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Wir haben die Geschichte zu Ende gebracht, die Star Wars-Saga ist für mich abgeschlossen. So in etwa äußerte sich George Lucas nach dem sechsten Film Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith. Offenbar war wohl doch noch nicht alles erzählt. Zuerst kursierten Gerüchte über eine TV-Realserie, die zwischen den Episoden 3 und 4 angesiedelt werden sollte und bei der nicht die Jedis die Hauptfiguren wären. Die sind schließlich alle tot, außer Obi-Wan und Meister Yoda. Und die Geschichte der Klonkriege hatte man schon in zwei abendfüllenden Trickfilmen erzählt. Jetzt greift Lucas noch einmal in die Trickkiste und beschert den Fans ein weiteres Abenteuer, ein temporeiches Animationsspektakel im Kinoformat, das Appetit macht, anderseits storytechnisch kaum Dynamik entfaltet - schließlich ist doch alles bereits gesagt?
Vor über 30 Jahren öffnet der damalige Filmstudent George Lucas die Büchse der Pandora. Ohne genau zu wissen, wo es eigentlich hingeht, legte er den Grundstein für eine Sci-Fi Mythologie und einen Fankult sonders gleichen. Sir Alec Guiness, der erste Obi-Wan-Kenobi, und einer der besten Charakterdarsteller aller Zeiten, notierte in seinem Tagebuch: Ich glaube die wissen hier alle nicht was sie treiben. Es knallt immer wieder und ich befürchte, dass die sich irgendwann in die Luft sprengen. Ich frage mich was ich hier soll, aber es ist ein leichter Job und ich habe nicht mehr als einen Auftritt pro Woche und den Rest frei. Für Alec Guiness war es eine weitsichtige Entscheidung bei Episode IV: Eine neue Hoffnung mitzuspielen. Mit der Umsatzbeteilung, die er sich am Merchandise des Films sicherte, verdiente er mehr, als mit allem anderen vorher in seinem Leben. Und es folgten noch viele Kapitel. Am Ende der Sternensaga standen sechs Kinofilme zu Buche. Die Fans hungerten auf noch mehr. Zwei Trickfilme sollten, noch offene Fragen beantworten, und nun kommt mit Clone Wars erneut ein Star-Wars Abenteuer im, diesmal gereiften, Animationsstil in die Kinos und erzählt die Geschichte um die Klonkriege noch einmal neu oder fügt weitere Details hinzu.
Obi-Wan und Anakin Skywalker verteidigen verbissen, gemeinsam mit einer dezimierten Truppe Klonkrieger, einen Planeten im Outer-Rim gegen die Separatisten. Ohne eine Möglichkeit mit der Jedizentrale zu kommunizieren, können sie keine Verstärkung anfordern. Die Lage spitzt sich zu, erscheint bald aussichtslos. Währenddessen plant Count Dooku im Auftrag seines Meisters Darth Sidious bereits die nächste Hinterlist: Er lässt den Sohn Jabba the Hutts entführen. Der wendet sich in seiner Verzweiflung an die Jedis, die sich im Zugzwang befinden. Jabba ist ein Verbrecher, aber die Nachschublinien der Republik führen durch das Territorium des Hutt-Clans. Macht man sich Jabba zum Feind, muss man an einer weiteren Front kämpfen. Meister Yoda entsendet die Jedi-Anwärterin Ahsoka Tamo zu Obi-Wan und Anakin, sie soll Skywalker als Padawan zur Seite stehen und sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach Jabbas Sohn machen. Zunächst aber müssen sie den Angriff der Separatisten überstehen. Und Count Dookus Netz teuflischer Intrigen reicht bereits viel weiter als die Jedis ahnen können. Im Dunkel lauert Dookus Schülerin Asajj Ventress, die nur allzu gerne ihre Lichtschwerter an einem Jedi ausprobieren würde.
Clone Wars reiht sich nahtlos zwischen Trick- und Realfilm der Saga ein. Dabei kommt der Animationsstreifen den "echten" Filmen tatsächlich näher - vielleicht viel näher als Lucas sich das wünscht. Das Gefühl kommt auf, dass nicht das volle Potenzial des Computerdesigns und moderner Animationstechnik abgerufen wurde. Die Spacefights wirken wie "state of the art", und es ist kaum möglich, zwischen diesen und vergleichbaren Sequenzen der Realfilme zu unterscheiden. Die Charaktere aber wirken hölzern, kantig und in ihren Bewegungen recht ungelenk. Das geht heutzutage bestimmt besser. Lucas wollte hier sicherlich zu den echten Darstellern abgrenzen. Wird der Animationsfilm zu real, und was bereits technisch möglich ist konnte man vor nicht allzu langer Zeit in Die Legende von Beowulf bestaunen, läuft man Gefahr, dass echte Schauspieler eines Tages möglicherweise ganz überflüssig werden.
Dramaturgisch bietet Clone Wars hingegen wenig Neues. Die vorrangige Zielgruppe dürfte sich überwiegend in den Reihen derer finden, die auch an PC- und Konsolenspieladaptionen ihre Freude haben. Viel Action, und wenn ein Gang zurückgeschaltet wird, wirkt der Versuch Substanz in den Plot zu bringen sehr bemüht und entwickelt, angesichts des dominierenden Tempos, unnötige Längen. Der "Tiefgang" der Dialoge lässt dabei manch einen anderen Star Wars Film in nie für möglich gehaltenem Licht erscheinen, und sporadische Versuche Witz zu entwickeln, wirken eher unfreiwillig komisch. Es kommt kein rechtes Feeling auf und vom Charme vergangener Klassiker ist nichts zu spüren. Das kann ein Animationsspektakel auch nur schwerlich leisten, da ist es schon sehr positiv, dass die Synchronstimmen vertraut sind.
Die alten Fans werden sich kaum zu Beifallsstürmen hinreisen lassen. Die hatten schon ihre liebe Not mit der neuen Trilogie. Die alte Frage stellt sich erneut, warum etwas erzählen, dessen Ausgang so gewiss ist? Dass dabei Hintergründe beleuchtet werden und Antworten gegeben, die wirklich nur hartgesottene "Sternenkundler" für bedeutend ansehen können, erscheint als Rechtfertigung eher fadenscheinig. Der Meister der bildgewaltigen Inszenierung, promotet hier wohlkalkuliert die sich in den Startlöchern befindliche CGI-Serie und wer weiß was noch. Für einen netten Popcornabend, an dem man nichts Besseres vorhat, reicht es dennoch. |