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Küss mich bitte!

(Un baiser s'il vous plait, 2007)

Dt.Start: 07. August 2008 Premiere: 04. September 2007 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: o.A. Genre: Komödie, Romanze
Länge: 101 min Land: Frankreich
Darsteller: Virginie Ledoyen (Judith), Emmanuel Mouret (Nicolas), Julie Gayet (Emilie), Michael Cohen (Gabriel), Frédérique Bel (Caline), Stefano Accorsi (Claudio), Mélanie Maudran (Pénélope), Marie Madinier (Eglantine), Lucciana de Vogüe (Louise)
Regie: Emmanuel Mouret
Drehbuch: Emmanuel Mouret


Inhalt

Eines Abends begegnet Emilie Gabriel auf einer Dienstreise in Nantes. Sie verabreden sich zu einem gemeinsamen Abendessen. Als Gabriel ihr zum Abschied einen harmlosen Kuss geben will, verweigert sie diesen. Eine Geschichte einer verheirateten Frau, deren Leben durch einen Kuss ihres besten Freundes auf den Kopf gestellt wurde, lässt sie nicht los. Sie erzählt Gabriel von dem scheinbar unbedeutenden Kuss, der doch so viel mehr bedeutete.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Küss mich bitte! hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
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Kritik

von Harald Witz
Küss mich bitte! hat eine Wertung von 75%
Zwei gebundene Menschen entdecken ihre Zuneigung füreinander. Doch die Frau verweigert sogar einen Kuss mit dem Verweis auf eine Geschichte: die besten Freunde Julie und Nicolas tauschen nämlich eben einen unschuldigen Kuss miteinander aus und lösen damit eine Reihe "beziehungszerstörender" Ereignisse aus. Emmanuel Mouret erzählt eine gewitzte und moderne Großstadtliebesgeschichte voller Ironie, Emotionen und kleinen menschlichen Wahrheiten. Die federleichte intelligente Unterhaltung tritt die Nachfolge des Claude Berri-Hits Zusammen ist man weniger allein aus dem letzten Jahr an.

Bild aus Küss mich bitte! Geradezu stiefmütterlich wird das Filmland Frankreich zur Zeit wieder behandelt. Ohne Festivals wüsste man bald gar nicht was jenseits des Rheins vor sich geht. So hat im Frühjahr die von Claude Berri produzierte Komödie Willkommen bei den Sch'tis (Regie Dany Boon) in der Art von Der Schuh des Manitu alle Rekorde in Frankreich gebrochen. Erst ab 30.10. dürfen die Deutschen einen Blick auf das schräge Leben an der nordfranzösischen Küste werfen. Von Altmeister Berri stammt auch der letzte französische Hit in Deutschland, die romantische Komödie Zusammen ist man weniger allein aus dem letzten August.

Genau ein Jahr später schickt sich Emmanuel Mouret an, mit der hintersinnigen Komödie Küss mich bitte! in die Fußstapfen von Audrey Tautou, Guillaume Canet und Laurent Stocker zu treten. Seine Komödie über die emotionalen Verwicklungen von Pariser Großstadtneurotikern hat ebenfalls das Potenzial zum breiten Erfolg an den deutschen Kinokassen. Die Geschichte beginnt in der Provinzstadt Nantes, wo sich zufällig Emilie (Julie Gayet) und Gabriel (Michael Cohen) kennen lernen. Sie spüren sofort "dieses besondere Kribbeln" zwischen ihnen. Doch Emilie verweigert sogar einen simplen Kuss, denn beide sind ja an andere Partner gebunden. Stattdessen erzählt sie dem verwunderten Gabriel eine Geschichte über die Folgen eines solchen unbedachten Kusses: Darin verlangt der intellektuelle Mathematik-Lehrer Nicolas (Regisseur Mouret) von seiner besten Freundin, der Wissenschaftlerin Judith (Virginie Ledoyen), einen kleinen Freundschaftsdienst. Seit seine letzte Beziehung zu Ende ging, fehlen ihm nicht der Sex sondern die Liebkosungen und Zärtlichkeiten so sehr, dass er bald wahnsinnig wird. Da sie sich regelmäßig praktisch jedes Intimdetail gegenseitig berichten und einander immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, wäre es doch schön, wenn sie - ganz freundschaftlich - einige Zärtlichkeiten austauschten. Auch wenn sich Judith gerade in einer glücklichen Ehe mit Claudio (Stefano Accorsi) befindet.

Nachdem die Option mit der Prostituierten wegen deren Kussverbot verworfen wurde, schreiten Nicolas und Julie zur Tat. Linkisch und ungelenk, bloß keine Lust empfinden, schließlich pflegen sie ja eine herrlich platonische Beziehung. Doch aus dem freundschaftlichen Kuss wird mehr ("Darf ich deinen Busen halten? ... Tut's auch nicht weh?") und mehr. Mit wissenschaftlicher und bürgerlicher Vernunft ist der ausufernden Situation bald nicht mehr Herr zu werden. Schnell wird es kompliziert. Denn so gut Claudio im Bett ist, so schön wie mit Nicolas ist es nämlich nicht. Der sucht sein Heil großmütig in einer Beziehung zur hübschen Stewardess. Aber auch das geht nur eine Weile gut. Sobald er Judith sieht, ist es um ihn geschehen. Nicht einmal auf Parties können die beiden von einander lassen. Da hilft nur das beiderseitige Bekenntnis zur Affäre. Doch was machen sie nun mit dem betrogenen Claudio? Judith will den Armen nicht verletzen. Wäre es nicht schön, er fände ebenfalls jemanden, mit dem er es so schön hat wie Julie und Nicolas?

Mit seinem vierten langen Spielfilm erobert der französische Filmemacher Emmanuel Mouret endlich auch Deutschland. Und er dürfte es im Sturm tun, denn seine unglaublich leichte und hintersinnige Liebeskomödie vereinigt französische Erzählkunst mit bezaubernder Unterhaltung und gewitzter Raffinesse. Mit vier großartigen Darsteller(innen) an seiner Seite, vor allem Virginie Ledoyen, sowie einem erstklassigen Drehbuch kann nichts schief gehen. Zumal Mouret mit der Lockerheit eines jungen Woody Allen und der feinsinnigen Beobachtungsgabe eines Eric Rohmer ausgestattet ist.

Wegen dieser liebenswerten Leichtigkeit, mit der er seine faszinierende und durchaus spannende Liebeskomödie erzählt, möchte man ihn fast als "François Ozon Light" bezeichnen. Mit dem französischen Regiegenie teilt er nämlich nicht nur Talent sondern auch Präzision und Virtuosität. Anders als andere französische Regisseure gleitet er angesichts der verrückten Liebesbeziehung nicht in Schwülstigkeiten ab. Seine Protagonisten sind unsicher und steif. Sie sind in Bürgerlichkeit erstarrte Wesen, die erst dank eines unerhörten Kusses ihre wahren Gefühle entdecken. Ihre amouröse Erweckung hindert sie allerdings auch weiterhin nicht daran, die Welt aus einer märchenhaft blauäugigen Perspektive zu betrachten. Ein Quell steten Amüsements. Die Komödie mit Hirn und Lust darf wie Berris WG-Märchen als großartige Alternative zum US-dominierten Kinosommer verstanden werden. Nicht nur Freunde der gehobenen Unterhaltung kommen hier auf ihre Kosten. Das Angebot zum Nachdenken über die Kompliziertheit zwischenmenschlicher Emotionen und Beziehungen ist nämlich kein Zwang sondern nur das Sahnehäubchen auf eine runde 96-minütige Unterhaltung.



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