Willkommen in der Pension für den "besten Freund des Menschen". Kinder könnten mit ihrer überschüssigen Zeit so viele nutzlose Dinge anstellen oder gar auf die schiefe Bahn geraten. Da lobt man sich doch ein paar Jungendliche, die ihre Energie und Engagement investieren, um ausgesetzten oder entrechteten Vierbeinern ein Zuhause zu geben. Hanebüchene Logik, aber charmante Jungschauspieler und eine sympathische, mit positiver Grundaussage versehene Story, sorgen für reichlich amüsante Kurzweil.
Es ist also noch möglich: Jugendfilme zu machen, in denen sich die Teenies ihr Selbstwertgefühl nicht ermogeln, indem sie - entgegen aller Widerstände - den x-ten Superstar-Contest gewinnen, mit dem Traumpartner zum Abschlussball gehen oder vom hässlichen Entlein zum wunderschönen Schwan mutieren. Vielleicht ist dafür nicht einmal notwendig das Rad neu zu erfinden. Das Hundehotel glänzt nicht mit einem vor Kreativität übersprühendem Plot; die Stärke des Films offenbart sich aber in der durchaus sympathischen Story - sogar wenn man kein Hundefreund ist.
Die Waisen Andi (Emma Roberts) und Bruce (Jake T. Austin) haben es im Leben nicht gerade leicht. Schon bei einer Reihe von Pflegefamilien waren sie zu Gast, aber irgendwie stimmte die Chemie nie. Die aktuellen Gasteltern sind aber eine echte Horrorshow: Ein abgehalftertes Rockerpärchen, das auf seinen Durchbruch als Musiker hofft und dafür den ganzen Tag, jämmerliche Töne von sich gebend, probt. Musik nennen die das. Andi und Bruce fühlen sich sehr allein gelassen. Das einzige was den beiden als Erinnerung an ihre Eltern blieb, ist ihr Hund Friday. Keiner außer Andi und Bruce weiß von ihm, und um an Geld für Futter zu kommen, wenden die beiden schon mal eine krumme Tour an.
Als sie bei einem kleinen Betrug erwischt werden, macht ihnen ihr Betreuer von der Jugendbehörde mächtig Druck. Wenn sie noch mal über die Stränge schlagen und aus ihrem Gastzuhause fliegen, wird er sie trennen und einzeln vermitteln. Das wollen beide auf keinen Fall, aber um ihren Hund müssen sie sich halt kümmern. Den wollen sie keinesfalls hergeben. Da trifft es sich nicht schlecht, dass die drei über ein lang vergessenes, leer stehendes Hotel stolpern. Hier könnten sie ihren vierbeinigen Freund vorerst unterbringen, wenn das Hotel nicht schon belegt wäre: Zwei andere Hunde haben sich dieses schon als Domizil auserkoren. Glücklicherweise sind sie aber bereit zu teilen und in dieser "Hundeherberge" ist noch eine Menge Platz. Es gibt viele Hunde, die ein trauriges Dasein in Tierheimen oder auf der Straße frönen. Den beiden kommt da eine Idee. Ohne ein paar helfende Hände und eine ausgefeilte Logistik wird das Hotelmanagement aber eine Bruchlandung erleiden.
Im Stile turbulenter Familienunterhaltung der besten Disney-Zeit, ist Das Hundehotel inszeniert. Basierend auf der Romanvorlage des Autors Lois Duncans Hotel for Dogs, der eigentlich in Horrorgefilden zu Hause ist, liefert Regisseur Thor Freudenthal bei seinem Spielfilmerstling eine charmant-freche Komödie ab, die mit den üblichen brav-biederen Werten besetzt ist, aber zumindest eine leicht anarchische Note besitzt. Da es im Grunde nun ein Disney-Werk ist, auch wenn sich die poppigere, durchgeknalltere Produktionsfirma Nickelodeon dafür verantwortlich zeigt, braucht der pädagogische Anspruch nicht zu verwundern.
Allerdings sind diese Teens nicht so arg glatt gebügelt, wie oft bei den familientauglichen Formaten des Entertaintment-Giganten üblich. Allein dass die Grundstory jenseits heiler Familienidylle stattfindet; Teenager unangepasst sind und "nicht vermittelbar" scheinen - sogar lügen, stehlen und betrügen, ist für die Vorzeigevermittler uramerikanischer Familienwerte schon recht gewagt. Sorgen braucht sich indes niemand machen. Im Grunde sind das alles liebenswerte Kids, die Unrechtes nur zum höheren Wohle tun. Letzten Endes dreht sich alles um Freundschaft, Loyalität, Hilfsbereitschaft und all das, was als moralischer Kompass sonst noch in solch einen Film gehört.
Ältere Teenager werden Das Hundehotel ohnehin kaum nennenswert wild finden. Im Grunde bleibt es brave Familienunterhaltung, mit Betonung auf Unterhaltung. Lässt man sich auf die Geschichte, die Gags und den Humor ein, wird man auch als Erwachsener viele vergnügliche Augenblicke erleben. Der Streifen ist extrem kurzweilig und die Zeit im Kinosessel vergeht ganz flugs. Alle Charaktere sind mit sympathischen Jungdarstellern besetzt und sogar der absonderliche Freak, der dem üblichen Schema folgend in die Truppe gehört, ist mit von der Partie und fördert ein paar irre Wendungen. Einzig bekanntes Gesicht im Cast ist Julia Roberts Nichte, Emma Roberts, die kürzlich in Wild Child - Erstklassig Zickig als High-Sociaty-Zicke zu "bewundern" war. Dort eher mit bescheidener Überzeugungskraft, leistet die Aktriss hier weitaus bessere Arbeit. Das Hundehotel ist ein tierischeres Vergnügen für Jung und Alt.