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Altmeister Jiri Menzel inszeniert vier Jahrzehnte tschechische Geschichte nach Bohumil Hrabals Schelmenroman. Erzählt wird der lustvolle und unaufhaltsame Aufstieg des kleinen Tschechen Jan Dite, der sich durch Anpassungsfähigkeit, Freundlichkeit und Zufall in der Gastronomie vom unbedarften Kellner zum Luxushotel-Besitzer hocharbeitet und dabei die Weltgeschichte vom Ende des 1. Weltkrieges über deutsche Besetzung von Prag bis zur kommunistischen Ära hautnah miterlebt. Der preisgekrönte Reigen aus Slapstick, Schwejkiaden und freizügigen Eskapaden war für den Auslands-Oscar nominiert.
In seiner einsamen Hütte hat der strafgefangene Waldarbeiter Jan Dite (Oldrich Kaiser) Ende der 50er Jahre noch einmal die Gelegenheit, einer jungen Frau und ihrem alten Begleiter ein elegantes Mahl zu bereiten und seine Lebensgeschichte zu erzählen. Die handelt vom Schein und Sein, vom Dienen und Bedienen, von Bier und Geld, vom lustvollen Leben und Lieben, aber auch von Unterdrückung, Zerstörung und dem Irrwitz menschenverachtender Parolen. So muss der junge, "in seiner Größe benachteiligte" Jan (Ivan Barnev) in den Zwanziger Jahren eine Arbeit als Aushilfskellner in einem Prager Wirtshaus annehmen. Dort lernt der geschmeidige Jan mit Geschick und Zufall nicht nur sein Handwerk sondern auch, wie man ohne großes Zutun die Karriereleiter hinaufstolpern kann. Vom Wirtshaus wechselt er ins Freudenhaus, von dort in ein Sanatorium (das nicht minder der Lust dient), bis er in den Enddreißiger Jahren in einem Prager Nobelrestaurant als Oberkellner den Kaiser von Äthiopien bedient. Dank des väterlichen Rats eines Kaufmanns (Istvan Szabo) macht er ein Vermögen und verliebt sich rechtzeitig in die stramme sudetendeutsche Turnlehrerin Liza (Julia Jentsch), bevor die Deutschen das Land endgültig vereinnahmen...
Mit Liebe zu den Menschen und Lust auf die weibliche Schönheit erzählt der tschechische Altmeister Jiri Menzel die bewegte tschechische Geschichte bis zum Stalinismus nach und verlässt sich dabei ganz auf den augenzwinkernden Humor seiner Landsleute. Seine Verfilmung von Bohumil Hrabals berühmtesten Romans ist eine Schwejkiade, in der die Weltgeschichte aus der Sicht des kleinen Mannes betrachtet wird. Der wird "natürlich" dafür bestraft, dass er seinem Überlebensinstinkt folgt. Dafür präsentiert Menzel schnell immer wiederkehrende Rituale wie das Belegen schöner Frauenkörper mit kulinarischen Köstlichkeiten, das Auslegen von Geld auf dem Zimmerboden und die lakonischen Konflikte zwischen den Vertretern der Gastronomie. Da werden Beine bei Pirouetten mit Gedecken gestellt, mit weiblichen Reizen nicht gegeizt, Nazis, Polizisten und Militärs im Allgemeinen blamiert und mit Zivilcourage konfrontiert - kurz: dem Schicksal wird mit tragikomischer Selbstgefälligkeit und schelmenhafter Lakonie getrotzt.
Seit 1994 und Die merkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Mukshin hatte der Schöpfer von Werken wie Liebe nach Fahrplan oder Lerchen am Faden keinen Spielfilm mehr gedreht. Auf der diesjährigen Berlinale begeisterte Menzel im Wettbewerb mit der Geschichte vom kleinbürgerlichen Opportunismus und dem beständig unerwünschten Einbruch der Historie ins Leben seines Protagonisten. Zuvor hatte Ich habe den Englischen König bedient bereits in den heimischen Kinos alle Rekorde gebrochen. Für seinen zweiten Auslands-Oscar reichte es allerdings nicht. Menzels feinsinnige Komödie scheiterte ausgerechnet an einem Österreicher (Stefan Ruzowitzky gewann mit Die Fälscher).
Der herrlichen Unterhaltung tut dies keinen Abbruch. Vor allem in Sachen Humor demonstriert Menzel eine außerordentliche Meisterschaft, die allenfalls von seinen visuellen Still-Leben (Kamera: Jaromir Sofr) übertroffen wird. Der tschechische Witz, für Filmfreunde spätestens seit Kolya, Wir müssen zusammenhalten und zuletzt Leergut wieder ein Begriff, besitzt eine international verständliche Qualität, die (vielleicht geschichtlich bedingt) besonders im deutschsprachigen Raum bestens funktioniert. Menzels nachsichtige Betrachtung der menschlichen "Charakterunzulänglichkeiten" ergreift immer für die Schwachen Partei, was allerdings nicht bedeutet, dass sie gewinnen. Die grobklotzigen und verachtenswerten Mächtigen machen sich früher oder später immer irgendwie lächerlich, was durchaus tragische Auswüchse annimmt. Die satirisch-ironische Übertreibung ihrer Darstellung findet ihren Gegensatz im hinterfotzigen und opportunistischen Gehabe der kleinen Helden, die ihr Glück in kleinen Momenten finden und sich ansonsten mit einer Existenz als Laub im Wind der Geschichte zufrieden geben müssen. |