Knallharter Thriller über die Machenschaften einer skrupellosen Großbank, lose basierend auf der realen Geschichte der BCCI-Bank. Ganz großes Kino in absolut konkurrenzfähigem Hollywood-Look. Hochkarätig besetzt und beherzt inszeniert, führt der Film an beeindruckende Schauplätze auf dem internationalen Parkett, behandelt einen Konflikt von gebührender Größe und dürfte auch das cineastisch anspruchsvolle Publikum zufriedenstellen.
Louis Salinger, Agent von Interpol und schon lange auf der Spur eines größeren Skandals, muss mit eigenen Augen mit ansehen, wie sein Partner auf offener Straße ermordet wird. Die Nachricht schlägt unter den Kollegen ein wie eine Bombe: Aus einem schon lange vor sich hin dümpelnden, halbwegs nebulösen Fall mit vielen Unbekannten ist mit einem Schlag eine handfeste Ermittlung mit massivem Zeitdruck geworden. Zusammen mit der New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman macht sich Salinger auf die Suche nach den Hintermännern für diese Tat. Doch weder Salinger noch seinen Kollegen von Interpol geht es ausschließlich um die Ermordung des Agenten: Sie sind schon Jahre auf der Suche nach Beweisen, die die Verwicklung der IBBC-Bank in massiv illegale Geschäfte von höchster Größenordnung untermauern. Leider kam bisher noch jedes ausscheidende Vorstandsmitglied oder auch nur jeder, dem die Behörden bei ihren Ermittlungen zu nahe gekommen sind, bei einer mysteriösen Serie von tragischen Unfällen ums Leben.
Schon bald stellt sich die Bank als unantastbar heraus, denn deren Tentakel haben sich offenbar bis in die höchsten internationalen Instanzen vorgearbeitet. Salinger und seine Kollegen können wirklich niemandem trauen. Auch finden sich keine Informanten: Jeder Insider schweigt, wohl wissend, dass in so einem Fall sein eigenes letztes Stündchen geschlagen hat. Doch angetrieben vom Rachedurst für den ermordeten Kollegen lässt Salinger nicht locker und recherchiert, verfolgt, jagt jeder Spur nach. Diese führen ihn zusammen mit seiner Kollegin Whitman vom Interpol-Hauptsitz in Lyon nach Berlin, Mailand, New York und Istanbul. Mehr als nur einmal entrinnt der Agent selbst knapp dem Tode, und sein Ziel scheint sich mit jedem Schritt immer weiter zu entfernen.
Tom Tykwer ging beim Dreh offenbar keinerlei Kompromisse ein: Die Schauplätze, Figuren, Szenarien sind ebenso handverlesen, wie die überaus aufwendige Kameraarbeit, das Drehbuch, die Farbgestaltung und die Musik bis ins letzte Detail perfekt konzertiert sind. VW-Fans dürften die innovative Architektur der Autostadt Wolfsburg als Kulisse für den Hauptsitz der Bank wiedererkennen.
The International begeistert mit voller Breitseite und spielt eindeutig in derJames Bond- oder Jason Bourne-Klasse. Bereits nach wenigen Sekunden beweist allein die Optik, dass man hier ganz großes Kino vor sich hat. Während Tykwers Lola rennt eine ganz besondere, aber eben lokale Berliner Liebesgeschichte war und Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders nicht an die Buchvorlage heranzureichen vermochte, legt der 43-jährige nun mit The International einen international absolut konkurrenzfähigen Politthriller vor.
Clive Owens Figur erinnert generell stark an seine Darstellung in Children of Men, seine verbitterte Entschlossenheit noch dazu an Liam Neeson in 96 Hours. Armin Mueller-Stahl kann seine Figur aus Die Buddenbrooks nahtlos weiterspielen, und gibt quasi die logische, aber moralisch zerfressene Fortsetzung des Lübecker Kaufmanns nach einem Jahrhundert des Anhäufens von Reichtum. Einzig Naomi Watts hat viel zu wenig zu tun neben Clive Owen. Sie ist immer dabei, darf auch mal ein paar wichtige Dinge sagen oder tun, doch ein signifikanter eigener Handlungsstrang mit für die Dramaturgie notwendigen Entwicklungen bleibt ihr verwehrt.
Definitiv ein Must-See für Thrillerfans. Eine ausgiebige Schießerei im Guggenheim-Museum sollte die Gemüter der nach kruder Action Lüsternden besänftigen, und wer bloß spannende Unterhaltung nach dem Muster bekannter Thriller wie Die Üblichen Verdächtigen sucht, ist ebenfalls gut aufgehoben. Angemerkt sei außerdem, dass das Projekt bereits lange vor der aktuellen realen Finanzkrise in Arbeit war, die gegenwärtigen Umstände dürften das Einspielergebnis des Films jedoch stark positiv beeinflussen.