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Ein harter Actionthriller mit Starbesetzung und internationalen Schauplätzen: Was mehr kann man denn wollen? Die zunächst recht simpel anmutende Handlung verkompliziert sich bald, doch fördert dies nur die Spannung. Großes internationales Kino, inszeniert von Regie-Newcomer Pierre Morel, produziert von Frankreichs Erfolgsgarant Luc Besson.
Bryan, geschiedener Geheimagent im Ruhestand, hat es nicht leicht im normalen Leben: Seine Ehe ging vor langer Zeit in die Brüche, zu seiner Tochter Kim hat er nicht so den rechten Draht, nur die alten Kameraden aus Bryans aktiver Zeit - alle mit ähnlichen Problemen - kommen ab und zu mal auf ein paar Bier rüber. Um nicht völlig untätig zuhause zu sitzen, arbeiten Bryan und seine Kumpels auch als Anbieter von gehobenen Security-Diensten, was sie aber als vergleichsweise stumpfsinnigen Job empfinden.
Bryan ist gar nicht begeistert, als Kim ihm eröffnet, zusammen mit ihrer Freundin Amanda nach Paris reisen zu wollen: Er verbietet seiner Tochter die Auslandsreise kurzerhand. Doch da die große weite Welt für normale Menschen im Allgemeinen nicht so gefährlich ist wie für Geheimagenten, sorgt Lenore, Kims Mutter, dafür, dass Bryan dann doch noch zähneknirschend zustimmt. Doch nur unter strengen Auflagen. Wie Teenager nun mal so sind, muss Bryan nach der Abreise seiner Tochter feststellen, dass Amanda und Kim doch nicht vorhaben, länger in deren elterlicher Luxuswohnung in Paris zu bleiben, um Museen zu sehen, sondern der Europatour von U2 nachreisen werden. Doch noch bevor Bryan seine Tochter telefonisch zur Rede stellen kann, kommt sowieso alles anders:
Während Kim von Paris aus ihren Vater erstmals anruft, bekommt sie mit, wie wenige Zimmer weiter Amanda brutal überfallen wird und gerät in Panik. Nur durch Bryans sofortiges Handeln kann sie ihrem Vater noch einige letzte Details zu den Tätern durchgeben, bevor auch sie entdeckt und verschleppt wird. Bryan zögert natürlich keine Sekunde, setzt sich in den nächsten Flieger nach Frankreich und nimmt noch am Flughafen die Spur seiner Tochter auf. Während der amerikanische Ex-Agent in der Stadt der Liebe eine Spur der Verwüstung hinterlässt, droht Amanda und Kim ein Schicksal der Zwangsprostitution durch erzwungene Drogengabe. Die französischen Behörden finden sich selbst auch in keinem besonders guten Licht wieder: Wenn ein determinierter Ausländer in wenigen Stunden effektiver und umfassender ermittelt und handelt, als die lokale Polizei das selbst in einigen Jahren nicht vermochte, sieht das nicht besonders gut aus.
Der rasante Actionthriller aus der Feder von Erfolgsproduzent Luc Besson wurde von Pierre Morel inszeniert, einem jungen französischen Regisseur, der Besson schon mit der Regie von Ghettogangz - Die Hölle vor Paris und der Kameraarbeit zu Unleashed - Entfesselt beeindruckt hat. Morel wählte einen sehr schnellen Takt und Handlung ohne viel Gerede, sowie prägnante Einstellungen ohne großen Kamera-Schnickschnack und reißt so die Zuschauer förmlich an der Hand mit durch Paris. Liam Neeson glänzt als nicht mehr ganz junger Agent mit Erfahrung und Gespür, fast der ganze Film wird aus seiner Perspektive erzählt.
Das Besondere an dieser und den meisten anderen Besson-Produktionen ist der Beweis, dass großes internationales Erfolgskino sehr wohl außerhalb der USA spielen und funktionieren kann, ohne gleich als internationaler Independent-Film abgestempelt zu werden. Gerade die Agenten-Thematik schreit ja geradezu nach internationalen, exotischen Schauplätzen, was hier mit Bravour exerziert wird.
Bei 96 Hours begibt sich der Zuschauer auf einen harten, schnellen Ritt durch die internationale Kriminalität. Dass die Filmhandlung nicht frei erfunden, sondern nicht unähnlich tatsächlich täglich passiert, lässt es dem Zuschauer bei fast jeder Szene kalt den Rücken hinunterlaufen. Ein absolut empfehlenswerter, harter Actionthriller ohne Kompromisse. |