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Eagle Eye - Ausser Kontrolle

(Eagle Eye, 2008)

Dt.Start: 09. Oktober 2008 Premiere: 26. September 2008 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Thriller
Länge: 117 min Land: USA
Darsteller: Shia LaBeouf (Jerry Shaw), Michelle Monaghan (Rachel Holloman), Rosario Dawson (Zoe Perez), Michael Chiklis (Verteidigungsminister Callister), Anthony Mackie (Bürgermeister William Bowman), Ethan Embry (Agent Toby Grant), Billy Bob Thornton (Agent Thomas Morgan), Anthony Azizi (Ranim Khalid), Cameron Boyce (Sam Holloman), Lynn Cohen (Frau Wierzbowski)
Regie: D.J. Caruso
Drehbuch: John Glenn, Dan McDermott


Inhalt

Uni-Abbrecher Jerry erhält eines Tages einen anonymen Anruf auf seinem Handy. Eine Frauenstimme gibt Befehle, und wenn Jerry nicht spurt, wird er ins Gefängnis wandern. Als Druckmittel findet Jerry gleich mal eine Menge Waffen und Sprengstoff in seiner Wohnung vor, dann platzt auch schon das FBI durch die Tür. Mit Hilfe der mysteriösen Frau am Telefon kann Jerry zwar fliehen, befindet sich aber nun als Schachfigur zwischen den Fronten des FBI und einer scheinbar allmächtigen Terrororganisation.
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Kritik

Eagle Eye - Ausser Kontrolle hat eine Wertung von 70%
Genau zum richtigen Zeitpunkt kommt der Film zur totalen Überwachung: In diesem rasanten Actionthriller zeigt Shia LaBeouf, dass er, wenn er mal groß ist, das Zeug zum nächsten Bruce Willis haben könnte. Während Logik und Realismus der Action ein wenig hinterherhinken, sind Spannung und Gänsehaut garantiert.

Bild aus Eagle Eye - Ausser Kontrolle Noch vor wenigen Jahren musste ein schwer bewaffnetes russisches Atom-U-Boot wie in Jagd auf Roter Oktober auf die USA zusteuern, um dem Publikum einen Angstschauer den Rücken hinunterzujagen. Heute genügen ein paar Computerchips, ein Netzwerk und die Überwachungskamera an der Ecke. Das Agentenkino hat sich seit dem Kalten Krieg sehr verändert, der Grund liegt natürlich in der aktuellen Weltpolitik und der allumfassenden Angst vor Verletzbarkeit.

Zu Beginn von Eagle Eye - Ausser Kontrolle unterläuft den Amerikanern ein schwerer außenpolitischer Fehler: Anstatt im fernen Afghanistan einen weltweit gesuchten islamischen Topterroristen umzulegen (derzeit im Kino ja Feindbild Nummer Eins), erwischen sie einen harmlosen Moslem, der wegen Bart und Turban dem Gesuchten leider etwas ähnelt. Wie immer wird der Fehler unter den Teppich gekehrt, doch diesmal wird er wie ein Bumerang zurückkommen.

Von geheimen Militäroperationen im Ausland bekommt der Slacker Jerry Shaw natürlich nichts mit. Er hat das Studium geschmissen und jobbt bei "Copy Cabana", einem langweiligen Copyshop irgendwo in Chicago. Jerry ist so gar nicht wie sein mustergültiger Zwillingsbruder Ethan. Der hat nämlich eine steile Militärkarriere hinter sich und ist Patrioten-Papas ganzer Stolz, während Jerry zuhause als das schwarze Schaf der Familie angesehen wird, nebenher ein bisschen pokert und sonst offenbar nicht viel vorhat mit seinem Leben.

Trotz aller schwelender Familienkonflikte und der Kontaktarmut, trifft es Jerry äußerst hart, als sein entfremdeter Bruder plötzlich bei einem Autounfall stirbt. Selbst bei der Beerdigung kommt es zum Streit zwischen Vater und verbleibendem Sohn. Unterschwellig scheint die Frage mitzuschwingen: Warum hätte nicht Jerry sterben können, statt seinem mustergültigen Bruder? Entsprechend niedergeschlagen kehrt Jerry nach Hause zurück, wo seine Probleme jedoch erst anfangen.

