Versuch die Wut über den Tod ihrer Familie und Schuldgefühle gegenüber ihrer kleinen Schwester auf einem Heavy-Metal Konzert zu entladen und später in der aktionistischen Flucht nach Vorne - nach Bukarest. Dabei kommt so viel Fahrt auf, dass man Lara unweigerlich begleitet auf ihrer Suche nach Erlösung. Der Effekt wird unterstützt von einer grandiosen Optik. Laras fluchtartige Reise wirkt umso dynamischer, weil konsequent ohne Stativ gearbeitet wurde. Die Schnitte sind schnell und treibende Musik (unter anderem von Blackmail) untermalt die rasanten Bilder. Die wiederum sind fast durchgängig kalt. Spätestens in Rumänien sind die Bilder zwar meist sepia gefärbt und grobkörnig. Wegen des tristen, morbiden Settings wirken sie dennoch nicht warm. Schnell fühlt man sich von einem superlangen ultrastilisierten Rock & Roll-Videoclip mitgerissen.

Wenn in der ersten Nacht statt Zelluloid- plötzlich Mini-DV Kameras in Direct Cinema-Manier pixelige Wackelbilder und Nachtsichtaufnahmen liefern, dann ist das erstmal unglaublich packend. Die ersten grausigen Geheimnisse des Films werden so im You-Tube-Look gelüftet, was die Wahrnehmung durch die Pseudo-Amatuer-Technik deutlich verstärkt. Leider liegt in der verspielten Optik und den wechselnden Kameratechniken auch die größte Schwäche des Films. Irgendwann wird die Montage der unterschiedlichen Stile so schnell, dass das Gehirn mit dem Zusammenfügen nicht mehr hinterherkommt. Wenn innerhalb einer kurzen Szene mehrmals die Farbeinstellungen und die Filmmaterialien wechseln, so verändern sich automatisch auch die Lichtverhältnisse und Perspektiven. Wenn Natural Born Killers oder Kill Bill - Volume 1 mit ihren Wechseln zwischen Schwarz-Weiß, Comic, Super-8, Video usw. hier als Vorlage gedient haben sollten, dann wurde das Konzept nicht ausreichend konsequent umgesetzt. Leider verliert der Film hier im letzten Drittel den so kunstvoll erzeugten Drive.

Trotzdem bleibt er durchgehend spannend und weiß auch gegen Ende noch zu überraschen. Wenn Inhalt und Dramaturgie auch horrorfilmtypisch sind, ist Bukarest Fleisch doch erfrischend unkonventionell und auf eine sehr eindringliche Weise packend, so dass kleine Schwächen schnell vergessen werden können. Beim finalen McGyver-Tribute dürften die Meinungen auseinandergehen. Fetscher rechtfertigt es damit, dass es sich ja immerhin um einen Trashfilm handeln würde. Doch dafür ist Bukarest Fleisch eigentlich viel zu ernst. Im Abspann werden wir dann entlassen mit der kurzen Einblendung: Enjoy your meal. Na dann - Guten Appetit!



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