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Flittchen, Schlampen, Gothics, Nerds, Yupies - ein Horrorkabinett. Willkommen im Mädchen-Internat St. Trinian, der Hölle auf Erden. Tatsächlich mehr Reservat als Internat oder einfach Biotop für Bekloppte, beherbergt St. Trinian all diejenigen, die keine andere Schule haben wollte. Hier landet auch Annabelle, als der Geizknochen, der sich ihr Vater nennt, sie vom renommierten Cheltenham Ladies College nimmt. Der Wahnsinn hat Methode, schließlich ist seine Schwester Camilla Direktorin an St. Trinian und könnte ihm einen netten Rabatt gewähren. Annabelle fühlt sich anfangs an diesem Ort aber nicht wirklich zu Hause, und die Girls machen ihr das Leben nicht unbedingt einfacher. Hammergeile politisch unkorrekte britische Komödie. Ein irrer Spass.
England besitzt manch eine Eliteschule und in einigen wurde sogar der eine oder andere königliche Zögling ausgebildet. In St. Trinian allerdings bestimmt nicht, auch wenn die Direktorin Camilla (Rupert Everett) heißt und sehr an eine bestimmte Dame aus der Peripherie der Royals erinnert. In St. Trinian ist alles ein Bisschen anders: Das Lehrpersonal säuft sich tagsüber die Hucke voll und die Schülerinnen gehen so allerlei dubiösen Aktivitäten nach. Es wird Fusel mit echten Blindmacherqualitäten gebrannt, bunte Smartiemischungen mit glücklichmachender Wirkung hergestellt, so manch ein Mädel verdient ihr Taschengeld horizontal und dann gibt es noch ein paar Anarchos, Punks, Schwarze Seelen und Zwillinge, die gleich Pioniere bei den Marines hätten werden können.
Annabelle (Talulah Riley) würde am liebsten laut schreiend weglaufen. Nicht, dass sie es nicht schon gemacht hätte. Geholfen hat es nichts. Ihr Vater scheint sie an diesen Ort des Grauens verbannt zu haben und die alteingesessenen Mädels wittern Frischfleisch. Während Annabelle zu "überleben" versucht, gerät St. Trinian in existenzielle Schwierigkeit. 500.000 Pfund sind zu zahlen, andernfalls wird die Schule dicht gemacht. Das ist kein Pappenstiel. Und an anderer Front braut sich noch mehr zusammen: Bildungsminister Geoffrey Thwaites (Colin Firth) möchte sich als Hardliner profilieren und an der anarchistischsten Schule Englands ein Exempel statuieren. Auf eines ist er aber nicht vorbereit: Camilla. Einstmals einten sie zarte Liebesbande. Während diese Lovestory aus der Anderswelt einem eiskalte Schauer über den Rücken jagt oder den einen und anderen Würgimpuls unterdrücken lässt, falls man überhaupt Zeit dazu findet - zu aberwitzig schräg und zum Schießen komisch ist diese Geisterbahnfahrt - versucht sich die Mädchentruppe von St. Trinian selber zu helfen, um die 500.000 Pfund aufzutreiben. Ein Kunstraub soll das Problem lösen. Ziel, Vermeers Das Mädchen mit dem Perlenohrring, das in der National Gallery hängt. Mission: Impossible ist nichts dagegen.
Von den ersten Minuten an zaubert dieser Streifen einem ein irres Grinsen aufs Gesicht, das man auch nach dem Ende des Films eine Weile nicht loswird. Herrlich politisch unkorrekt, wie es nur die Britten verstehen, meisterlich grenzwertig und manchmal eindeutig jenseits jeglichen guten Geschmacks. Egal, es ist ein hammergeiler Spaß bitterböse und rabenschwarz und doch voll süßem Charme, der eindeutig von dieser wahnwitzigen Girlstruppe ausgeht. Insbesondere Gemma Arterton gibt in der Rolle der dominanten Kelly so überzeugend den Vamp und die Femme Fatale, dass es zum Dahinschmelzen ist.
Die Herren unter den Akteuren brillieren ebenfalls. Vor allem Rupert Everett liefert eine irre Show in der Doppelrolle als Annabelles Vater und Direktorin Camilla ab. Man weiß nur nicht so recht, ob man ihn wegen dieser "außerirdischen" Schauspielleistung vergöttern soll oder man sich vor Grauen abwenden und im Kinositz verkrallen soll. Besonders die Aufeinandertreffen mit dem Ex-Lover, gegeben von Colin Firth, der mit Hugh Grant gemeinsam um Bridget Jones buhlte, sind blanker Horror aus dem Schattenreich. Und noch mehr kuriose Figuren geben ihr Stelldichein: Russel Brand der kürzlich in Nie wieder Sex mit der Ex als abgespaceter Rockgott zu sehen war, taucht erneut in einer sympathisch schnoddrigen Rolle auf. Als schmieriger Kleinganove coacht er die Mädels bei der Umsetzung ihres kriminellen Plans.
Adams Family meets Spice Girls trifft es so ziemlich auf den Kopf, auch wenn Worte nicht wirklich ausreichen, um dieses Kaleidoskop des Wahnsinns treffend zu beschreiben. Nebst der rabenschwarzen Seele des Streifens, werden hier nicht nur allerlei Hollywood-Blockbuster auf die eine oder andere Weise persifliert, das Hauptgeschütz richtet sich eindeutig gegen die erotischen Eskapaden des britischen Thronanwärters No. 1 und man muss einfach den Hut vor solch überragender Satireleistung ziehen. Wer es derb mag, wird bei diesen Girls voll auf sein Kosten kommen. |