Eine junge ambitionierte TV-Journalistin begleitet die Mitglieder einer Feuerwehr-Staffel bei ihrer Nachtschicht. Als sie einen Wohnblock räumen sollen, werden sie von einer alten Frau attackiert. Seltsamerweise wird das Gelände vollkommen abgeriegelt und isoliert. Immer mehr Bewohner werden krank und aggressiv. Wie blutrünstige Zombies zerfleischen sie die Gesunden. John Erick Dowdle legt das Remake des spanisches Horrorthrillers REC vor, das angesichts des überzeugenden Zombie-Terrors des Originals fast gänzlich auf eigene Ideen verzichtet.
Die Gründe, warum Hollywood ausländische Filme für den heimischen Markt neu verfilmen und auf die lokalen Verhältnisse zurechtbiegen muss, sind dem hiesigen Kinogänger nicht immer einleuchtend. Mitunter befällt den Beobachter der Gedanke, dass Hollywood kaum mehr eigenständige Ware herstellt, sondern nur noch Adaptionen und eben Remakes dreht. Besonders im Horror-Genre sind Neuverfilmungen ein dominanter Faktor. Nach der japanischen und asiatischen Welle (Ring, Der Fluch - The Grudge, The Eye, The Call) und den Hochglanz-Remakes der eigenen Klassiker (Halloween, The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen) hat man nun Filmland Spanien für sich entdeckt. Deren Horrorfilme überzeugen schon seit einigen Jahren mit Qualität und Klasse. Zuletzt war REC von Jaume Balaguero und Paco Plaza auch in den deutschen Kinos erfolgreich. Die beiden Macher von Werken wie Hell's Resident, Fragile oder Romasanta haben noch nicht mal das Geld der Kinoauswertung ihres Hits zusammengezählt, da kommt bereits das Remake aus den USA.
Das heißt nun Quarantäne und wurde von John Erick Dowdle geschaffen. Gemeinsam mit seinem Bruder Drew transformierte er das Originalskript auf amerikanische Verhältnisse. Nach Poughkeepsie Tapes (2007), das nach dem Erfolg auf dem Tribeca Filmfestival im letzten April von MGM im nächsten Jahr in die Kinos gebracht wird, spielt Dowdle erneut mit einer ganz speziellen "Film im Film"-Motivik. Statt der Videotapes in der (Fake-) Doku wird hier das Objektiv eines Kameramanns zum Bildausschnitt für die Zuschauer.
Da werden Erinnerungen an Blair Witch Projekt (1999) wach, ohne dass Dowdle hier eine Innovation für sich reklamieren könnte. Vielmehr ist es sein Verdienst, eine gute Geschichte und ein gutes Drehbuch erkannt und respektiert zu haben. Seine Umsetzung orientiert nämlich eng am Original und streng aus der Sicht eines Kameramanns (Steve Harris), der die junge, ambitionierte Reporterin eines lokalen TV-Senders bei ihrer Arbeit filmt.
Für die aufgeregte Angela (Jennifer Carpenter aus Der Exorzismus von Emily Rose) ist die Reportage über eine Nacht auf der Feuerwehrwache die Chance, zu zeigen, was sie drauf hat. Nach einem Rundgang hat sie die Kamera fast vergessen und flirtet lieber mit den Männern des Löschzuges. Endlich kommt ein Anruf und die Männer um Fletcher (Jonathan Schaech) und Jake (Jay Hernandez) rücken mit den beiden TV-Journalisten aus. Es ist kein Großfeuer, sondern so etwas wie ein Unfall in einem alten Mietshaus. Der Hausmeister (Rade Serbedzija) und ein Streifenpolizist (Columbus Short) haben gerufen, denn aus einem Apartment in den oberen Stockwerken kam schreckliches Geschrei. Die anderen Bewohner des Hauses tröpfeln auch nach und nach ein, so dass unten im grauen Foyer einiger Tumult herrscht: eine besorgte Mutter, ihr krankes Kind, ein afrikanisches Ehepaar und andere obskure Gestalten. Als die Einsatzgruppe und das TV-Team das Apartment öffnen, treffen sie auf eine verwirrte alte Frau und eine Verletzte. Bevor sie aber erste Hilfe leisten können, werden sie von der blutrünstigen Alten angegriffen.
Ein Feuerwehrmann wird schwer verletzt und muss ins Krankenhaus. Doch die Ambulanz will nicht beikommen. Stattdessen entdeckt der Kameramann, dass die Ratten ebenso aggressiv sind wie die geifernde Alte. Erneut kommt es zu einer Attacke, als sich eine Frau plötzlich wie wahnsinnig auf die anderen stürzt. Doch kaum hat man sich darauf geeinigt, dass hier wohl eine Seuche vorliegt, treffen von allen Seiten Einsatzkräfte ein. Statt jedoch Hilfe anzubieten, verriegeln sie das Anwesen. Alle Verbindungen wie Telefon und Strom nach draußen werden gekappt. Eingänge und Fenster verbarrikadiert, und wer einen Fluchtversuch wagt, wird erschossen. Alleingelassen müssen die Bewohner, das TV-Team und die Feuerwehrmänner das Geheimnis der Seuche ergründen, nach einer Fluchtmöglichkeit fahnden und sich gegen die zunehmende Zahl Infizierter mit brachialer Gewalt wehren. Für Angela ist zunächst vor allem wichtig, dass sie das gefilmte Material hinausschmuggeln können. Doch bald geht es nur noch ums Überleben.
Horror, Terror und Zombies stehen Pate für einen offensichtlich konstruierten aber nichtsdestotrotz eleganten Genre-Plot. Seit 28 Days Later den Zombies Beine machte und sie nicht länger lahme, sabbernde Enten sind, haben die Untoten und ihre Verwandten wieder Hochkonjunktur. Erneut hält ein Virus dafür her, dass sich normale Menschen in blutrünstige Monster verwandeln, was von allen Variationen noch die akzeptabelste ist.
Quarantäne setzt zunehmend auf spektakuläre Attacken, die visuell ihre Spannung dadurch ausreizen, dass diese im engen Fokus der Handkamera von Steve Harris (tatsächlich zeichnet natürlich Ken Seng für die Bilder verantwortlich) stattfinden und unter Nutzung der Nachtsicht-Einstellung verfremdet eingefangen werden. Weil sich wie im Original am Ende alles auf Rennen, Schreien, Sterben reduziert, ist die Einführung der einzelnen Figuren eigentlich obsolet. Trotzdem punktet Dowdle auch hier mit unterhaltsamen Details und holt einiges aus den Charakteren heraus. Weil es viele kleine und große Geheimnisse zu entdecken gibt, das labyrinthische Haus für ausreichend Auslauf und doch für panische Nähe sorgt, bleibt das Spannungsniveau konstant hoch. Dowdle reizt die Zuschauer mit gezielten Nadelstichen hochmodernen Terrors und plakativen Splattereffekten. So demonstriert er sein Talent für höhere Aufgaben.
Sein Remake ist ein guter Unterhaltungsthriller für die breite Masse geworden. Vor allem Genre-Neulinge dürften hier ganz auf ihre Kosten kommen. Allerdings werden sich die REC-Fans allenfalls wegen des Vergleichs mit dem Original ins Kino bemühen, denn wirklich Neues erzählt ihnen Quarantäne nicht. Weil Dowdle, sein Team und die erfrischenden Darsteller ihre Sache gut gemacht haben, dürfen sich die Kinogänger auf den Start seiner Poughkeepsie Tapes 2009 freuen. Das ist dann kein Remake und dürfte deshalb noch sehenswerter sein.