Jung sein, schön sein... und ein bisschen frivol. Letzteres eindeutig mehr zur Überspielung des verletzten Seelenlebens. Dennoch: Dem kecken Society-Girly Poppy geht es eindeutig zu gut: Bildung ist für sie Ballast, Schule die pure Langeweile. Stattdessen feiert sie lieber rauschende Partys im Domizil ihres Vaters in Malibu. Der hat allerdings langsam die Nase voll und denkt, dass es an der Zeit für ein wenig "Umerziehung" ist. Weichgespülte Teenie-Internatskomödie mit Pseudodrama-Untertönen. Eindeutig zu wenig Pepp und intellektuellem Subtext, der eindeutig an der Zielgruppe vorbeigeht.
Was gab es in der Vergangenheit schon für rotzig-freche und revoluzzige Teenie-Streifen, die einem sogar noch nach über 20 Jahren ein Grinsen aufs Gesicht zaubern? Ferris machte blau, Lisa war der helle Wahnsinn und sogar Clueless protzte mit liebevoll parodistischem Charme. Was macht also einen gute (Teenie-) Komödie aus? Am Puls der Zeit und dem Nerv der Zielgruppe. Kurz gesagt: Die Angesprochenen müssen sich wieder erkennen, Marotten und Eigenheiten gekonnt und liebevoll auf die Schippe genommen werden und (auch wenn es mitunter zu viel verlangt erscheint), sie sollten keine Beleidigung der Intelligenz des Zuschauers sein.
Bei Wild Child - Erstklassig Zickig wird man ein Gefühl nicht los: Hier wurde versucht zu retten, was bereits im Ansatz unrettbar verloren war. Die 16-jährige Poppy (Emma Roberts), ein drittklassiger Paris Hilton Abklatsch, ist ein ungezogenes Mädchen. Als einziges Kind des Stinkreichen Vaters (Aidan Quinn) lebt sie in Malibu ein Leben in Saus und Braus: Klamotten, Partys und kostspielige Accessoires füllen das Oberstübchen und lassen wenig Raum für mehr als Schein und Oberfläche. Der frühe Tod der Mutter war für Poppy ein harter Schlag und sie versucht nun den tief sitzenden Schmerz mit Glitter und Lametta zu überdecken.
Als sie es eines Tage in der Villa ihres Vaters mit einer Party zu weit treibt, beschließt der sie kurzerhand auf die Abbey Mount School zu schicken - ein strenges Mädcheninternat in England. Mit ihrem Look fällt sie dort sofort wie ein kunterbunter Hund auf. Und mit ihrem Verhalten avanciert sie schnell zum "Illegal Alien" des Hauses. Kameradschaft, Diziplin und Loyalität waren bisher für Poppy inhaltslose Begriffe und Lesen was für Langeweiler. Doch in diesem rigiden Haus ist kein Raum für Egotouren oder Extravaganzen. Poppy muss ich anpassen. Einige ihrer Mitschülerinnen möchten ihr sogar helfen sich zu integrieren. Insbesondere Kate (Kimberly Nixon) hat Mitleid mit ihr, als sie erfährt, dass Poppy vor fünf Jahren ihre Mutter bei einem Verkehrsunfall verloren hat.
Andere, wie die "Schulamazone" Harriet (Georgia King), würden sie lieber heute als morgen loswerden. Poppy hätte nicht einmal was dagegen der Schule verwiesen zu werden. Dieses spießige Irrenhaus hängt ihr zum Halse raus, wenn da nur nicht Dreamboy Freddie (Alex Pettyfer), der Sohn der Direktorin Kingsley (Natasha Richardson) wäre, der gelegentlich zu Besuch kommt und bei allen Mädchen starken Paarungstrieb auslöst. Ganz besonders bei Harriet. Freddie scheint sich aber mehr für Poppy zu interessieren - ein Grund mehr für Harriet diese zu hassen.
Ist es eine Teenie-Komödie? Viel zu selten gelacht. Ist es ein Drama? Von wegen! Freche Satire? Nicht mal im Ansatz... Wird es gut enden? Soll man Lügen? Ist es möglich, dass es bei diesem Film auch nur im Mindesten eine unvorhersehbare Wendung oder Plotpointe geben könnte? Alle Klischees und alle Stereotypen werden bedient. Schublade auf vorgefertigtes Motiv raus, Schublade zu. Vielleicht ist das schon der Ehre zu viel. Streng genommen scheint es vermessen von Plot zu sprechen: Regisseur Nick Moore reiht Szenen sinnarm bis wirr aneinander - und sogar der Schnitt wirkt lahm und schafft saftlose Übergänge. Fragwürdig für einen lang gedienten Cutter wie Moore, der mit Wild Child - Erstklassig Zickig seinen Regie-Erstling vorlegt.
Selbst wenn die Zielgruppe des Streifens bei jungen Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren liegen sollte, fragte man sich, ob die irgendeinen Spaß dabei haben können? Lahme Sprüche, zahme Schulstreiche. Wild Child - Erstklassig Zickig ist frech und wild wie ein Hamster auf Valium. Da waren die deutschen Schulkomödien der 60er und 70er a la Die Lümmel von der letzten Bank um längen besser. Als krasser Gegensatz die (verzweifelten?) Bemühungen der Macher, dem ganzen eine Spur Anspruch via pseudo-britischem Charme zu verpassen. Eine Reihe von Literaturanspielungen und Sidekicks auf Stolz & Vorurteil und Alice im Wunderland, verpassen dem Machwerk dann tatsächlich so was wie einen Hauch von Intellekt, werfen aber wiederum die Frage auf, welches Girl um die 14 die verstehen soll?
Wild Child - Erstklassig Zickig erreicht nicht einmal solides Mittelmaß und ist weit entfernt von der Qualität von Internatssatiren im Stile von Die Girls von St. Trinian. Da liegen Lichtjahre dazwischen - als wolle man einen Haufen fußlahmer Gäule mit einer Pavianrotte auf Ecstasy vergleichen. Und selbst britische Allerwelts-Girlykomödien wie Frontalknutschen sprühen, verglichen mit dieser antriebslos-uninspirierten Retortenkomödie, vor Charme und Witz nur so über. Geld an der Kinokasse für diesen Streifen hinzublättern, gleicht Euros zu Grabe tragen.