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Wenn man eine Kurzzusammenfassung der Handlung von The Straight Story - Eine wahre Geschichte liest, befürchtet man vor allem eines: Langeweile. Aber obwohl das Erzähltempo sehr gemächlich ist und teilweise eine fast schon meditative Ruhe ausstrahlt, ist die Geschichte alles, nur nicht langweilig. Ein umwerfender Richard Farnsworth spielt Alvin Straight, einen dickköpfigen Rentner, der schon zu viel durchgemacht hat um sich um die unwichtigen Dinge des Lebens zu kümmern. Zusammen mit seiner Tochter Rose, dargestellt von Sissy Spacek, wohnt er im verschlafenen Nest Laurens in Iowa, wo ihn eines Tages die Nachricht erreicht, dass sein Bruder, mit dem er seit zehn Jahren im Streit liegt und kein Wort mehr gewechselt hat, einen Herzinfarkt hatte. Wachgerüttelt von dieser Meldung möchte er ihn wieder besuchen um die Differenzen beizulegen. Problem: Bruder Lyle wohnt in einem ganz anderen Staat und Alvin hat weder einen Führerschein, noch Lust auf jemanden angewiesen zu sein um dort hin zu gelangen. Lösung: Ein fahrbarer Rasenmäher muss als außergewöhnliches Transportmittel herhalten.
The Straight Story - Eine wahre Geschichte wurde von David Lynch inszeniert, und obwohl der Film eher untypisch für ihn ist, lassen sich doch ein paar Gemeinsamkeiten mit anderen Lynch-Werken festellen. Zum einen wäre da ein überwiegend visueller Erzählstil. Die Landschaftsaufnahmen sind zwar nicht sonderlich abwechslungsreich, aber das, was man gezeigt bekommt, ist ein wahrer Genuss. Seien es nun Farmlandschaften und windgezeichnete Kornfelder, die bis zum Horizont reichen, eine Großaufnahme von Richard Farnsworth' Gesicht, in dem man Emotionen lesen kann wie aus einem Buch, oder einfach ein Sternenhimmel, Lynch dreht vor allem für's Auge und für's Herz, nicht für den Verstand, und das macht er außerordentlich gut.
Trotzdem sollte man als Zuschauer nicht der Versuchung nachgeben sein Gehirn abzuschalten und sich passiv von den Bildern berieseln zu lassen, denn die zugegebenermaßen völlig unspektakuläre Story ist vielschichtiger als man vermuten würde. Alvin Straight begegnet während seinem Low-Speed-Trip einigen interessanten Leuten und erzählt ihnen von seiner Vergangenheit, er lässt sie und auch den Zuschauer an seiner Erfahrung und Weisheit teilhaben. Diese Szenen kommen glücklicherweise nie lehrerhaft oder besserwisserisch daher, es sind stille Momente, in denen man spürt, dass hier tatsächlich jemand ein Stück Wahrheit teilen will. Die Dialoge nerven nicht mit pseudophilosophischem Gelaber oder altklugen Sprüchen, es ist einfach interessant zu erfahren, was Alvin Straight gelernt hat, darunter seine Erlebnisse im Krieg, aber auch grundsätzlichere Dinge, die das Leben und die Familie betereffen.
Das meiste davon ist zwar nicht neu, aber es wird schön und unaufdringlich präsentiert, was The Straight Story - Eine wahre Geschichte zu einem der Filme macht, deren Botschaft man nicht fünf Minuten nach dem Ende wieder vergessen hat, sondern über die man sich auch noch einige Zeit später Gedanken machen kann. Denjenigen, die sich darauf einlassen die Bedeutung des Wortes "Hektik" für einen Abend zu vergessen, bietet Lynchs Werk einen wohltuenden, poetisch angehauchten Streifzug durch eine Welt, wie man sie sich manchmal wünscht aber immer seltener findet. Eine Wiederentdeckung der Langsamkeit und eine Verbeugung vor allen alten Menschen, die vielleicht nicht so schnell sind wie ihre Umgebung, aber erfahren genug um zu erkennen, dass das Erreichen eines Ziels oft weniger mit Geschwindigkeit, sondern vielmehr mit Ausdauer und Willenskraft zu tun hat. |