Gut gemeinter, aber leider auf dem europäischen Markt überhaupt nicht funktionierender Film, der versucht, die Liebe und ihre Spielarten zu kategorisieren. Gedreht fast ausschließlich in Studiokulissen und meist lustlos und routiniert gespielt von Hollywoodgrößen, bestehen die mühsam gewonnenen Erkenntnisse über die Liebe in Weisheiten, die hierzulande jeder seit den Jugendtagen in Fleisch und Blut trägt. Auf einem USA-Bestseller basierend, was darauf hinweist, wie verklemmt die dortige Gesellschaft zu sein scheint.
Eine locker zusammenhängende Gruppe junger Menschen zwischen 20 und 40 in Baltimore erlebt rund um die Liebe Höhenflüge, aber auch Enttäuschungen: Gigi zum Beispiel verliebt sich recht schnell in jeden, mit dem sie ein bisschen nett flirten konnte, und verzweifelt dann tagelang vor dem Telefon, wenn er nicht anruft. Beth und Neil lieben sich heiß und innig, doch Neil findet die Ehe eine veraltete Angelegenheit und erschüttert seine Liebste mit der simplen Frage, ob denn ein Schwur vor Gott wirklich sein müsse. Anna wiederum genießt das Leben mit den Männern, doch ist es für sie schwer, einfach nur einen Freund zu finden, der nicht bloß das Eine will.
Bereits in der ersten Zeile des Pressehefts wird darauf hingewiesen, dass es die Autoren von Sex and the City: The Movie sind, Greg Behrendt und Liz Tuccillo, die die Liebesnöte der eingangs genannten Figuren näher beleuchten. Nach so einem Erfolg lechzt die Masse der Fans natürlich nach einem Nachschlag, und so werden eine Menge Leute ins Kino strömen, um Er steht einfach nicht auf Dich! zu sehen. Doch leider ist die Enttäuschung vorprogrammiert.
Dabei hätte der Film doch so schön werden können: Eine Beleuchtung der menschlichen Flirt-Signale und ihrer (Miss)interpretation, den Stress und die Seelenqualen, den diese Probleme auslösen können und wie es dann vielleicht doch noch zu einem Happy End kommt, ist nicht nur einmal erfolgreich vorgenommen worden. Wo in der Biologie oft höchst faszinierend beschrieben wird, welche unglaublichen chemischen Mechanismen zum Tragen kommen, damit schlussendlich nur eines von Millionen Spermien ein Ei befruchten kann, hätte dieser Film mit etwas schärferem Blick die analogen Abläufe bei der menschlichen Balz beleuchten können.
Doch leider verliert sich der Film in den hochstilisierten und völlig gekünstelten amerikanischen Regeln der Annäherung: Wie weit darf beim ersten Date gegangen werden? Welche Grußformeln zu welcher Uhrzeit am Telefon lassen welche Schlüsse zu? Wie hat das Ganze bei den Schwulen zu laufen?
In einer noch immer überaus biederen und oberflächlichen Kultur, in denen Schimpfworte wie "fuck" im Kino verboten sind, Alkohol nicht auf der Straße konsumiert werden darf, aber das Tragen von Waffen kein Problem ist, gibt es sicherlich eine Menge Ansatzpunkte, die harten Alltagsregeln mit einem Augenzwinkern auf die Schippe zu nehmen - nicht nur Borat oder Religulous haben es vorgemacht. Doch hier in Europa, wo gänzlich andere Wertvorstellungen vorherrschen und Menschen nicht schon anhand ihrer Grußformel aussortiert werden, dürfte dieser Film nur ein müdes Lächeln hervorrufen.
Denn die Protagonisten sind allesamt gefangen im System der institutionalisierten US-Flirterei, die keinen Platz für Andersartige, für Außenseiter, für besondere Menschen bietet. In Amerika ist offenbar alles reglementiert, inklusive Kusslänge und dem richtigen Verhalten beim Sex, dort scheint es klare Definitionen für Freundschaft und Liebe zu geben. Nur wer alle Punkte gesammelt hat, darf eine Stufe aufrücken. Schrecklich.
