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Madagascar 2

(Madagascar: Escape 2 Africa, 2008)

Dt.Start: 04. Dezember 2008 Premiere: 07. November 2008 (USA)
FSK: o.A. Genre: Animation
Länge: 90 min Land: USA
Darsteller: Sacha Baron Cohen (Julien), David Schwimmer (Melman), Ben Stiller (Alex), Jada Pinkett Smith (Gloria), Cedric the Entertainer (Maurice), Chris Rock (Marty), Andy Richter (Mort), Alec Baldwin (Makunga)
Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Drehbuch: Etan Cohen


Inhalt

Die vier New Yorker Zootiere, bestehend aus dem Löwen Alex, dem Zebra Marty, Melman der Giraffe und Gloria dem Nilpferd, sind kurz davor, von Madagaskar nach New York zurückzukehren. Denn die Pinguine haben ein altes, abgestürztes Flugzeug "repariert" und somit beginnt die turbulente Reise ins heimische Amerika. Doch es kommt, wie es kommen musste: Die Chaos Gruppe stürzt über Afrika ab und muss sich nun durch die Steppe des zweitgrößten Kontinents schlagen. Dabei treffen sie erstmals auf andere Vertreter ihrer eigenen Art.
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Kritik

Madagascar 2 hat eine Wertung von 60%
Die lang erwartete Fortsetzung von Madagascar entpuppt sich als Reihung von teilweise herrlichen, teilweise plumpen Gags. Das Kinovergnügen wird jedoch nur getrübt, wenn man einen eher für Erwachsene konzipierten Film erwartet hat. Das Zusammenspiel der vier Pinguine mit den ehemaligen New Yorker Zoobewohnern ist jedoch auch in diesem Teil erfrischend.

Bild aus Madagascar 2 Nach einem gerade noch gelungenen Ausbruch aus dem New Yorker Zoo hat es den Löwen Alex, das Zebra Marty, das Nilpferd Gloria und die Giraffe Melman, sowie die Schimpansen Mason und Phil unter der eigenwilligen Führung vierer Pinguine bekanntermaßen nach Madagaskar verschlagen. In Madagascar trafen sie dort unter anderem auf eine Bande Lemuren, die das skurrile Quartett unter der Führung ihres ziemlich verpeilten Königs Julien letztendlich als Gäste aufnahmen.

Nun naht der Abschied: So langsam wollen die unfreiwilligen Gäste wieder nach Hause in die Großstadt, wo sie geliebt und bewundert wurden. Die vier findigen Pinguine Skipper, Kowalski, Private und Rico, die dank ihres militärischen Sachverstandes und einer eindeutigen Kommandostruktur bisher so ziemlich alles ermöglichten, haben ein im Dschungel abgestürztes Flugzeug wieder hergerichtet. Mit diesem wollen die New Yorker ihr Exil wieder verlassen und zurück nach Hause fliegen. Nach einem würdigen Abschied, bei dem König Julien spontan verkündet, in Begleitung seines treuen Beraters Maurice mit nach New York reisen zu wollen, erfolgt der weniger würdige Start der Konstruktion per Katapult. Da Bambus und Pinguintechnologie nicht zwingend einen Erfolg der Aktion garantieren, schaffen es Crew und Passagiere auch gerade mal über die Meerenge nach Afrika hinüber, wo sie sogleich gekonnt abstürzen.

Bei der Kontaktaufnahme mit der lokalen Fauna stellt sich heraus, dass die New Yorker ausgerechnet in dem Reservat angekommen sind, aus dem Löwe Alex einst nach Amerika entführt worden ist. Hier trennen sich die Wege der Gefährten zunächst, da jeder erst einmal seinen Artgenossen kennenlernen geht:

Alex, auf deutsch übrigens gesprochen von Jan Josef Liefers, findet sich bei den Löwen ein. Sein Vater Zuba ist Alphalöwe im Rudel, dessen Bruder Makunga plant schon lange eine Machtübernahme. Mutter Florrie ist nur froh, ihren Sohn wiederzuhaben, der übrigens eigentlich Alakay heißt. Makungas List zur Übernahme der Alphaposition besteht darin, Alex den Aufnahmeritus für Junglöwen nachholen (und darin versagen) zu lassen. Alex' Aussage, König von New York zu sein, wird natürlich fehl interpretiert, was den tanzenden, aber ansonsten friedfertigen Löwen bald alt aussehen lässt.

Marty, gesprochen von Rick Kavanian, muss dahingegen feststellen, dass die anderen Zebras genauso cool sind wie er selbst und dass seine eigenen Fähigkeiten doch nichts so besonderes sind, wie er immer dachte. Er findet sich in die Herde ein und entfremdet sich bald wegen einer dummen Kleinigkeit von seinem ehemals besten Freund Alex.

