|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Couscous mit Fisch(La Graine et le mulet, 2007)
| Dt.Start: |
28. August 2008 DVD: 22. Mai 2009
|
 |
Premiere: |
03. September 2007 (Venice Film Festival, Italien) |
| FSK: |
ab 6
|
Genre: |
Drama |
| Länge: |
155 min
|
Land: |
Frankreich |
|
Darsteller:
|
Habib Boufares (Slimane Beiji), Hafsia Herzi (Rym), Farida Benkhetache (Karima), Abdelhamid Aktouche (Hamid), Bouraouia Marzouk (Souad), Alice Houri (Julia), Leila D'Issernio (Lilia), Abelkader Djeloulli (Kader), Olivier Loustau (José), Sabrina Ouazani (Olfa), Mohamed Benabdeslem (Riadh), Bruno Lochet (Mario), Cyril Favre (Serguei), Sami Zitouni (Majid), Mohamed Karaoui (Lafita) |
|
Regie:
|
Abedellatif Kechiche |
|
Drehbuch:
|
Abedellatif Kechiche |
|
 Inhalt
Seit 35 Jahren arbeitet Slimane als Hafenarbeiter in dem südfranzösischen Dorf Sete. Die Arbeit fällt ihm immer schwerer und auch die ständigen Streitereien mit seiner Familie machen ihm zu Schaffen. Von seiner Frau geschieden, sucht er trotz aller Konflikte auch immer wieder deren Nähe. Doch Slimane hat einen Traum: Er möchte ein eigenes Restaurant eröffnen. Doch mit seinem geringen und unregelmäßigen Gehalt, scheint dieser Traum in allzu weiter Ferne. Unterstützung findet er bei seiner Familie, die durch dieses Vorhaben langsam wieder zusammenrückt. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Harald Witz
Abedellatif Kechiche erzählt vom Leben der Einwanderer aus den Maghreb-Staaten in Frankreich. Der 60 Jahre alte Hafenarbeiter Slimani leidet unter der schweren Arbeit, den Anforderungen seiner Ex, den Ansprüchen seiner jetzigen Frau, den Wünschen der Kinder sowie dem Gefühl, im Leben eigentlich nichts erreicht zu haben. Also macht er sich an die Erfüllung seines Traumes: Ein eigenes Couscous-Restaurant auf einem Schiff. Doch die Bürokratie und die zerstrittenen Familien machen ihm das Leben schwerer als je zuvor. Die Preis gekrönte Tragikomödie erzählt von den Stolpersteinen im Multikulti-Leben der arabischen Franzosen.
In Frankreich ist das Schicksal der Immigranten als Thema spätestens seit Tee im Harem des Archimedes (Mehdi Charef, 1985) fest im Filmkanon verankert. Deutsche Zuschauer erreichen sie allerdings meist nur über Filmfestivals wie in Berlin, München, Hamburg oder den auf francophone Filme spezialisierten Filmtagen in Tübingen. Und meist auch nur dann, wenn sie Filmpreise eingeheimst haben, wie die Tragikomödie Couscous mit Fisch. Abedellatif Kechiches Werk hat nicht nur den FIPRESCI-Preis bei den Filmfestspielen in Venedig erhalten, es wurde auch bei den französischen Césars gleich mehrfach ausgezeichnet.
Nach seinem imposanten Voltaire ist schuld erzählt der tunesisch-stämmige Regisseur eine autobiographisch inspirierte Alltagsgeschichte aus der Welt der Immigranten in einer kleinen französischen Hafenstadt am Mittelmeer. Dort hat der 60-jährige Hafenarbeiter Slimani (Habib Boufares) jahrzehntelang gebuckelt, nur um urplötzlich entlassen zu werden. Alteisen will Slimani deshalb nicht sein, denn er hat seit Jahren einen Traum: er will ein Restaurant auf einem Schiff am Hafen aufmachen und dort Couscous mit Fisch kredenzen. Dabei hat er mit zwei großen Widerständen nicht gerechnet: dem lokalen Behördenwahn und seinen Familien. Im Spießrutenlauf um Genehmigungen, Kredite und sich gegenseitig bedingender Unterschriften, droht ihm bald ebenso die Lust zu vergehen wie bei dem Versuch, seine langjährige Ex-Frau samt seinen erwachsenen Kindern mit seiner neuen Freundin samt Tochter zu versöhnen. Letztlich unterstützt ihn nur die rotzfreche "Neutochter" Rym (Hafsia Herzi) uneingeschränkt. Während zuhause die Familienmitglieder allenfalls beim gemeinsamen Couscous-Essen Eintracht wahren und sich sonst in gegenseitigen Anfeindungen über Erziehungsfragen, Arbeitslosigkeit und Treuebrüchen ergehen, stehen sie wiederum in trauter Clan-Verschworenheit gegen die angeblich so ruchlose und stolze Hotelbesitzerin Karima (Faridah Benkhetache), die ihnen den Vater weggenommen hat. Dabei bräuchte Slimane all ihre Hilfe und auch die seiner Freunde, um den Traum vom Restaurant zu erfüllen. Er hat nämlich alle Honoratioren und Entscheidungsträger der Verwaltung zum Couscous mit Fisch auf den umgebauten Kahn eingeladen...
Die "Exotik" maghrebinischer Familientraditionen und -verhältnisse bildet den Rahmen für eine universelle Allegorie über das Streben noch Glück und dem Gefühl von Geborgenheit und Heimat. So bringt der Betrachter nach kurzer Zeit ebenso Verständnis für Slimanes Flucht aus der chaotischen Familiensippe auf, wie kurze Zeit später auch wieder Sympathien für dieselben "Nervtöter" erwachsen. Mit kleinem Budget und unter der Ägide von Produzent Claude Berri kann Abedellatif Kechiche seine persönliche Geschichte in etwas zu langen 150 Minuten als eine illustre Annäherung der diversen feingezeichneten "Kontrahenten" auf unterschiedlichen Ebenen erzählen. Vielleicht wirkt seine Geschichte deshalb wie aus dem Leben gegriffen. Und pralles Leben findet man hier überall. Vor allem die junge Hafsia Herzi als Rym steht mit ihrem aufmüpfigen Trotz für eine unbrechbare Vitalität und drückt diese im Finale, allen Problemen zum Trotz, mit ihrem verzweifelt-sinnlichen Bauchtanz aus. Kein Wunder, dass sie dafür mit einem César als Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet wurde. Ihrem Tanz steht Slimanes Jagd nach dem glücksverheißenden Couscous gegenüber, das sich im Auto seines untreuen Sohnes befindet. Dieses befindet sich durch Zufall in den Händen gedankenloser Kids, die sich einen bösen Streich erlauben und sich allenfalls über Slimanes Ausdauer wundern. Ein besseres kontrastreicheres Bild für die Anstrengungen und Widerstände des Lebens hat man selten gesehen.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2012 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|