Es wird gebalzt, geflirtet, geturtelt und... na ja, Sie wissen schon, was das Zeug hält. Die tierischen Protagonisten lassen nichts unversucht, die Angebetete zu erobern. In der Liebe und im Krieg sind bekanntlich alle Mittel erlaubt. Und besonders im Tierreich hat "Liebe" viel von Krieg oder zumindest vom Kampf ums Überleben. Nur wer erfolgreich seine Gene weitergibt, erlang ein Stück "Unsterblichkeit". Unterhaltsam gemachte Tier-Doko, die erwartungsgemäß von fantastischen Aufnahmen und von einem brillanten Sound lebt.
Evolutionsgeschichte im Schnelldurchlauf! Richtig los geht's aber erst als die Natur den Sex erfindet. Damit war es möglich die Erbsubstanz, also die "Moleküle der Liebe", in unendlichen Variationen miteinander zu kombinieren. Seither sind über eine Milliarde Arten entstanden und wieder verschwunden. Derzeit existieren davon noch hochgerechnet zehn Millionen. Und bei allen sind "Die Moleküle der Liebe die selben", und deshalb benehmen sich Hund, Katze, Maus in punkto Eros auch völlig gleich.
Nachdem diese kurze Wissenschaftsprosa-Einlage im Prolog des Films verklungen ist, geht es textfrei und fortan rein visuell weiter. Die im Hormonrausch befindlichen Burschen "flirten sich einen Wolf", und manch einer macht sich dabei gleich zum Affen. Ganz egal, ob Vogel, Säugetier, Reptil, Fisch oder Insekt, wenn es an der Zeit ist sich eine Gefährtin zu suchen - auch wenn das Vergnügen manchmal äußerst kurz ist - verwandeln sich die Männchen regelrecht in Liebes-Maniacs. Prachtvoll und buntbefiederte "Staubwedel" tanzen und singen in wilder Choreografie um die Wette oder vollführen in koordinativer Höchstleistung unglaubliche "Fächertänze", dass sich manch Meister der Japanischen Oper locker eine Scheibe davon abschneiden könnte.
Es gibt einiges zu sehen und vieles zu bestaunen. Die Doku lebt eindeutig von Bildern, die man mitunter so noch nie gesehen hat: Eine Gruppe männlicher Kängurus kämpft um ein einzelnes Weibchen und die Herren zerren sich abwechselnd vom Rücken der Dame, um selber "zum Schuss zu kommen". Wenn das nicht Känguru-SM ist. Ein andermal wirbt ein Widder um seine Auserwählte mit - man muss es so sagen - höchst pornografischen Zungenspielen. Und wer hätte gedacht, dass Orang-Utans es in luftigen Höhen, am liebsten in der Missionarstellung machen?
Anderthalb Jahre Drehzeit in 16 Ländern und quer durch alle Klimazonen, von der Tundra bis in die Tropen, haben eine außergewöhnliche Tier-Doku entstehen lassen. Über 80 Tierarten treten auf und stellen ihre Talenten als Romeos unter Beweis. Dass die Männchen im Mittelpunkt stehen, liegt im Wesen der Sexualität begründet. Im Tierreich sind die Herren meist bunt, schillernd und auffallend. Die Selektion steuern aber die Damen, die suchen sich den aus, der am besten zu imponieren versteht oder seine Konkurrenten im Zweikampf niederringt. Das verspricht gute Gene. Gelegentlich lassen sich die Damen auch von Geschenken oder einem gut gebauten Nest verführen. Irgendwie sehr "menschlich". Eine Flotte Hütte und nette Accessoires im passenden Augenblick, waren der Liebe noch nie abträglich.
Der menschliche Faktor ist dann auch eine der Schwächen des Streifens. Sicher entdeckt man einiges von sich in dem Treiben. Das ist nicht weiter verwunderlich. Was alle Lebewesen antreibt, motiviert auch den Menschen. Dennoch wird der Bogen etwas überspannt. Die Natur ist niemals nur schön und romantisch. So manch amouröses Stelldichein endet mitunter tödlich. Insbesondere in der Insektenwelt sind die Männchen nicht mehr als "Samentransferschleusen" und die Weibchen "Gebärmaschinen", die nur für diesen einen Zweck leben. Bestenfalls dienen die Männchen noch als Energiequelle für das Weibchen, was beispielsweise häufig während des Liebesaktes der Gottesanbeterinnen der Fall ist. Solche Bilder gibt es nicht zu sehen.
Das letzte Viertel des Films gehört dann den Früchten der Liebe. Und auch hier wird's zu romantisch-sülzig. Gelegentlich deutet sich an, dass nicht jedes Junge die Chance bekommt heranzuwachsen, aber im Wesentlich reduzieren sich die Eindrücke auf liebevolle Eltern, die ihren Nachwuchs stets umsorgen. Dass nicht alle Tiere Brutfürsorge betreiben und es sogar zu Kannibalismus kommt, existiert in dieser filmischen Idylle nicht. Regisseur Laurent Charbonnier, Kameramann bei Nomaden der Lüfte, beweist, dass er zwar virtuos mit visuellen Elementen und Techniken umzugehen weiß, und auch der Sound und die musikalische Untermalung geben ein sehr rundes Bild ab. Die überzeichnete Romantik und die Verklärung der Tierwelt, könnten allerdings für einige Fragezeichen in den Köpfen anspruchsvollerer Kinogänger sorgen.