Die gesamte Filmhandlung findet ohne Hinterfragung unter dem Deckel der amerikanischen Konventionen statt, weswegen alle für die Protagonisten noch so augenöffnenden Momente hierzulande kalter Kaffee, alte Hüte und Erkenntnisse aus längst vergangenen Zeiten sind.
Leider muss auch die Besetzung als nicht besonders gelungen bezeichnet werden: Niemand nimmt Jennifer Aniston und Ben Affleck eine gesunde, schon lang bestehende Beziehung ab, auch konnte keine unnötige Gestik oder Mimik dieser beiden festgestellt werden. Drew Barrymore wirkt, ebenso wie Jennifer Connelly, abwesend. Beide sehen auch noch ziemlich verlebt aus, so stellt man sich verkaterte Schauspieler vor, die nur für den Scheck zur Arbeit kommen - wobei ein unangenehmes Auftreten bei Jennifer Connelly allerdings ein Teil der Figur ist. Scarlett Johansson spielte weit einfühlsamer in Vicky Cristina Barcelona, trotzdem ist sie in diesem Film die mit Abstand heißeste Frau, der die verführerischen Signale aus jeder Pore quellen. Ginnifer Goodwin spielt die einfältige Gigi zwar konsequent und gekonnt, doch ist es wirklich schwer zu schlucken, dass eine Frau in ihrem Alter noch nicht kapiert hat, was ein Korb ist.
Kevin Conolly als Conor ist dermaßen unauffällig, dass man ständig vergisst, mit wem er nun befreundet ist und wen er nicht kennt, und man weiß schon gar nicht, auf wen er gleich wieder heimlich steht. Seine Auftritte kommen jedes Mal aufs Neue überraschend. Bradley Cooper spielt seinen Musikproduzenten Ben mit einem permanent erstaunten Gesichtsausdruck, er sieht aus wie ein junger Liam Neeson. Seine dem Alter absolut nicht angemessene, peppige Frisur trägt auch nicht gerade dazu bei, der Figur eine gewisse Tiefe zu verleihen, und bei jedem Auftritt scheint er stets väterlich-verständnisvoll zu schmunzeln. Kris Kristofferson hält nur ein paar Mal sein markiges Gesicht in die Kamera, bevor er zum Zwecke der emotionalen Weiterentwicklung des kümmerlichen Spannungsbogens gnadenhalber einen Herzinfarkt erleiden darf.
Der wahrlich einzige Lichtblick des gesamten Ensembles ist der Newcomer Justin Long, dessen Figur - wenn auch spät - in die einzig wirklich nachvollziehbare, realistische Krise von europäischer, gar französischer Qualität gerät und sich nennenswert weiter entwickelt. Fast der ganze Film wurde offensichtlich in Studiokulissen gedreht, die wenigen Außenaufnahmen sind ebenfalls sehr statisch und unbewegt, zu deutsch: man langweilt sich fast zu Tode.
Es gibt im gesamten Film nichts Unerwartetes, keine emotionalen Ausbrüche in positiver wie negativer Hinsicht. Wo in einem ordentlichen Liebesfilm ein enttäuschender Mann gewatscht und eine unerreichbare Frau bekniet wird, wo Tränen fließen, Türen knallen und akute Selbstmordgefahr besteht, findet sich hier ein einzelner kleiner Ausbruch in Form der Zertrümmerung eines Spiegels, woraufhin auch sofort Schaufel und Besen geholt werden, denn Ordnung muss ja sein. Und beim Rauswurf stapelt dieselbe Gehörnte ihrem Ex auch noch die Wäsche zur Abholung ordentlich auf der Treppe! In einem italienischen oder französischen Film wäre der ganze Krempel wenigstens unter lautem Geschrei publikumswirksam vom Balkon geschmissen worden. Trotz der ganzen Hollywoodgrößen, die sich allesamt anderswo verdient gemacht haben, leider ein absoluter Reinfall.