Er findet seine Bude vollgepackt mit Waffen, Munition und anderen Utensilien für Terroranschläge. Noch während sich Jerry über Zweck und Herkunft der großkalibrigen Waffen, der Chemiebaukästen für Bomben und auch der 750.000 Dollar auf seinem sonst chronisch leeren Konto wundert, klingelt das Handy. Eine unbekannte Frau rät Jerry, zu fliehen, da die Behörden am Anrücken sind. Jerry (wie auch der Zuschauer) versteht die Welt nicht mehr, und nur wenige Sekunden später ist er auch schon verhaftet.

Doch die Telefonstimme arrangiert Jerrys Flucht, dadurch ist der junge Mann ab sofort erpressbar. Aus dem Handy kommen immer neue, kryptische Befehle. Scheinbar kann eine allmächtige Terrororganisation Jerry auf Schritt und Tritt verfolgen, orten und alles, was er sagt oder hört, über das Mikrofon seines Handys mithören. Doch nicht nur Jerry befindet sich in der Zwickmühle, auch Rachel, deren Kind offenbar in der Gewalt der Organisation ist, wird auf diese Weise ferngesteuert. Was mit ihnen geplant ist, können sie nicht einmal im Entferntesten ahnen.

Was wie ein klassischer Thriller mit anonymer Telefonstimme anfängt, entwickelt sich schnell zu einer ausgewachsenen Datenschutz-Paranoia. Die unsichtbare Gewalt im Hintergrund hat offenbar unbeschränkten Zugang zu allen vernetzten Technologien, von der Laufschrift am Bahnhof bis zu allen Überwachungskameras, Verkehrsampeln und so weiter. Doch Motivation und Form der bedrohlichen Organisation werden erst im letzten Drittel des Films gelüftet, und das mit einem gewaltigen Twist.

Natürlich ist Eagle Eye - Ausser Kontrolle hemmungslos übertrieben, was die Fernsteuerbarkeit von Maschinen (und Menschen) angeht, doch der Tenor ist klar: Wer bewacht die Wächter? Rein vom Popcornfaktor her ist großartiges Actionkino angesagt, eine Materialschlacht vom Feinsten. Uniformen, Waffen, Agenten, das Pentagon, der Präsident, alles da. Wo zu Zeiten von Jagd auf Roter Oktober noch Hubschrauber herhalten mussten und Der Staatsfeind Nr. 1 per Satellit verfolgt wurde, sind es heute unbemannte, aber schwer bewaffnete Kampfdrohnen, denen man nicht mehr so leicht entwischen kann.

Vom politischen Aspekt her ist besonders bemerkenswert: Diesmal ist es nicht der gute Agent oder der unwissende Helfer, der die Interessen des gütigen Staates gegen irgendwelche fanatischen Bösewichte von außen wiederherstellt und somit die Welt rettet. Nein, diese Frage bleibt weitgehend offen. Die Zeiten, in denen ein James Bond stets die Interessen seiner Königin wahrte, ohne das System zu hinterfragen, sind lange vorbei. Es gibt kein klares Gut und Böse mehr, sondern einen Mitovationscocktail, der sich aus den individuellen Blickpunkten der einzelnen Figuren jedes Mal anders darstellt.

Ein toter Moslem kann (und sollte) also beim Publikum einen Denkprozess auslösen, der sich auf die aktuelle politische Lage, die zukünftigen technischen Möglichkeiten der Überwachung und den Sinn dahinter bezieht. George Orwell konnte, als er in seinem Jahrhundertroman "1984" mit "Big Brother is watching you" die heutige Angst vor dem großen Lauschangriff in einfache Wort fasste, nicht ahnen, wie nah die heutige Gesellschaft dem Alptraum von vor 60 Jahren ist. Eagle Eye - Ausser Kontrolle überzeichnet diese Horrorvision nur ein wenig, um die Brisanz der Lage auch dem letzten Zuschauer klarzumachen. Echt starker Tobak für einen scheinbar so simplen Actionthriller.

von Julian Reischl


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