Gloria, die von der deutschen Stimme von Angelina Jolie, Claudia Urbschat-Mingues, synchronisiert wird, überlegt, einen ordentlichen Partner fürs Leben zu finden. Die langjährige Liebe von Melman hat sie immer noch nicht als solche erkannt, daher ist der dem Selbstmord nahe, als Gloria anfängt, sich ausgerechnet mit Moto-Moto, dem fettesten Macho-Nilpferd vor Ort, zu treffen.

Melman, von Bastian Pastewka gesprochen, erlebt neben seiner Liebeskrise wegen Gloria gute Akzeptanz bei den anderen Giraffen, die ihn wegen seiner großen Erfahrungen mit Leid und Schmerz gleich zu ihrem Medizinmann machen - der letzte ist urplötzlich verstorben. Doch Melman entdeckt selbst bald einen braunen Fleck auf seiner Schulter und ist sicher, dass sein Leben nun wirklich bald ebenfalls zu Ende gehen wird.

Als plötzlich eine Gruppe Safari-Touristen auftaucht, bemächtigen sich die Pinguine (wie zuvor gesprochen von den Fantastischen Vier) derer Fahrzeuge, um das Flugzeug wieder flott machen zu können. Die dadurch selbst gestrandeten Touristen, übrigens alle aus New York, organisieren sich unter der Führung der zufällig anwesenden Nana, der resoluten Löwenbändiger-Großmutter aus Madagascar zu einem effektiven kleinen Völkchen und lassen sich im Dschungel nieder. Deren Staudamm gräbt dem Wasserloch des Reservats den Nachschub ab und sorgt so für einen Konflikt zwischen den Menschen und den Tieren. Nun liegt es an Alex, sich als echter Kerl zu beweisen.

Die Fortsetzung des Kinohits Madagascar von 2005 weist leider alle Anzeichen einer durch Marketingstrategen gefällig konstruierten Geldmaschine auf: Die beliebtesten Figuren wurden ausgebaut, die Handlung vernachlässigt (und in weiten Teilen sogar von Der König der Löwen übernommen, was man ja als Parodie interpretieren kann), das Presseheft wirbt sogar mit "noch mehr Lachern pro Minute" in der hoffentlich fiktiven Einheit "LpM". Dabei kommt es doch in jedem Film auf glaubwürdige Figuren in einer glaubwürdigen Handlung an. Wenn sich der Zuschauer mit keinem Detail auf der Leinwand identifizieren kann, wird er es schwer haben, dem Film zu folgen. Die Macher des ersten Teils hatten sehr gut ausgearbeitete stadtneurotische Charaktere und eine schöne, leicht skurrile Handlung vorgelegt. An diese anzuknüpfen, würde nicht leicht werden, hätte aber ein relativ hohes komödiantisches Niveau ermöglicht.

Leider wurde dies verpasst: Die vorliegende Fortsetzung besteht größtenteils aus einer zusammenhanglosen Reihung von Gags, die teilweise bis zum Gehtnichtmehr wiederholt werden. Dass das alte New Yorker Großmütterchen mit ihrer Handtasche einen ausgewachsenen Löwen in die Flucht prügelt, war ein wundervoller Gag im ersten Teil, dass sie nun in Afrika als eine Art Kampfmaschine eingesetzt wird, ist nicht mehr wirklich lustig. Derselbe schale Beigeschmack findet sich bei den meisten anderen Fortsetzungsgags im Film, wenn auch nicht immer so deutlich. Generell wirkt der Film eher ziellos, da die Rückreise nach New York eine ohnehin eher fade Motivation darstellt, die auffällige Ähnlichkeit zu Der König der Löwen verstärkt noch den Eindruck einer Gagparade.

Wer auf der Suche nach neuen und alten Gags mit den beliebten Figuren aus Madagascar ist, wird den Film sicher genießen können. Doch wer die Hoffnung auf eine wirklich vielschichtig animierte Komödie hegte, die zur Abwechslung mal nicht aus dem Hause Pixar stammt, wird enttäuscht werden.

Nichtsdestotrotz wurde bei der Produktion Wert auf eine hohe technische Qualität gelegt, die allein manchen dramaturgischen Nachteil aufhebt. Will.i.ams Song "Big and Chunky" zum Beispiel wird sich sicher bald einer großen Radiobeliebtheit erfreuen. Der Frontman der Black Eyed Peas wirkte als Co-Komponist bei der Produktion mit und spricht in der Originalversion auch den flirtfreudigen Moto-Moto.

Doch leider leidet Madagascar 2 unter einer Patchwork-Dramaturige, die nur auf das kurzfristige Bauchpinseln des Zuschauers ausgelegt ist. Ob ein Film gut ist, hängt jedoch keinesfalls von einem möglichst hohen LpM-Faktor ab, sondern von dem Freiraum, dem man einem fähigen Filmteam vom Drehbuchautor bis zum Regisseur zu lassen bereit ist.

von Julian Reischl


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