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Wie lässt man los, wenn man keinen Abschied nehmen konnte? Wenn der Mensch fortgerissen wird, der einem alles bedeutet hat? Stan Philipps Frau Grace ist Sergeant in der US-Army und im Irak stationiert. Eines Tages stehen zwei Militärangehörige vor Stans Tür. Grace ist im Dienst fürs Vaterland getötet worden. Stan ist wie vom Schlag getroffen, unfähig zu reagieren und vor allem nicht fähig diese Nachricht seinen Kindern mitzuteilen. Während einer kleinen Reise hofft er den geeigneten Augenblick und die Kraft zu finden, um mit ihnen zu reden. Eine kleine Odyssee der Selbstfindung, des neu kennen Lernens, eine sensibel erzählte Reise zum eigenen Ich und zum Mittelpunkt des Schmerzes. So still, dass keine echte Klangfärbung der Gefühle deutlich sichtbar wird und die Frage bleibt, ob hier nicht letzen Endes das Opfer im Dienst der Nation nicht doch zu sehr Mittel zur Inszenierung ist.
Seit die USA 2003 Truppen in den Irak entsendet hat, sind über 4.000 amerikanische Soldaten getötet worden. Nahezu nur Männer, doch auch Frauen gehören zur Truppe und erfüllen ihre Pflicht. Stan (John Cusack) und Grace haben sich in der Wehrausbildung kennen gelernt, verliebt und anschließend geheiratet. Beide wollten Berufssoldaten werden, aber Stan wurde aufgrund seiner schlechten Augen aus dem Dienst entlassen. Grace blieb bei der Truppe und wurde in den Irak versetzt. Getrennt von seiner Frau, muss Stan nicht nur die Familie versorgen, sondern kämpft mit seiner Einsamkeit und dem Gefühl des "Versagens". Schließlich erledigt Grace den "Männerjob".
Als innerlich distanzierter Typ, der mit seinen Gefühlen nicht gut umzugehen weiß, verfällt Stan in emotionale Starre, als man ihm das Mandat über den Tod seiner Frau überbringt. Unfähig, seinen Töchtern Heidi und Dawn (Shélan O'Keefe und Gracie Bednarczyk) reinen Wein einzuschenken, entschließt er sich mit den beiden einen Trip zu einem Freizeitpark zu machen. Der Weg dorthin wird zu einer Reise zur Wahrheit, die allgegenwärtig präsent ist und wie ein Damoklesschwert über den Dreien schwebt, aber nicht aussprechbar scheint. Zwischenstopp wird der Aufenthalt in Stans Elternhaus, dort gastiert sein Bruder John (Allesandro Nivola), der eine ganz eigene alternative Lebensform pflegt und vor allem kein ausgesprochener Befürworter der Irakpolitik ist. Das Wiedersehen bleibt nicht ganz Konfliktfrei, bringt aber eine gewisse Balance ins Geschehen und sorgt für eine neue Perspektive, da bisher der Fokus auf die Verlustbewältigung der Angehörigen einer "Militärfamilie" lag und nun kritischere Töne angeschlagen werden. Der Weg der Familie zu neuen Erkenntnissen und Wahrheiten ist aber noch nicht zu Ende.
Mehrfach ausgezeichnet wurde Grace is Gone beim independent Sundance Filmfestival mit dem Publikumspreis, dem Preis für das beste Drehbuch und überdies erhielt der Film zwei Golden Globe Nominierungen. Kernmotiv ist etwas sehr Alltägliches: Der Verlust eines geliebten Menschen und der Umgang damit. Allerdings ist es eine sehr "amerikanische" Geschichte, die hauptsächlich ihre Zielgruppe in der eigenen Bevölkerung finden wird. Der Irakkrieg, der offiziell via Dekret der Bush-Administration als "gewonnen" deklariert wurde, ist längst Alltag in den US-Wohnzimmern. Verlustmeldungen flimmern täglich über den Äther, Familien die nicht unmittelbar betroffen sind, dürften sich an diese Meldungen inzwischen leider mehr als gewöhnt haben.
Bei so genannten Militärfamilien sieht das anders aus und auch der Umgang mit den Medien ist ein anderer. Angst ist ständiger Begleiter und der drohende Verlust allgegenwärtig. Um der Story zusätzlich zum zentralen Motiv noch etwas Neues hinzuzufügen, wird die Geschichte aus einer ungewohnten Perspektive erzählt: Der männliche Teil der Familie ist der Zurückgelassene, der mit dem Verlust klarkommen muss und die Pflicht hat, seinen Kindern die tragische Wahrheit mitzuteilen. Ob das tatsächlich in irgendeiner Form neue Akzente setzt oder einfach nur als stilistische Umkehrung angesehen werden kann, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen.
Stans Reise mit seinen beiden Töchtern zu den eigenen unterdrückten Gefühlen und der Suche nach der inneren Stärke, diesen Konflikt zu meistern, wird in ausgesprochen stillen Bildern erzählt. Diese Tour zu sich selber entwickelt nur leider zu keiner Zeit wirklich tiefe Psychogrammqualitäten. Cusack, der zu den wandelbarsten Charakterdarstellern Hollywoods zählt und zuletzt in Zimmer 1408 zu sehen war, liefert zwar eine gute Performance als fragiles Seelenwrack ab, trägt dennoch zu keiner Erhellung des Geschehens bei. Dazu wäre möglicherweise etwas mehr Infragestellung des Vaterlanddienstes nötig gewesen. Und auch der Auftritt des, an einen pazifistischen Neuhippie erinnernden, Bruders liefert wenig mehr als Alibikritik am System ab. Mag sein, dass Regisseur James C. Strouse nicht mehr wollte, als unbeantwortete Fragen aufzuwerfen, insbesondere, da die menschlichen Perspektiven und weniger die politischen Dimensionen im Mittelpunkt stehen. Nur bleibt zu hoffen, dass angesichts dessen, dass nun deutsche Truppen in Afghanistan als kämpfende Einheiten stationiert sind, diese Story nicht auch eine deutsche Geschichte wird. |